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Vermieter brennen für den Brandschutz

Im Wohn- und Geschäftsblock an der Senftenberger Fischreiherstraße baut die KWG im Zuge der Fassadensanierung einen Brandschutzriegel ein.
Im Wohn- und Geschäftsblock an der Senftenberger Fischreiherstraße baut die KWG im Zuge der Fassadensanierung einen Brandschutzriegel ein. FOTO: Augustin
Senftenberg. Die Feuerkatastrophe in einem Londoner Hochhaus warf ihre Schatten auch auf die Lausitz: Bei Wohnungsbränden in Senftenberg und Bernsdorf starben vor Kurzem zwei Menschen. Doch es hatte hier nicht am Brandschutz gemangelt. Jan Augustin

Eine nicht ausgeschaltete Rotlichtlampe ist die Ursache des Brandes an der Stralsunder Straße in Senftenberg gewesen. Das bestätigte Polizeisprecher Torsten Wendt am Mittwoch. Bei dem nächtlichen Unglück vor zehn Tagen hatte sich ein 55-jähriger Mann schwere Brandwunden zugezogen. Er musste in eine Spezialklinik nach Leipzig geflogen werden, wo er seinen Verletzungen erlag. Zwei Tage später ist im sächsischen Bernsdorf eine 89-jährige Frau bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen. Unweigerlich erinnern diese Lausitzer Fälle an das verheerende Unglück in einem Londoner Hochhaus Mitte Juni, bei dem ein defekter Kühlschrank Auslöser für das Feuer gewesen sein soll. Über die mit Platten aus Aluminium und Polyurethan-Hartschaum verkleidete Fassade hatten sich die Flammen schnell ausgebreitet. Mindestens 80 Menschen starben.

Doch ist diese Katastrophe mit den Bränden in Bernsdorf oder Senftenberg vergleichbar? "In keiner Weise", betont Prof. Arnd Joachim Garth, Vorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Senftenberg. "Wie bedauern jeden Verlust eines Menschenlebens. Leider ist nicht jeder Unfall zu verhindern", sagt Garth. Jedoch habe der Brand in Senftenberg auch gezeigt, dass die Häuser bei Wohnungsbränden gut gewappnet sind. Das Feuer, das in der fünften Etage ausgebrochen war, konnte sich nicht in die benachbarten Wohnungen und den Hausflur ausbreiten, und die nach außen schlagenden Flammen entzündeten auch nicht die Fassadendämmung. Noch in der Nacht hatte die Feuerwehr bis auf die Brandwohnung alle anderen wieder freigegeben. Das Löschwasser zog zwar vier Wohnungen in Mitleidenschaft. Die Erste ist aber bereits wieder malermäßig instand gesetzt worden, und die weiteren folgen in den nächsten Tagen, teilt Arnd Joachim Garth mit. Sobald die Freigabe durch die Versicherung erfolgt ist, sollen auch die Brandwohnung und der Hausflur saniert werden.

Dass die hiesigen Vermieter für den Brandschutz in ihren Häusern brennen, bestätigt auch die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Senftenberg (KWG) als größter Vermieter im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Die KWG nimmt den Brandschutz im Interesse ihrer Mieter und zum Schutz des Eigentums "sehr ernst und aktiv wahr", teilt KWG-Sprecher Ralf Weide mit. "Neben den gesetzlichen Anforderungen an uns stellen auch unsere Versicherer dieses Thema immer als wichtig heraus, und wir gehen stets auf die Problematik ein", betont Weide.

Exemplarisch nennt er die langjährige Zusammenarbeit mit den Feuerwehren der Region oder die regelmäßige Kontrolle der Heizungs- und Lüftungsanlagen durch die Schornsteinfeger. Zudem investiere die KWG auch in den abwehrenden Brandschutz ihrer 7524 Wohnungen und 134 Gewerbeeinheiten, zum Beispiel an der Senftenberger Otto-Nuschke-Straße, wo eine zweite Feuerwehrzufahrt gebaut wird. Dass die Aktion von einem Mieter kürzlich öffentlich als Steuerverschwendung kritisiert wurde, war der KWG bitter aufgestoßen. Als weiteres Beispiel führt Ralf Weide die aktuelle Baumaßnahme an der Senftenberger Fischreiherstraße 1 bis 13 auf. Die KWG baut hier im Zuge der Fassadensanierung nachträglich einen umlaufenden Brandschutzriegel ein. Mögliche Gefahren vom Strom begegne die KWG mit hohen Investitionen in den Bestand.

Bei allen durch Behörden überwachten Brand- und Bauvorschriften, die Vermieter berücksichtigen und umsetzen müssen, nimmt Ralf Weide aber auch die Bewohner in die Pflicht. Bei der Senkung des Brandrisikos sei jeder Mieter gefordert. "Von Schuhschränken, Regalen und Dekorationen frei gehaltene Treppenhäuser sichern den Fluchtweg und reduzieren zusätzlich weiter die Brandlast", erläutert er. Der verantwortungsvolle Umgang mit Herd und offenem Feuer sowie nicht manipulierte elektrische Installationen sollten eigentlich selbstverständlich sein, so Weide. "Die Praxis zeigt leider hier oft Probleme." Auch der falsche Umgang mit den eingebrachten Brandschutzvorrichtungen, wie festgestellte Brand- und Rauchschutztüren sowie außer Betrieb gesetzte Obenschließer an Wohnungstüren, schmälern den Brandschutz, erklärt der KWG-Sprecher.

Zum Thema:
Nach Einschätzungen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) ist ein vergleichbares Szenario wie die tödliche Feuerkatastrophe von London in Deutschland unwahrscheinlich. Für Hochhäuser gelten hier hohe Sicherheitsanforderungen, Außenwandbekleidungen müssen zum Beispiel nicht brennbar sein. "Wir haben die strengsten Vorschriften in Europa", bestätigt BBU-Sprecher David Eberhart auf Nachfrage. Häuserbrände, bei denen auch der Dämmstoff Feuer fing, sind hier extrem selten und liegen im untersten Promillebereich. Zumal die am Londoner Hochhaus angebrachten Aluminiumplatten mit Polyethylen-Kern ohnehin in Deutschland keine Verwendung bei der Sanierung finden.