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| 15:16 Uhr

Schicksal berührt die Herzen
Vanessa hat im Urwald von Peru ihre Krankheit besiegt

 Ihre Erlebnisse hat Vanessa in einem Fotobuch verewigt. In den nächsten sechs Wochen ist sie erneut im Urwald ohne Verbindung zur Außenwelt.
Ihre Erlebnisse hat Vanessa in einem Fotobuch verewigt. In den nächsten sechs Wochen ist sie erneut im Urwald ohne Verbindung zur Außenwelt. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Großräschen. Vanessa aus Großräschen leidet seit sechs Jahren an psychisch verursachter Epilepsie. Täglich musste sie Tabletten einnehmen. Weil nichts mehr half, hat sie im Sommer des Vorjahres nach dem letzten Strohhalm gegriffen: Die 20-Jährige ging in den Dschungel von Peru und vertraute sich einem Wunderheiler an. Seitdem hatte Vanessa keinen Anfall mehr. Von Andrea Budich

Vanessa sitzt wieder im Flieger nach Peru. Diesmal aber ohne Tabletten und ohne Bauchtasche mit den Notfall-Medikamenten, ohne die sich die Epileptikerin noch vor einem halben Jahr keinen Schritt aus der Haustür wagen konnte. Wenn alles nach Plan läuft, wird sie heute nach zwölfstündigem Flug in Peru wieder in ein langes, schmales Boot steigen, um auf dem Amazonas flussaufwärts zu fahren. Erst nach einem zweistündigen Fußmarsch quer durch den Dschungel wird sie ankommen, bei dem Mann, dem sie alles zu verdanken hat: dem weltberühmten Meisterschamanen Don Agustin Rivas Vasquez.

Mit ihren Nerven und Kräften am Ende, hatte Vanessa im Sommer mit ihrer Mutter Solveig Jäckel nach dem letzten Strohhalm gegriffen, der der zarten jungen Frau noch blieb. Die Schulmediziner konnten nichts mehr für sie tun. Aufgrund der heimtückischen Krankheit hatte Vanessa weder Aussicht auf einen Führerschein noch auf Lehrstelle oder irgendeinen Job. Selbst beim Arbeitsamt und Jobcenter fiel sie durch alle Maschen.

 Das Schicksal von Vanessa hat die Herzen der Lausitzer berührt. Sie steuerten spontan 4500 Euro zur Reisekasse bei. Unterstützt von dieser Herzenswärme ging Vanessa in den Dschungel von Peru, um ihre Krankheit zu besiegen. Seit den entgiftenden Reinigungsritualen und Kräfte zehrenden Heilungszeremonien hat die 20-Jährige keinen Anfall mehr gehabt. Die Magie des Amazonas und des weltbekannten Wunderheilers hat fernab der Heimat Wirkung gezeigt. „Ich bin ein ganz neuer Mensch. Das Schönste ist, jetzt endlich Zukunftspläne schmieden zu können“, sagt Vanessa, die ihr Glück kaum in Worte fassen kann. Dabei lässt sie sich auch von der Skepsis der Schulmediziner in Deutschlands führenden Epilepsie-Zentren nicht ausbremsen, die ihr erst nach zwei Jahren Anfallsfreiheit eine Heilung bestätigen wollen und den „Hokuspokus“ in Frage stellen.

Für Vanessa sind die Tatsachen entscheidend: Ihr geht es gut, seit ihrer Rückkehr im August braucht sie keine Tabletten mehr. Gemeinsam mit dem Schamanen hat sie die Medizin im Amazonas auf Nimmerwiedersehen versenkt. „Ohne Tabletten hätte sie vor der Behandlung keine Woche anfallsfrei überstanden“, bestätigt Mutter Solveig Jäckel, dass sich alle Hoffnungen der Tochter im Dschungel erfüllt haben.
Sogar mehr als das. Beschwerdefrei ist die junge Frau zu Neujahr erneut nach Peru geflogen. In den nächsten sechs Wochen wird sie der 93-jährige ranghöchste Meisterschamane Perus in die Geheimnisse der Amazonas-Heilkunde einweihen.

Mit diesem Wissen anderen zu helfen, die nicht nach Peru fliegen können, das gehört zum Lebensplan der 20-Jährigen, die noch vor einem halben Jahr keinerlei Zukunftspläne hatte.