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Senftenberg
Heiligabend verkaufsoffen fällt aus

Senftenberger Passanten und Unternehmer im Schlosspark-Center Senftenberg halten nichts von einem verkaufsoffenem Sonntag an Heiligabend.
Senftenberger Passanten und Unternehmer im Schlosspark-Center Senftenberg halten nichts von einem verkaufsoffenem Sonntag an Heiligabend. FOTO: Josephine Japke
Senftenberg. Senftenberger Geschäftsleute und Kunden halten nichts vom Einkaufswahn am letzten Tag. Von Josephine Japke

Marlies Dommaschk reißt empört die Augen auf und schüttelt vehement den Kopf. Heiligabend kommt ein verkaufsoffener Sonntag für sie nicht infrage. „Das geht ja gar nicht“, sagt sie. Die Angestellten sollen die Weihnachtsfeiertage auch in Ruhe mit der Familie genießen dürfen, erklärt die Geschäftsfrau im Unruhestand. Dabei ist ein Fachgeschäft wie die Aurel Parfümerie Dommaschk am Senftenberger Marktplatz prädestiniert für Geschenke in letzter Minute. Aber: „Schon im vergangenen  Jahr waren der 23. und 24. Dezember nicht unsere umsatzstärksten Tage. Es ist also betriebswirtschaftlich auch gar nicht nötig, am Heiligabend zu öffnen,“ stellt sie klar.

Die Debatte um den verkauftsoffenen Heiligabend in diesem Jahr ist bundesweit entbrannt. Der Discounter Aldi hatte heroisch erklärt, an dem Sonntag nicht zu öffnen - und mit der als Selbstverständlichkeit empfundenen Aussage auch in Senftenberg eher ein Kopfschütteln als Zustimmung herausgefordert.

Marlies Dommaschk, ehemalige Geschäftsinhaberin der Aurel Parfümerie am Senftenberg Markt, genießt die Weihnachtsfeiertage mit der Familie.
Marlies Dommaschk, ehemalige Geschäftsinhaberin der Aurel Parfümerie am Senftenberg Markt, genießt die Weihnachtsfeiertage mit der Familie. FOTO: Josephine Japke

Im Schloßpark-Center Senftenberg lacht Spielzeugland-Besitzer Alrik Böttger: An dem Sonntag zu öffnen, „ist eine blöde Idee. Das wäre für uns Händler ein absolutes Minusgeschäft.“ Auch bei ihm zeichnete sich schon in den vergangenen Jahren ab, dass der Dezember zwar die Hauptverkaufszeit für Spielwaren ist, viele Kunden aber schon ein paar Tage vor Weihnachten ihre Einkäufe erledigt haben oder bequem online bestellen. „Direkt am 24. Dezember kommen fast nur panische Männer einkaufen. Frauen sind organisierter und früher mit allen Weihnachtserledigungen fertig“, erklärt er.

Die Debatte um einen verkaufsoffenen Sonntag am Heiligabend ist entflammt, weil dieser für die Menschen zwar ein besonderer Tag, aber kein gesetzlicher Feiertag ist. Ein verkaufsoffener Sonntag wäre demnach möglich. In Brandenburg dürfen Läden, die überwiegend Genuss- und Lebensmittel verkaufen, ihre Kunden wegen einer Sonderregelung sogar von 7 bis 14 Uhr empfangen. Das trifft zwar auf die kleinen Fachhändler der Innenstädte zu. Aber die sind eh strikt dagegen.

Sebastian Stopp, Mitarbeiter im mobilcom-debitel Shop in Senftenberg, hat Mitleid mit den Angestellten, die an Heiligabend arbeiten müssen.
Sebastian Stopp, Mitarbeiter im mobilcom-debitel Shop in Senftenberg, hat Mitleid mit den Angestellten, die an Heiligabend arbeiten müssen. FOTO: Josephine Japke

Sebastian Stopp, Mitarbeiter im Fachgeschäft für Mobilfunk am Senftenberger Marktplatz, bestätigt:  „Die Weihnachtsfeiertage sind mir wichtig, und die beginnen für mich am 24. Dezember mit dem Frühstück. Mir tun die Leute leid, die an diesem Tag arbeiten müssen.“

Aldi verschont die Mitarbeiter vor dem zusätzlichen Öffnungstag im Dezember. „Unsere Kunden können von Montag bis Samstag, ihren Einkauf in unseren Märkten erledigen. Am Heiligabend denken wir hier vor allem an unsere Mitarbeiter, die nach einer langen, intensiven Woche in Ruhe das Weihnachtsfest begehen sollen“, erklärt Florian Scholbeck, Geschäftsführer für Kommunikation der Aldi-Nord-Gruppe.

Doch neben den Unternehmern und Angestellten halten auch Bürger wenig vom verkaufsoffenen Heiligabend. Claudia Worrek (49) und Ute Messerschmidt (71) sagen: „Wir würden am Heiligabend nicht mehr einkaufen gehen. Wer da noch nichts hat, der findet auf den letzten Drücker auch nichts mehr. Ruhe und Familie stehen da im Vordergrund.“

Die Schülerinnen Anna und Christin (beide 17) aus Senftenberg bestätigen indes: „Wenn wir ehrlich sind, waren wir schon oft zu Weihnachten noch schnell ein paar Kleinigkeiten besorgen. Unsere Eltern sind immer im Stress, von Ruhe kann da keine Rede sein und eigentlich geht es ja auch erst abends richtig los. Da fällt es nicht auf, wenn wir am Vormittag kurz verschwunden sind.“ Auch in diesem Jahr würden sie die Möglichkeit nutzen und kurz vor der Bescherung noch einmal durch die Geschäfte ziehen, aber nur im Notfall. „Eigentlich ist der Stress, den man sich und anderen an diesem Tag macht, schon doof“, räumen die beiden ein