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| 16:42 Uhr

Wolf rückt den Lindenauern auf den Pelz
Lindenauer Kälber-Killer ermittelt: Wolf zweimal als Täter überführt

Rinderwirt Carsten Haschenz schaut täglich auf den Weiden nach dem Rechten. Die Kälber sind inzwischen so stabil, dass sich ein Wolf nicht mehr an sie rantraut. Während die Kühe noch vor einem Jahr auf der Weide gekalbt haben, passiert das heute aus Sicherheitsgründen nur noch im Stall.
Rinderwirt Carsten Haschenz schaut täglich auf den Weiden nach dem Rechten. Die Kälber sind inzwischen so stabil, dass sich ein Wolf nicht mehr an sie rantraut. Während die Kühe noch vor einem Jahr auf der Weide gekalbt haben, passiert das heute aus Sicherheitsgründen nur noch im Stall. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Frauendorf/Lindenau. Frauendorfer Rinderbetrieb verliert von Ende März bis Mitte Juni fünf Kälber. In drei Fällen sind Wolfsrisse nicht identifizierbar. Rinderchef fühlt sich von Behörden im Stich gelassen. Von Andrea Budich

Fünf Kälber in zwölf Wochen. Zwei tote Kälbchen im Stall und drei auf den Weiden. Das ist für einen Betrieb mit 900 Kühen existenzbedrohend. Weil die Agrargenossenschaft Elster/Pulsnitz nicht mit zusehen will, wie die Mutterkuhhaltung ruiniert wird, gab es nach dem dritten Riss Mitte Mai Überlegungen, einen Antrag auf Entnahme des Wolfes zu stellen.

Den Antrag hat Vorstand Walter Beckmann inzwischen verworfen. Denn es hat sich herausgestellt, dass in drei der insgesamt fünf Fälle der Wolf nicht eindeutig der Verursacher ist. Unbeantwortet ist zudem die entscheidende Frage geblieben, ob ein und derselbe Wolf mehrmals im Lindenauer Kuhstall und auf den Tettauer Weiden zugeschlagen hat. Die Ergebnisse der Genanalyse liegen zwar seit wenigen Tagen vor, erbrachten jedoch aufgrund starker Verunreinigungen kein Ergebnis.

Der Wolf als Kälber-Killer ist amtlich bestätigt für die beiden Risse am 26. März und am 2. Mai. Beide Fälle gehen in das Entschädigungsverfahren, obwohl der Kadaver bewegt wurde und die Rissmeldung verspätet erfolgt ist. „Die Schadenshöhe wird derzeit ermittelt“, erklärt Thomas Frey als Referent aus dem Landesamt für Umwelt.

Die drei getöteten Kälbchen auf den Weiden gehen indes nach Einschätzung der Veterinärpathologen nicht auf das Konto des Wolfes. So habe ein Kalb Giftpflanzen gefressen, beim anderen fehlen Biss- und Krallenspuren am Hals, im letzten Fall vom 15. Juni passen Bissstellen am Kopf weder vom Durchmesser noch vom Abstand zu einem Wolf. Die am Kadaver gefundenen Fraßspuren seien durch sogenannte Nachnutzer nach dem Tod des Kalbes verursacht worden.

Mit dem Ergebnis der Untersuchungen kann Rinderchef Andreas Kupfer leben. Gänzlich aus der Schusslinie entlässt er den Wolf als möglichen Täter aber nicht. Denn nach 30 Berufsjahren im Rinderstall bezweifelt er, dass der Fuchs, der wiederholt in den Untersuchungsberichten auftaucht, seine Kälber bis auf die Wirbelsäule aufgefressen haben soll. „Füchse bedienen sich später am Kadaver, getötet haben sie nicht“, sagt er und behält den Wolf im Generalverdacht.

Was den Lindenauer Leiter Rinderproduktion ebenso umtreibt, ist der aus seiner Sicht unbefriedigende Auskunftsstand seitens der Behörde. „Die Rissgutachter sind immer schnell zur Stelle. Danach ruht still der See“, erklärt er. Anrufe laufen ins Leere, Mails werden nicht beantwortet. „Wir tappen über Monate zum Verursacher der Schadensfälle im Dunkeln“, kritisiert Andreas Kupfer den für die betroffenen Tierhalter undurchdringbaren Behörden-Dschungel. Ihm lagen bis zu Wochenbeginn keinerlei Informationen vor, ob dem Betrieb überhaupt ein Ausgleich zusteht und eine Entschädigung beantragt werden könne. Thomas Frey aus dem Landesamt verweist diesbezüglich auf eine Nachweisführung, die „ungewöhnlich komplex und zeitaufwändig“ war.