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Verfallender Hof ist ein Ärgernis

Großräschen. Allmosener beklagen Schandfleck im Ortsbild. Stadt Großräschen behält das Problem im Auge. Schrottimmobilien belasten Kommunen. Lauchhammer agiert mit gebotener Zurückhaltung. Kathleen Weser

Der Verfall eines typischen Allmosener Bauernhofes, der an der Ortsdurchfahrt naturgemäß die Blicke auf sich zieht, ist Ortsvorsteher Bernhard Demuth ein Dorn im Auge. "Der Schandfleck ist ein allgemeines Ärgernis", betont er. Die Stadt Großräschen sei schon "nah dran gewesen am Erwerb", um die einfallenden Gebäude beseitigen zu können. Das Gehöft ist aber aus privater Hand an einen Bayern verkauft worden, der dem kräftig weiter an der Bausubstanz nagenden Zahn der Zeit nicht wirklich Einhalt gebietet. Die Ordnungshüter im Rathaus weisen den Eigentümer immer wieder auch nachdrücklich auf die Anliegerpflichten hin. Aus sicherem Abstand zum Problem in Allmosen überbringt der Postbote der Verwaltung dann auch regelmäßig die Antwort, dies sei Mobbing.

Das Grundstück soll wieder verkauft werden. Doch inzwischen ist es mit einer sechsstelligen Summe belastet. Einer Bank aus dem entfernten Freistaat war das Gehöft vermutlich ungesehen Sicherheit genug.

Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) sagt klipp und klar: "Für das Problem gibt es kurzfristig keine Lösung." So tief könne und werde, um einen Schandfleck im Ortsbild zu beseitigen, niemals in die Stadtkasse gegriffen. Altschulden in der Höhe aus Steuermitteln zu begleichen, sei nicht drin. "Aber wir behalten die Entwicklung im Blick", verspricht er in Allmosen. Vorstellbar sei ein Erwerb, wenn das Grundstück beispielsweise im Zuge einer Zwangsversteigerung günstig an den Markt gebracht werde. Die Abrisskosten schlügen auch noch hart ins Kontor. Das Gehöft, das unmittelbar an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 169 gelegen ist, dürfte schon wegen des beklagten Lärms als Wohnsitz kaum neu an den Mann zu bringen sein. "Kreative Lösungen lassen sich über die ländliche Förderung und Ausgleichszahlungen für alternative Energiestandorte sicher finden", erklärt Thomas Zenker durchaus auch hoffnungsvoll. Aber Zugriff auf die Töpfe haben auch private Investoren mit guten Ideen, ergänzt er. Die Stadt Großräschen hat zwar in prädestinierten Lagen bereits mehrere Schrott immobilien kostengünstig erworben und im Interesse des Ortsbildes neue Nutzungen gefunden und auf den Weg gebracht. Das Haus der Landwirtschaft am Großräschener Marktplatz ist ein sichtbarer Erfolg ebenso wie die Gaststätte Lausitz. Vom Retter für Eigentümer, die sich mit Immobilien kräftig verspekuliert haben, ist die Stadt aber bei allem Mut zum Risiko weit entfernt.

In bester Lage im Zentrum Lauchhammer-Mitte schreitet die Stadt jetzt - auch aus der Not heraus - selbst zur Tat. Das lange leer stehende Wohn- und Geschäftshaus nahe des Heßmerplatzes, in dem früher ein Herrenausstatter verkaufte, wird zum Bürgerhaus um- und ausgebaut. Auch das Konzept muss gut geplant und durchdacht sein, betont Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos). Das Haus muss sich wirtschaftlich tragen. Die aktuelle Herausforderung: Wohnungen im Dachgeschoss, die die Stadt nicht selbst bewirtschaften will, müssen mit in ein auch fördertechnisch unschädliches Finanzpaket integriert werden.

Zum Thema:
Leerstand und Verfall von ungenutzten Wohnhäusern und Gewerbe-Immobilien wachsen den Städten und Gemeinden in Oberspreewald-Lausitz weiter über den Kopf. Die Ordnungsämter können die Eigentümer - wenn überhaupt - nur für die Anliegerpflichten und bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit in die Pflicht nehmen. Unwilligen Besitzern verfallender Gebäude können unabweisbare Leistungen in Rechnung gestellt werden. Um solche Ersatzvornahmen rechtssicher vornehmen zu können, muss der Landkreis im kommunalen Haushalt aber Geld einplanen.