Von Jan Augustin

Ähnlich wie an Deutschlands teuerster Insel werden jetzt auch im Senftenberger See Unmengen von Schlamm von einer Stelle zu anderen bewegt. Für Sylt steht der Küstenschutz im Vordergrund. Sturmfluten nagen an dem exklusiven Nordsee-Eiland. Und die Insel wäre ohne der von Menschenhand seit Jahren umgesetzten Sandvorspülung schon deutlich kleiner. Das Prinzip dabei: Baggerschiffe saugen zwölf Kilometer vor der Küste Sand vom Meeresboden und bringen ihn in Strandnähe. Dort wird das Wasser-Sand-Gemisch durch Rohrleitungen an Land gepresst und dann mit großen Bulldozern verteilt.

Auf dem Senftenberger See verläuft dieser Arbeitsvorgang genau in die andere Richtung: weg vom Ufer, hinaus aufs Wasser. Freilich, die Dimensionen in der Nordsee sind größer. Doch die in dieser Woche gestartete Sicherung der Insel im Senftenberger See braucht sich nicht zu verstecken. Nach der Rutschung im September vergangenen Jahres, bei der ein etwa 200 mal 250 Meter großes Inselstück ins Wasser gebrochen ist, laufen die Sicherungsarbeiten jetzt auf Hochtouren – und das Ausmaß ist beeindruckend.

Vier mit Saugspülbaggern bestückte Plattformen sind derzeit auf dem bei Badegästen beliebtesten Lausitzer See im Einsatz und verrichten sieben Tage in der Woche ihre Arbeit. 16 Mitarbeiter der Elsterheider Firma BUG Dienstleistungen sind pro Schicht beschäftigt. Das erklärt Michael Matthes, Abteilungsleiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), am Donnerstag am Auslauf des Koschener Kanals. Im Hintergrund transportiert derweil ein kleines Schleppboot eine mit Bojen bestückte Schwimmleitung an die richtige Position. Die bis zu zwei Kilometer langen Rohre mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern werden an die tiefsten Stellen des Speicherbeckens Niemtsch gezogen, sodass genau dort die aufgenommene Erde versenkt werden kann. Der Effekt dabei: Die Unterwasserbereiche sollen inselumlaufend abgeflacht werden. „Je höher die Böschung ist, desto größer ist das Potenzial für eine Rutschung“, erklärt Sanierungsexperte Michael Matthes.

Ziel der LMBV sei es, täglich bis zu 3000 Kubikmeter Feststoffmaterial zu bewegen. „Das heißt, die Saison 2019 ist auf jeden Fall gesichert“, versprüht der Projektmanager Optimismus für Urlauber und Touristiker. Bis dahin will die LMBV auch einen Betriebsplan beim zuständigen Brandenburger Landesbergamt zur Genehmigung einreichen. In dem sollen die weitere Sanierung und die anzuwendenden Technologien beschrieben werden. „Ziel ist es, langfristig die Bergaufsicht zu beenden“, sagt Matthes.

Am Freitag hat auch das zuständige Landesbergamt die See-Freigabe im April angekündigt. Wie Holger Vöhl, Dezernatsleiter Sanierungs- und Altbergbau, erläutert, war die Sperrung durch eine Allgemeinverfügung erfolgt und ist bei allen Wasserständen unter 98,30 Meter Normalhöhennull wirksam. Durch die Schützenhilfe von benachbarten Seen und den Regen der vergangenen Wochen ist der Wasserstand mittlerweile wieder auf knapp 98,50 Meter angestiegen. „Sollten allerdings im Verlauf des Jahres die Wasserstände erneut durch eine ungewöhnliche Trockenperiode unter 98,30 Meter fallen, würde der See wieder gesperrt werden müssen“, erklärt Holger Vöhl. Deshalb werde „alles“ unternommen, um den Wasserstand für das Jahr 2019 nachhaltig zu sichern, indem schnellstmöglich der See bis auf 99 Meter aufgestaut und gehalten werde.

Bis zum Saisonbeginn werde durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft die Zeit genutzt, um erste Sicherungsarbeiten im Inselbereich durchzuführen. Diese beinhalten eine Treibholzberäumung und das Auffüllen von Tieflagen, um ein weiteres unkontrolliertes Ausfließen der Insel entgegenzuwirken.

Die Arbeiten sollen bis zum 31. März abgeschlossen sein. „Während dieser Zeit muss der See weiterhin gesperrt bleiben“, sagt Holger Vöhl vom Landesbergamt. Dafür werde die vorhandene Absperrung weiter genutzt. Die unter Naturschutz stehende Insel bleibt auch bei einer See-Freigabe im April weiter gesperrt. Das soll wie in den Vorjahren mit einer Bojenkette gekennzeichnet werden, so die LMBV.

Wie viel die Inselsicherung kosten wird, bleibt weiter ungewiss. Während LMBV-Mann Michael Matthes gesprächsbereit alle technischen Details preisgibt, zeigt er sich bei der Geldfrage zurückhaltend. Dass der Auftrag wohl mehrere Millionen Euro verschlingen wird, bestätigt er auf Nachfrage. Und dass die Maßnahme über das laufende Verwaltungsabkommen zur Braunkohlensanierung finanziert wird. Eine genaue Zahl nennt er aber nicht.

Dafür betont er nochmals, dass die Sicherungsarbeiten in einem schonenden Verfahren erfolgen. Soll heißen: naturschutzrelevante Aspekte werden streng beachtet. „Wir haben eine ökologische Begleitung“, versichert Michael Matthes. Als die Pläne für das Abtragen der Schüttungsrippen des ehemaligen Tagebaus Niemtsch bekannt wurden, wurde auch die Kritik vom Senftenberger Nabu-Regionalverband laut. Doch der kann nach einem Gespräch mit LMBV-Vertretern mittlerweile mit der Sanierungsvariante leben.

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