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| 16:32 Uhr

Neues Kapitel in Ruhlands Lehmbackofen-Posse
Verein kapituliert: Schwarzbau in Ruhland weicht

Der Lehmbackofen vor dem Gutshof soll nun einen neuen Standort bekommen.
Der Lehmbackofen vor dem Gutshof soll nun einen neuen Standort bekommen. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Ruhland. Ruhlands Lehmbackofen-Posse mit überraschender Wende. Der illegal errichtete Bau ohne Genehmigung auf städtischem Grund  soll  bis September  auf Privatland in den Zollhaus-Garten umgesetzt werden. Teuer wird es für den Verein trotzdem noch. Von Andrea Budich

Ende gut - alles gut. Ganz so einfach kann aber kein Deckel auf Ruhlands Lehmbackofen-Posse geschoben werden. Denn trotz überraschender Wende im Gezerre um das ohne Baugenehmigung auf fremden Grund und Boden errichtete historische Bauwerk bleibt der Backofen eine ziemlich hitzige Angelegenheit in der Stadt.

Im Streit um den Backofen, der das Blickfeld auf das Gutshof-Denkmal verschandelt, hat der Verein „Wir für Ruhland“ als Bauherr am Dienstagabend öffentlich kapituliert. Bevor die Abgeordneten bei der Stadtverordnetenversammlung dem Schwarzbau auf städtischem Grund nachträglich ihren Segen geben konnten, hat der Verein seinen Antrag zum Bau des Ofens auf dem Gutshof-Gelände zurückgezogen.

Damit hat das monatelange Hickhack um den Alleingang des Vereins, um fehlende Genehmigungen und versäumte Antragsverfahren ein vorläufiges Ende gefunden. „Der Ofen wird umgesetzt“, erklärt Bürgermeister und zugleich Vereinsvorsitzender Uwe Kminikowski (CDU). Der Verein zieht damit die Reißleine, bevor noch größeres Ungemach am Behördenhimmel über den Lehmbackofen aufziehen kann. Denn zumindest die Denkmalschutzbehörde des Landkreises hatte bereits signalisiert, mit der vorgeschlagenen Spitzdach-Variante als Überdachung des Ofens nicht mit zugehen. Weil der Verein befürchtet, dass die Kritik zum Schwarzbau auch mit den nachträglich erwirkten Genehmigungen in der Stadt nicht abebben wird, sei die Entscheidung zur Umsetzung gefallen.

Neuer Standort für Ruhlands Lehmbackofen, der seit einem guten Jahr steht, aber noch nie angeheizt werden konnte, ist der Zollhaus-Garten. Das bestätigt Eigentümer Alfred Müller. Der Bau, der auf dem Gutshof-Gelände den Stadtverordneten illegal vor die Nase gesetzt worden war, wechselt damit auf Privatland, das der Eigentümer dem Zollhaus-Verein zur Dauernutzung übergeben hat.

„Wir sind uns schnell handelseinig geworden“, bestätigt Alfred Mueller als Vorstandsvorsitzender des Zollhaus-Vereins. Der Ofen passt aus seiner Sicht hervorragend zum Konzept der öffentlichen Begegnungsstätte mit dem Schwerpunkt der Sucht- und Drogenpräventionsarbeit. „Die Idee ist gut und muss unterstützt werden. Ein Abriss des Ofens im schlimmsten Fall wäre eine Schande für die ganze Stadt gewesen“, sagt Mueller. Er will persönlich dafür Sorge tragen, dass der Ofen für Schülergruppen zugänglich bleibt. Spätestens im September soll der Ofen-Umzug in den Zollhaus-Garten vollbracht sein.

In Grenzen hält sich die Freude über die Rolle rückwärts indes bei Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler. Der Backofen-Schwarzbau hat der Amtsverwaltung schließlich über Monate einen ganzen Berg von zusätzlicher Arbeit beschert. „Die ist jetzt für den Papierkorb“, stellt er nüchtern fest. Dass der Verein sang- und klanglos einen Rückzieher macht und vor der Herausforderung kapituliert, will er nicht näher kommentieren. Fakt sei indes, dass das umzusetzende Bauwerk aus Lehm besteht und damit beim Abtransport die Gefahr des Zusammenbrechens bestehe.

Die Flucht auf Privatland bleibt für den Verein „Wir für Ruhland“ nicht ohne finanzielle Konsequenzen. Die Stadt Ruhland wird einen Rückforderungsbescheid über knapp 1000 Euro geltend machen, weil der Ofen jetzt nicht mehr auf städtischem Grund steht. Das hat der Amtsdirektor bereits öffentlich angekündigt.