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| 17:51 Uhr

Schulen und Unterrichtsausfall
Wenig Ausfall, aber auch zu wenig Personal

 Schulleiter Bethge plant den Unterricht am Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg.
Schulleiter Bethge plant den Unterricht am Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Senftenberg/Schwarzheide. Statistisch stehen die weiterführenden Schulen im Raum Senftenberg gut da, wenn es um den Anteil ausgefallener Unterrichtsstunden geht. Doch das heißt nicht, dass es keine Probleme in der Personalversorgung der Schulen gibt. Von Daniel Roßbach

Im Vergleich zum Rest von Brandenburg stehen die weiterführenden Schulen rund um Senftenberg statistisch gesehen nicht schlecht da, wenn es darum geht, wie viele Unterrichtsstunden dort ausfallen. An fast allen Oberschulen und den beiden Gymnasien in Senftenberg und Schwarzheide fällt weniger Unterricht aus als im landesweiten Durchschnitt. Und auch die einzige Schule mit einem deutlich höheren Wert, das Oberstufenzentrum Lausitz, entspricht mit ihrem Anteil ausgefallener Stunden dem Durchschnitt für die Schulen dieser Art in Brandenburg.

Doch diese Statistik sagt längst nicht alles Wichtige über die Personalsituation in den Schulen aus. Das wird etwa deutlich, wenn Schulen schildern, mit welchen Mitteln verhindert wird, dass Unterricht ganz ausfällt. Ilona Just, die Rektorin der Bernhard-Kellermann-Oberschule in Senftenberg, beschreibt die Situation so: „Uns stehen planmäßig 5,16 Stunden Vertretungsreserve in der Personaldecke zur Verfügung. Der Ausfall eines Kollegen bedeutet aber 25 fehlende Stunden pro Woche. Das ist dann nur mit dem Zusammenlegen von Kursen zu kompensieren.“

20 Mal größere Reserven am Gymnasium

 Unterrichtsausfall an den weiterführenden Schulen in OSL im Schuljahr 2017/18. Die Angaben sind in Prozent der Unterrichtsstunden insgesamt und stammen aus einer Antwort der Brandenburgischen Landesregierung auf eine Landtags-Anfrage.
Unterrichtsausfall an den weiterführenden Schulen in OSL im Schuljahr 2017/18. Die Angaben sind in Prozent der Unterrichtsstunden insgesamt und stammen aus einer Antwort der Brandenburgischen Landesregierung auf eine Landtags-Anfrage. FOTO: LR / Sebastian Lehmann

In den Zeitbudgets, die zur Verfügung stehen, um auf Ausfälle zu reagieren, zeigen sich große Unterschiede zwischen den Schulen. So stehen dem Friedrich-Engels-Gymnasiums (FEG) im aktuellen Schuljahr grundsätzlich 100 Stunden pro Woche über den Umfang des Stundenplans hinaus zur Verfügung. Dessen Schulleiter Eckhard Bethge verfügt also über eine 20 Mal größere Reserve als seine Kollegin Just an ihrer Oberschule.

Allerdings sei diese Reserve - die den Kapazitäten von vier Lehrkräften entspricht - auch notwendig gewesen, um auszugleichen, dass eine Kollegin durch eine Krankheit ausfällt und eine weitere im Anschluss an ihr Referendariat duch eine Schwangerschaft noch nicht tatsächlich in den Dienst eintritt. Außerdem vertreten Lehrerinnen des Gymnasiums ganz oder teilweise ausgefallene Kollegen an anderen Schulen.

Besondere Herausforderungen für berufsbildende Schulen

Während Schulen wie die Kellermann-Oberschule darum ringen, Stellen von aus dem Dienst scheidenden Lehrkräften neu zu besetzen, stellen sich dem OSZ Lausitz besondere Herausforderungen in der Gewinnung neuen Personals.

 Die Bernhard-Kellermann-Oberschule sucht Lehrerinnen und Lehrer, die in Ruhestand gehende Kollegen ersetzen können.
Die Bernhard-Kellermann-Oberschule sucht Lehrerinnen und Lehrer, die in Ruhestand gehende Kollegen ersetzen können. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Margit Lieback, die Leiterin des Oberstufenzentrums mit Standorten in Schwarzheide, Sedlitz und Lauchhammer, sagt  über die fachspezifische Ausrichtung der berufsbildenden Schule: „Wir haben an den Oberstufenzentren sehr viele Alleinkämpfer.“ Daher sei es schwer, Reserven für qualifizierten Unterricht vorzuhalten.

„Lehrkräfte für die berufliche Bildung zu gewinnen ist für uns besonders schwer geworden, unter anderem, weil es im Land Brandenburg kein Lehramtsstudium für Berufsschullehrer gibt,“ sagt Schulleiterin Lieback. Zwar seien Seiteneinsteiger eine wichtige Komponente dabei, diesen Mangel zu beheben, und gebe es in manchen Fachbereichen aktuell sogar ausschließlich solche Bewerber. Auch für Lehrkräfte in den Berufsschulen sei pädagogische Qualifikation aber wichtig,so Lieback, die insgesamt diese Fazit zur Personal-Deckung an ihrer Schule zieht: „Wir können nicht zufrieden sein, aber wir haben kaum Möglichkeiten die Situation besser zu gestalten als aktuell.“ Ein großer Teil der Stunden, für die Lehrer fehlen oder ausgefallen sind, werde durch selbstständiges Arbeiten der Schüler/-innen kompensiert. „Da kann man schon fragen, ob das wirklich vertretener Unterricht ist.“

Nicht alle Ausfälle sind unvorhersehbar

Aber nicht immer entstehen Personalengpässe durch kurzfristig auftretende Krankheitsfälle. Für den Ausfall einer Kollegin an der Kellermann-Oberschue, die am 1. Februar, in Vorruhestand gegangen ist, gibt es keinen Ersatz, obwohl dieser Umstand absehbar war: „Wir legen deshalb wieder Klassen zusammen“, erklärt Marina Karzig, die stellvertretende Schulleiterin der Kellermann-Oberschule. „Das bedeutet, dass Klassen, in denen Inklusion von Kindern mit Förderbedarf stattfinden soll, nicht mehr adäquat unterrichtet werden können. Das fällt in der Ausfall-Statistik nicht auf, aber die Kollegen können nicht die individuelle Arbeit leisten, die sie eigentlich leisten sollen.“

 Das Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg: Die Personaldecke ist hier deutlich größer als an anderen Schulen, wird allerdings auch gebraucht, um auf Ausfälle zu reagieren.
Das Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg: Die Personaldecke ist hier deutlich größer als an anderen Schulen, wird allerdings auch gebraucht, um auf Ausfälle zu reagieren. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Angespannte Personalsituationen kommen trotzdem vor allem durch Krankheiten zustande – besonders, wenn etwa eine Grippewelle durch das Lehrerzimmer schwappt: „Vor kurzem sind an unserer Schule acht Lehrkräfte ausgefallen.“ Zum Krankenstand im Kollegium tragen Ilona Just zufolge aber auch die Arbeitsbelastung und das hohe Durchschnittsalter bei. „Da macht sich Erschöpfung bemerkbar. Und je älter das Kollegium ist, desto langwieriger sind Abwesenheiten.“

Mehr Erholungsräume schaffen

Dieses Problem sieht auch Eckhard Bethge vom Senftenberger Gymnasium: „Je besser die Altersmischung wird, desto geringer wird dieses Problem. Aber aktuell ist in den Kollegien durch die 15 Jahre, in denen kaum Lehrer eingestellt wurden, der Altersdurchschnitt noch sehr hoch.“

Auch Bethge beobachtet in seiner Schule, dass dieser Umstand Auswirkungen auf die Personalsituation hat: „Die Anfälligkeit für Krankheitsausfälle steigt, wie in jedem Betrieb, gerade bei Kollegen, die schon sehr lange dabei sind. Es gibt zwar Angebote zur Gesundheitsvorsorge, die aber relativ selten genutzt werden. Denn die Lehrerinnen und Lehrer haben ein großes Verantwortungsbewusstsein und es fällt ihnen schwer, sich dafür Zeit zu nehmen.“

Erholungsmöglichkeiten innerhalb des Schulalltags zu schaffen, sei deshalb eine Priorität, wenn das Schulhaus des FEG in den kommenden Jahren für mehr als drei Millionen Euro saniert wird, so Bethge.