Man stößt dann darauf, dass die Feiertage Christi Himmelfahrt und Pfingsten nicht nur sehr viel grundsätzlicher und zuversichtlicher, sondern auch moderner sein könnten als die mit ihnen um unsere Aufmerksamkeit konkurrierenden Sonderdaten 1. Mai und Muttertag: beide übrigens von den Nationalsozialisten mit offizieller Bedeutung aufgeladen und im Kalender der gemeinsamen gesellschaftlichen Festdaten verankert - und gleichwohl unbekümmert von beiden deutschen Nachfolgestaaten des untergegangenen Reichs übernommen und im vereinten Deutschland beibehalten. Dies nur als Hinweis an alle, die sich mit der Zeitgemäßheit kirchlicher Feiertage beschäftigen. Natürlich: Ideologisch missbräuchliche Umdeutung muss Inhalte nicht auf Dauer diskreditieren. Mutterschaft zu achten und auch bezahlte wie unbezahlt geleistete Arbeit zu würdigen, könnte vielleicht sogar helfen, gesellschaftliche Diskussionen darüber mal anders zu führen als üblich.

Und für Christi Himmelfahrt und erst recht Pfingsten ist das nicht anders: Mögen sich auch Bilder der Ausgießung des Heiligen Geistes manchen nicht mehr erschließen, könnte die Geschichte von der aufgehobenen Sprachenverwirrung und der daraus folgenden allseitigen Friedfertigkeit gerade in Zeiten von Kriegen und großen Fluchtbewegungen doch Herzen und Horizonte weiten. Das wären dann echte Feiertage und Brücken-Wochenenden - auch im wörtlichen Sinne.

*Pastorin, Großräschen