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Unter Aufsicht sollen Kinder den richtigen Umgang mit dem Feuer lernen

Beim Thema Feuer und Kinder sind Aufklärung und ein begleitender Umgang besser als strenge Verbote. Beim Stockbrotbacken, wie hier in Brieske, lässt sich darüber gut sprechen.
Beim Thema Feuer und Kinder sind Aufklärung und ein begleitender Umgang besser als strenge Verbote. Beim Stockbrotbacken, wie hier in Brieske, lässt sich darüber gut sprechen. FOTO: Lausitzer Bildungsträger gGmbH
Senftenberg. In Scharen werden auch Familien mit Kindern zu den diesjährigen Osterfeuern strömen. Sollen die Kleinen im möglichst großen Abstand zuschauen oder auch mal einen Zweig in die Flammen werfen dürfen? Fachleute plädieren für einen offensiveren, aufklärenden Umgang mit dem Feuer. Manfred Feller

Die Zeiten und Ansichten haben sich grundlegend gewandelt: Früher wurden die Kinder bestraft, wenn sie das Feuer im heimischen Herd haben ausgehen lassen. Heute werden sie bestraft, wenn sie Feuer machen.

Der für seine "brennenden" Erziehungsmethoden mehrfach ausgezeichnete Berliner Künstler Kain Karawahn muss es wissen. Er hat in Deutschland mit dazu beigetragen, dass das Thema "Feuer und Kinder" enttabuisiert wird. Wenn über das Verbotene altersgerecht informiert wird und es ausprobiert werden kann, dann verliert es seinen Reiz. Das brachte der Künstler, der sich seit drei Jahrzehnten mit "Menschen und Feuer" auseinandersetzt vor Erzieherinnen und Pädagogen aus dem Landkreis herüber. Der Kreisfeuerwehrverband hatte die Veranstaltung organisiert.

Nicht ohne Grund: Nach Aussage von Kain Karawahn kommt es bundesweit täglich im Durchschnitt zu etwa 20 gefährlichen Feuersituationen, an denen Kinder beteiligt sind. Etwa 200 Mädchen und Jungen sterben jedes Jahr an Brandfolgen.

Der Berliner plädiert dafür, die Kleinen bereits ab einem Alter von fünf Jahren an das Thema heranzuführen. Seit einem Jahrzehnt toure er mit kindgerechten Spielen und Übungen durch die Lande. "Die Begeisterung ist groß", sagt er und schließt dabei Erzieher und Eltern ein. Als Künstler habe er begrenzte Möglichkeiten, die Welt zu verändern. "Im Brandschutz ist das anders", versichert er, der in Kindergärten und Grundschulen sein aufklärendes Programm anbietet.

Eine derartige Fortbildung, wie sie der Kreisfeuerwehrverband anbietet, findet Karin Windolf, Leiterin von Kindergarten und Horthaus "Kunterbunt" in Großräschen, "sehr gut". Das Thema "Feuer" sei in ihrer Einrichtung kein Tabu, sondern eines von vielen Konzeptinhalten, das der Träger der Einrichtung unterstützt. Die Leiterin weiß aber, dass die Kindertagesstätten sehr unterschiedlich an die Thematik herangehen.

Bei den Großräschenern gehört zu einem Familienfest auch ein Lagerfeuer. Dafür dürfen die Kinder Stöckchen sammeln. Sie lernen auch, dass Teelichter und Kerzen Harmonie ausstrahlen können. "Man darf das Feuer nicht nur als Gefahr sehen", sagt Karin Windolf. Brände passieren durch Kinder, weil sie keine praktischen Erfahrungen hätten.

Abgerundet wird die diesbezügliche Erziehungsarbeit durch die Kooperation mit der Feuerwehr Großräschen-Nord. Die größeren Steppkes dürfen eine Kübelspritze bedienen und eine Art kleinen Löschangriff üben.

Die Kindertagesstätte "Kunterbunt" in Großräschen wird derzeit von 192 Mädchen und Jungen besucht.