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| 17:42 Uhr

Ausmaß und Ursache weiter unklar
Sorge um Niemtscher Bucht

Ursachenforschung nach Geländeabbruch an der Insel FOTO:
Senftenberg. Der Abbruch der Insel im Senftenberger See hat vor einer Woche allgemeine Beunruhigung ausgelöst. Die Wogen haben sich zwar wieder geglättet. Dennoch bleiben unbeantwortete Fragen. Von Jan Augustin und Catrin Würz

Das genaue Ausmaß und die Ursache für die Rutschung sind noch nicht erforscht. Inwieweit das Ereignis Schäden für den Tourismus hinterlässt, kann momentan auch noch niemand beantworten. Die Schlagzeile der größten deutschen Boulevardzeitung verschwindet allerdings nicht so schnell aus dem Internet: „Erdrutsch im Senftenberger See – Insel verschluckt“. Am beliebten Senftenberger See sei eine Insel samt Wald in gurgelnden Strudeln versunken, heißt es in dem Artikel.

Diese überzogene Art der Berichterstattung bringt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Lausitzer Seenland, in Rage. Es sei doch viel wichtiger zu betonen, dass niemand zu Schaden gekommen ist und dass mit der Niemtscher Bucht nur ein Teil des Sees gesperrt ist. Und das auch nur temporär. „Das ist eine wichtige Botschaft“, betont Kathrin Winkler. Froh sei sie dennoch, dass die Saison größtenteils bereits beendet ist.

Tatsächlich haben die Nachrichten nach der Rutschung viele Urlauber verunsichert. Besonders am Tag danach klingelte das Telefon des Niemtscher Komfortcampingplatzes deutlich öfter als normal. Das bestätigt Dana Hüttner vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg. Stornierungen oder Reiseabbrüche nach der Veröffentlichung der eingeschränkten Seenutzung seien aber nicht eingegangen. „Das Buchungsverhalten ist stabil. Da klassischerweise im September sowieso eher Radfahren und Sauna/Massagen die Hauptmotive der Gäste auf dem Komfortcamping sind, gab es kaum enttäuschte Gäste“, teilt sie mit.

Volker Mielchen, Vorsteher des Zweckverbandes, hofft nun auf eine Verbesserung der Situation noch vor Ende der laufenden Saison. „Es wäre wichtig, dass die Wassersportler die Herbstsaison auf dem See noch für einen ordentlichen Abschluss nutzen können.“ Mielchen betont erneut die Dringlichkeit, eine Lösung zu finden. „Es kann nicht sein, dass der Senftenberger See als Motor des Lausitzer Seenlandes dauerhaft und in Größenordnung gesperrt ist“, sagt er. Niemand wolle den Naturschutz auf der Insel infrage stellen. „Doch es muss im See eine Abgrenzungslinie geben, mit der auch die Wassersportler leben können.“

Dem kann Ullrich Pfabe, Vorsitzender des Segelclubs 1978 Senftenberg, nur zustimmen. „Wir gehen davon aus, dass die Niemtscher Bucht im nächsten Jahr wieder nutzbar ist“, sagt er. Für die aktuelle Sperrung bringen die Niemtscher Segler Verständnis auf. Das traditionelle Absegeln am vergangenen Samstag ist zwar ins Wasser gefallen und auch eine Regatta muss nun abgesagt werden. „Das ist aber kein Drama. Wir verstehen das“, sagt der 64-Jährige. Auch von seinen Vereinskollegen sei kein kritisches Wort gefallen. Dennoch: Für die Insel müsse eine Lösung gefunden werden. Diese Forderung haben die beiden Senftenberger Segelvereine auch in einem Brief an den Verband der Brandenburger Segler formuliert – mit der Bitte, diesbezüglich seinen Einfluss in der Potsdamer Politik geltend zu machen.