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| 02:42 Uhr

Unternehmer und Integrationsfigur

Omar Kassab (r.) vor seinem neuen Laden "Orient" unweit des Großräschener Marktes. Sein Angestellter Khaled Mahjouba (22) ist auch aus Syrien geflüchtet und lebt mittlerweile in der Stadt.
Omar Kassab (r.) vor seinem neuen Laden "Orient" unweit des Großräschener Marktes. Sein Angestellter Khaled Mahjouba (22) ist auch aus Syrien geflüchtet und lebt mittlerweile in der Stadt. FOTO: Jan Augustin
Großräschen. Omar Kassab ist vor zwei Jahren vor dem Krieg aus seinem Heimatland geflüchtet. Mittlerweile lebt er mit der Familie in Großräschen, hat einen Laden eröffnet und einen Verein gegründet. Jan Augustin

Noch sind die Regale nicht bis auf den letzten Platz gefüllt. Doch die Ware, die da ist, liegt gut geordnet und sortiert. Es gibt etliche Sorten Tee, Süßigkeiten, Kräuter, Butter, Fruchtsirup, Fleisch, Gemüse. Vieles verpackt in Konserven oder Kartons, auf denen meist nur arabische Schrift zu lesen ist. Die Angebotsvielfalt vermischt sich zu einem Geruch, der typisch ist im arabischen Raum. "Das Sortiment ist noch nicht vollständig", entschuldigt sich Omar Kassab. Der 33-Jährige ist Gründer und Inhaber des "Orient". Der neue Laden in der Großräschener Innenstadt befindet sich in der Calauer Straße, gleich um die Ecke liegt der Markt. Ein Großteil der Ware ist noch auf dem Weg von der Türkei nach Deutschland, teilweise kontrolliert der Zoll noch die Ware, erklärt Omar Kassab in gutem Deutsch.

Seit fast drei Jahren wohnt der Syrer mit seiner fünfköpfigen Familie in Deutschland. Wie so viele hat sie der Krieg nach Deutschland getrieben. Eine komplizierte Flucht über Libanon liegt hinter ihnen. Und ein trauriges Schicksal. Der Vater von Omar Kassab stirbt 2014 in einem Gefängnis. Sein Sohn kennt die Todesumstände nicht genau. Omar Kassab ist sich aber sicher, dass sein Vater ermordet wurde und dass ihm die Polizei- und Staatstruppen von Machthaber Baschar al-Assad auch seine Elektrotechnik-Firma genommen haben.

Nun ist Omar Kassab wieder Unternehmer, wenn auch in einer anderen Branche. Das Großräschener Geschäft soll erstens viele Einheimische und andere Migranten anlocken. Der Laden soll zugleich aber auch Stützpunkt und Zentrale für einen deutschlandweiten Online-Handel werden, erklärt Omar Kassab. "Ich möchte etwas Selbstständiges und Neues machen, unsere Kultur und unser Essen zeigen", sagt er. Bisher habe er "sehr positive" Reaktionen erhalten. "Die ersten Kunden waren überwiegend Deutsche", sagt er.

Der Laden soll aber noch einen Zweck erfüllen: "Die Idee ist auch, den Deutschen zu zeigen, wir sind nicht hier, um die Arbeitsplätze wegzunehmen. Wir wollen welche schaffen und mit den Leuten hier zusammenarbeiten." Diese Integrationsidee trägt Omar Kassab ständig in sich. Im Gespräch mit ihm wiederholt er diese Gedanken mehrfach und fragt verunsichert nach, ob sein Gegenüber versteht, was er meine.

Das Thema Migration steht auch noch bei anderen Aktivitäten von Omar Kassab im Vordergrund. Vor Kurzem hat er gemeinsam mit anderen Flüchtlingen den Verein "Haus der Kultur und Weisheit" gegründet. Kassab ist 2. Vorsitzender. Die Mitglieder kommen aus Jordanien, Jemen, Syrien, Marokko und Algerien. In Senftenberg suchen er und seine etwa zehn Mitstreiter nun einen Raum, um sich treffen zu können. "Wir sind offen für alle", betont Kassab. Deutsche können Araber treffen, ihre Kultur und Sprache kennenlernen. Andersherum soll das aber auch möglich sein. "Wir möchten auch unsere Religion vorstellen und den richtigen Islam zeigen, der nichts mit Terrorismus oder Gewalt zu tun hat", sagt der 33-Jährige.

Und dann gibt es da noch den Integrationsbeirat des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Das Gremium existiert seit fünf Jahren. Es besteht aus sieben Mitgliedern und soll "Sprachrohr" für alle Migranten sein und das gesellschaftliche Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen fördern. Es vertritt in politischer, kultureller und sozialer Hinsicht die Interessen der Menschen, die nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen oder die einen Migrationshintergrund aufweisen. Seit Ende Juni hat der Beirat ein neues Mitglied: Es ist Omar Kassab.