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| 12:57 Uhr

Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Vetschauer Ärztin hilft Kranken weltweit

Regelmäßig besucht Dr. Ute Arend die Parkgemeinde Altdöbern, wo sie einen Englischkurs für Fortgeschrittene besucht. Trotz ausgewiesener Englischkenntnisse ist sie in entfernten Regionen oftmals auf zusätzliche Hilfe weiterer Dolmetscher angewiesen.
Regelmäßig besucht Dr. Ute Arend die Parkgemeinde Altdöbern, wo sie einen Englischkurs für Fortgeschrittene besucht. Trotz ausgewiesener Englischkenntnisse ist sie in entfernten Regionen oftmals auf zusätzliche Hilfe weiterer Dolmetscher angewiesen. FOTO: Uwe Hegewald
Vetschau. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche.Heute: Dr. Ute Arend aus Vetschau. Von Uwe Hegewald

Glück ist kostbar und rar. Bei vielen Menschen – wie in Entwicklungsländern – schaut es nur selten vorbei. Staat und Regierung sind dort oft nicht in der Lage, ein halbwegs ordentliches Gesundheitswesen zu installieren, um auch den Ärmsten der Armen zu helfen. Dr. Ute Arend kennt die Situationen nur allzu gut. Im Auftrag von German Doctors bereiste die Vetschauerin bereits mehrere Länder, um dort Kranke zu heilen, Schmerzen zu lindern oder um für vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen zu werben.

„Es war schon immer mein Ziel, im Verlauf meines Berufslebens irgendwann auch in Entwicklungsländern zu arbeiten. Externe Anschübe brauchte ich dafür nicht“, begründet die Ärztin ihre Einsätze für die humanitäre Hilfsorganisa­tion. 2013 und 2014 war Ute Arend für jeweils sechs Wochen auf den Philippinen im Einsatz, 2015 in einem Slum von Kenia und Anfang dieses Jahres in Bangladesch. „In der Regel werden pro Arbeitstag 45 bis 50 Patienten behandelt. In Cebu auf den Philippinen waren es bis zu 100 Patienten“, so die Fachärztin für Innere Medizin, die 20 Jahre lang in Vetschau eine eigene Praxis führte.

Auszug aus der Laudatio zum Tag des Ehrenamtes in OSL: „Nach ihrer Praxistätigkeit hat sie sich entschieden, dort zu helfen, wo es am nötigsten ist – in Armenvierteln oder gar dort, wo Schulmedizin ein Fremdwort ist.“  Vorausgegangen waren das Festigen von Englischkenntnissen und das Absenden des Bewerbungsschreibens an German Doctors.

Dass ein Mitwirken in der weltweit operierenden Organisation auf ehrenamtliche Fundamente gebettet ist, war der Internistin im Vorfeld bekannt. „Wir deutschen Ärzte arbeiten für sechs Wochen in unserer Freizeit unentgeltlich. Was die Flüge anbetrifft, wird uns aber die Hälfte der Flugkosten erstattet“, führt sie an.

Spartanische Unterkünfte, Schmutz, Smog, begrenzte Behandlungsmöglichkeiten oder Verständigungsdefizite hielten Ute Arend auch nach ihrem ersten Einsatz für German Doctors nicht davon ab, sich abermals für eine Mission einzuschreiben. „Es sind andere Menschen, andere Krankheitsbilder und die Eigenheiten der einzelnen Projekte, die immer wieder neue prägende Ereignisse hinterlassen“, sagt sie. Alle wichtigen Erfahrungen notiert die Vetschauerin in ein umfangreich geführtes Tagebuch. „Es geht mir auch darum, alles Erlebte von der Seele zu schreiben“, so die Ärztin. Von riesigen Menschentrauben, die in Kenia für eine Behandlung Schlange stehen, von der Skepsis unter Ureinwohnern oder Anfahrtswegen von bis zu zwei Stunden, um auch in entlegenen Gebieten Hilfe zu leisten. Einen Ausgleich für erlebte Beschwerlichkeiten „zahlen“ die Patienten mit dankbaren Gesten. „Da reicht mitunter ein Augenkontakt“, so Ute Arend, die nur auf Umwegen zu ihrem Traumberuf gelangt ist.

Die Vetschauerin ist Kind eines Pädagogen-Paares. Ein Medizinstudium war ihr versagt. In Dresden durfte sie schließlich Physik studieren, fand jedoch keinen Zugang und wechselte in eine Greifswalder Klinik. „Dort hat man sich für mich stark gemacht und ein Medizinstudium erwirkt“, blickt sie zurück. Vorteil des zwischenzeitlichen Intermezzos in der Physik: Mit Klaus Arend lernte die damalige Kommilitonin ihren späteren Ehemann kennen. Ein überaus verständnisvoller Partner und Vater der gemeinsamen, inzwischen erwachsenen Tochter.

Globetrotterin Ute Arend sagt es gerade heraus: „Ohne das Verständnis und Vertrauen der Familie wären meine Einsätze in den Entwicklungsländern nicht denkbar. Zumal Unwägbarkeiten nicht ausgeschlossen werden können.“ 2017 war das der Fall, als das Team von German Doctors bereits auf gepackten Koffern saß, der humanitäre Einsatz jedoch aufgrund der Unruhen auf den Philippinen gestrichen wurde.

Überrascht zeigte sich die Vetschauerin, dass sie am Tag des Ehrenamtes für ihr internationales Wirken geehrt wurde. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Auszeichnung für die Aktivitäten in der Herzgruppe ausgesprochen werden soll, die ich über 20 Jahre begleitet habe“, erzählt sie. Bis ins Jahr 2016 für die Herzgruppe aktiv, verpflichtete sich Ute Arend im selben Jahr für einen drei Monate währenden Dienst als Ärztin für Aufnahmeuntersuchungen im Flüchtlingsheim Doberlug-Kirchhain.

Und auch damit hat sich die couragierte Frau in der Region einen Namen gemacht: In Vorträgen erzählt sie Interessierten von ihren Reisen in ferne Länder, von Erlebnissen und Begegnungen mit Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Gleichzeitig nutzt sie die Vorträge, für die sie noch immer gebucht werden kann, um Spenden für die Organisation German Doctors zu sammeln.