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| 17:55 Uhr

Wirtschaft in Oberspreewald-Lausitz
OSL-Unternehmer fordern bessere Infrastruktur

 Bäckermeister Phillipp Fumfahr (r.) erläutert Landrat Siegurd Heinze (2.v.l.) Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler und Bärbel Weihmann von der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung seine Umbaupläne.
Bäckermeister Phillipp Fumfahr (r.) erläutert Landrat Siegurd Heinze (2.v.l.) Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler und Bärbel Weihmann von der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung seine Umbaupläne. FOTO: Landkreis OSL / Marlen Weser
Vetschau/Großräschen. Auf Rundreise durch das Kreisgebiet macht Landrat Siegurd Heinze Station in heimischen Unternehmen, diesmal in Vetschau und Großräschen.

„Aus Liebe zum Handwerk“, lautet der Slogan, den Bäckermeister Phillipp Fumfahr dem Betrieb gab, den er 2015 von seinen Vorgängern übernommen hat. Diese liegt ihm im Blut, ist doch die Familie des gelernten Bäckermeisters selbst bereits seit fünf Generationen in dem Handwerk tätig. „Mein Vater als auch mein Opa haben den Beruf gelebt“, sagt Phillipp Fumfahr beim Rundgang. Die 1955 durch Bäckermeister Hans-Werner Wahn gegründete Backstube in der Vetschauer Bahnhofstraße wird momentan umfangreich aus- und umgebaut. Veranstaltungen und Werksverkauf sind geplant. Bei all dem ist es dem neuen Eigentümer aber wichtig, den Charme der Backstube zu erhalten. Darum plant er auch „keinen Neubau irgendwo auf dem Feld“, fügt er hinzu. Die Sanitäreinrichtungen für die am Standort beschäftigten 25 Mitarbeiter sind bereits modernisiert. Im oberen Stockwerk des Gebäudes entstehen zudem Lehrlingswohnungen, die von den derzeit fünf Auszubildenden am Standort genutzt werden können. Der Umbau der Altsubstanz birgt aber auch unvorhergesehene Schwierigkeiten, führt Phillipp Fumfahr aus. Zuletzt musste umfangreich in die Umrüstung der Kühlungsanlage investiert werden.

Damals wie heute bietet die Bäckerei Wahn ein umfangreiches Sortiment an Brot, Brötchen, Kuchen und Torten an. Für alle Produkte, wie auch für den Verkaufsschlager, das sogenannte „Lieblingsbrot“, ein Vollkornweizen-Roggen-Mischbrot, werden nur natürliche Zutaten verwendet. Konservierungsmittel werden nicht eingesetzt. Das verwendete Getreide kommt aus Brandenburg und Sachsen. Auf Regionalität legt der Bäckermeister großen Wert, sein Grundanspruch lautet „Lieber weniger, dafür bessere Produkte“. Diese möchte er erlebbar für den Ort machen und liefert daher auch nicht über 100 Kilometer hinaus. Stetig entwickelt Phillipp Fumfahr neue Ideen weiter – wie beispielsweise den Spritzkuchen, das neben dem Pfannkuchen beliebteste Teilchen, der bei ihm aus Dinkelbrandteig hergestellt wird. Oder „Des Plons Brot“ – ein Brot aus Spreewaldäpfeln, Weizen und Chia-Samen. Das gibt es so in der Region nirgendwo anders. Im Rahmen von Kooperationen sind Teilchen, Brot und Brötchen auch im Süden des Landkreises, wie zum Beispiel dem Café Geraldine in Senftenberg, zu erwerben. Mehr als 45 Beschäftige sind heute an den Standorten tätig – neben den Läden in Vetschau und Lübbenau auch in der einzigen Filiale in Cottbus. Probleme bei der Fachkräftegewinnung hat Phillipp Fumfahr keine, derzeit erreichen ihn mehr Bewerbungen, als er annehmen kann. Seine Angestellten erhalten einige Unterstützung wie die Übernahme der Kitagebühren. „Mehr Eltern in der Lausitz führen zum Verbleib in der Lausitz und somit zu Kunden und Mitarbeitern“, erklärt er seinen Ansatz. In diesem Punkt appelliert er an das Land Brandenburg, sich an anderen Bundesländern ein Beispiel zu nehmen und die Gebühren abzuschaffen: „Das sollte die Allgemeinheit tragen können und wollen. Dann könnte Förderung von Unternehmen direkt an die Kindergärten gehen, dies ist durch die Finanzierung der Gebühren derzeit bei uns nicht möglich.“ Weitere Beispiele für das soziale Engagement des Unternehmers sind die Zusammenarbeit mit Kindergärten oder auch dem Nachhilfecenter in Lübbenau.

Und noch ein Anliegen ist ihm wichtig: der Ausbau der Bahnverbindungen in der Lausitz: „Eine ICE-Strecke wäre das stärkste Konjunkturprogramm, das wir uns hier vorstellen können. Es brächte Touristen und Arbeitskräfte in den Spreewald, aber auch Arbeiter in den Speckgürtel von Berlin. Die für den Flughafen benötigten Arbeitsplätze sind weder im Umland noch in Berlin selbst zu finden. Für uns wäre das eine tolle Chance, zumindest den Motor zu starten und hier in der Lausitz etwas zu bewegen“, so Phillipp Fumfahr.

In Großräschen bewegt sich etwas. Wer sich etwa dieser Tage am Hafen umschaut, kann eine weitere neue, strahlend weiße Wohnsiedlung am Hafen bei der Entstehung  beobachten. Federführendes Bauunternehmen der zwölf Eigentumswohnungen umfassenden Anlage mit gehobener Ausstattung und Seeblick ist die Firma Strohmeier GmbH. „Acht von zwölf sind bereits verkauft“, weiß Geschäftsführer Frank Strohmeier zu berichten. Sämtliche Bauhauptgewerke – Maurer-, Putz-, Klinker-, Beton-, Trockenbau und Tischlerarbeiten – bis zum Schlüsselfertigbau bietet das seit 1999 bestehende Großräschener Unternehmen an. Zum Leistungsumfang gehören Hotel- und Gastronomiebauten, Mehrzweckgebäude und Hallen ebenso wie Architekten-, Ein- und Mehrfamilienhäuser. So zählen das Atrium und Bettenhaus Seehotel Großräschen, die See-Sporthalle und der Wohnpark Großräschen zu den Referenzen. Bei der derzeitig extremen Nachfrage brauche er sich um Aufträge nicht zu sorgen, führt der Diplom-Bauingenieur weiter aus. Mit seinen zehn festangestellten Mitarbeitern, einem Auszubildenden und einem breiten Netzwerk von Fachfirmen verhelfe er zurzeit etwa acht bis zehn Familien pro Jahr zum Eigenheim.

Einzig die mittlerweile „überbordenden Prüfregularien“ kritisiert der Bauunternehmer, der gleichzeitig Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Großräschen ist. Landrat Siegurd Heinze (parteilos) kann den zunehmenden Arbeitsaufwand aus Sicht der Kreisverwaltung bestätigen. Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) ist froh, ein solch zuverlässiges und leistungsfähiges Unternehmen in der Stadt zu wissen. Befindet sich doch mit dem in Sichtweite des neuen Wohngebietes zu entwickelndem Hotelstandort schon das nächste Bauprojekt am Großräschener Hafen in Planung.

 Geschäftsführer Frank Strohmeier (M.) beim Baustellenrundgang mit Landrat Siegurd Heinze (2.v.r.), Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (2.v.l.) und Wirtschaftsförderinnen Cornelia Wobar (r.) und Bärbel Weihmann (l.).
Geschäftsführer Frank Strohmeier (M.) beim Baustellenrundgang mit Landrat Siegurd Heinze (2.v.r.), Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (2.v.l.) und Wirtschaftsförderinnen Cornelia Wobar (r.) und Bärbel Weihmann (l.). FOTO: Landkreis OSL / Marlen Weser
(jag)