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Verrückter Professor gibt nicht auf

Senftenberg. Erik Grawert-May kämpft weiter um den Erhalt der Briesker Kathedralen der Industriegeschichte, die Waschkaue und die Kraftzentrale. Heidrun Seidel / hsd1

Der für seine spektakulären Aktionen bekannt gewordene Wirtschaftsprofessor, der 15 Jahre an der damaligen Senftenberger Hochschule Lausitz gelehrt hat und scherzhaft, aber auch liebevoll bewundernd "der verrückte Professor" genannt wird, hat am Sonntagvormittag mit "Margas Musikalischer Matinee" wieder den Erhalt und die Nutzung der beiden Briesker Industriedenkmäler angemahnt.

Damit knüpft er an die außergewöhnlichen Konzerte Anfang der 2000er-Jahre in der "Kaiserkrone" der Gartenstadt Marga an, in denen es ebenfalls um deren Überleben gegangen war.

Am Sonntag nun hat er eingeladen, um seiner Hartnäckigkeit, einmal im Jahr am gleichen Ort an die scheinbar vergessenen Bauten der Senftenberger Industriegeschichte zu erinnern, gerecht zu werden. Sein Ziel ist es, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und mögliche Investoren aufmerksam zu machen. Es blute ihm das Herz, dass die Turbinenhalle nicht mehr geöffnet und genutzt werden könne, weil der Putz bröckelt und sie langsam verfällt. Dabei koste es nicht einmal 20 000 Euro, die Halle innen zu sichern, schätzt er. Die Eigentümerin, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), habe ihm aus Sicherheitsgründen den Zutritt verweigert, aber stattdessen für die Veranstaltung einen Vorraum der Kraftzentrale zur Verfügung gestellt. Treue Mitstreiter wie Axel Schmidt, Uwe Gerecht, Peter Gallasch und Uwe Rähder, so berichtet Grawert-May, unterstützten ihn bei den Vorbereitungen und während der Veranstaltung selbst. So war für die auf ein wenig Musik geschrumpfte Matinee mühevoll ein Flügel vor Ort gebracht und in den kleinen Raum gehievt worden. Ein Grüppchen Gleichgesinnter habe dann in das von Grawert-May selbst komponierte Lied "Öffne bitte den Bau, liebste El Em Be Vau" eingestimmt. Sie hoffen, dass die wichtigen und imposanten Zeugnisse der Bergbaugeschichte im Senftenberger Revier erhalten werden können. Erik Grawert-May jedenfalls wird nicht locker lassen, das anzumahnen. Auch wenn er weiß und bedauert, dass man den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude über die Gefahrenabwehr hinaus nicht einklagen kann.