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| 16:32 Uhr

Verzweifelter Kampf gegen den Lärm

Der Allmosener Ortsvorsteher Werner Scholz wäre schon froh, wenn sich die Brummifahrer wenigstens an das Tempolimit von 30 km/h hielten.
Der Allmosener Ortsvorsteher Werner Scholz wäre schon froh, wenn sich die Brummifahrer wenigstens an das Tempolimit von 30 km/h hielten. FOTO: Torsten Richter
Allmosen. Zahlreiche Anwohner der B 169 zwischen Cottbus und Ruhland haben vom ununterbrochenen Verkehrslärm auf der Bundesstraße die Nase gestrichen voll. Jetzt wollen sie mithilfe des Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Peter Schulze zunächst eine nächtliche Sperrung der Trasse für den Lkw-Durchgangsverkehr erreichen. Torsten Richter

"Wir können einfach nicht verstehen, warum sich die Politik nicht in die Lärmproblematik an der Bundesstraße 169 einmischt. Denn dort wohnen auch viele Wähler, deren Interessen sie vertreten sollte", bringt Gerhard Düring seinen Unmut auf den Punkt.

Der Klein Oßniger als Vorsitzender des Vereins "Interessengemeinschaft B 169" kämpft mit seiner Mannschaft bereits seit zwei Jahren um eine Sperrung der Fernstraße für die Lkw, den Quell- und den Zielverkehr ausgenommen.Jetzt endlich hat sich ein Politiker der Problematik angenommen. Und zwar niemand geringeres als der frischgebackene Bundestagsabgeordnete Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) aus Döbern. Er will die Anwohner, soweit es in seiner Möglichkeit steht, unterstützen. Allerdings sei das erste Ziel nicht die Lkw-Komplettsperrung des rund 50 Kilometer messenden gen Abschnittes zwischen den Autobahnabfahrten Cottbus-West und Ruhland, sondern ein temporäres Durchfahrtsverbot für Lastkraftwagen während der Nacht. "Ich werde versuchen, erst mal eine einigermaßen vernünftige Nachtruhe für die Betroffenen hinzubekommen", erklärt der Bundespolitiker.

Dazu wolle er die kürzlich von mehreren Kommunen entlang der Fernstraße beschlossenen Lärmaktionspläne zu Rate ziehen. In diesen Papieren sind konkrete Maßnahmen zur Minderung der Geräuschbelastung festgehalten. "Jetzt existieren für die Straßenverkehrsbehörden neue Beurteilungsgrundlagen", schätzt Schulze ein. Er kündigt an, die entsprechenden Gremien der Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz anzuschreiben. Zwar gebe es bundesweit keine einheitlichen, verkehrsbedingten Lärmobergrenzen. Doch die jeweils angegebenen Werte würden in den Orten an der B 169 ohnehin teils deutlich überschritten.

Laut einem Urteil des Bunvon 2008 beispielsweise befinden sich die Lärmobergrenzen tagsüber bei 70 Dezibel, nachts bei 60 Dezibel. Andere Quellen setzen diese Zahlen noch wesentlich niedriger an. Zum Vergleich: In der Ortsdurchfahrt Klein Gaglow werden am Tage 75 Dezibel erreicht und nachts 65 Dezibel. In Allmosen sind es 69 Dezibel tagsüber, in der Nacht 62.

Hauptursache für die ganze Problematik ist nach Ansicht der IG B 169 die bis heute nicht vollendete Oder-Lausitz-Straße, die einmal von der Uckermark bis in die südliche Niederlausitz führen soll. "Warum sollen wir ausbaden, dass längst nicht alle Ortsumfahrungen wie eben für Allmosen gebaut wurden?", fragt sich Corinna Jelinek. Sie engagiert sich seit Jahren in ihrem Dorf gegen den Lärm.

Indes fordert die Interessengemeinschaft weiter, dass der Lkw-Durchgangsverkehr über die Autobahnen 15 und 13 geführt werde, um die Orte an der B 169 zu entlasten. "Und zwar so lange, bis endlich die Umfahrungen gebaut sind", stellt Gerhard Düring klar. Das könne allerdings noch lange dauern. Selbst wenn im günstigsten Fall das Vorhaben im kommenden Jahr als vordringliches Projekt Eingang in den Bundesverkehrswegeplan finde, würden bis zur Straßenfreigabe möglicherweise weitere 20 Jahre vergehen. Nicht zuletzt forderten die Anwohner, dass die Politik sich endlich kreisübergreifend dieser Problematik annehme und nicht nur über lediglich eine Wahlperiode denke.