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| 17:29 Uhr

Unsichere Jobs im Landkreis nehmen dramatisch zu

IB BAU-Bezirksvorsitzende Regina Grüneberg.
IB BAU-Bezirksvorsitzende Regina Grüneberg. FOTO: IG BAU
Senftenberg. Es gibt immer mehr unsichere Jobs auch in Oberspreewald-Lausitz: Rund 17 100 Menschen im Landkreis arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der sogenannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 40 Prozent gestiegen. red/mf

Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am OSL-Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Beschäftigung noch bei 26 Prozent.

IG BAU-Bezirkschefin Regina Grüneberg spricht von einem "Alarmsignal an die Politik": "Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten", sagt Grüneberg. Hier sei "grundsätzlich etwas in Schieflage geraten". Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Südbrandenburg.

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat im Landkreis besonders die Teilzeitbeschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 5100 Erwerbstätige nicht ganztags, so waren es mit rund 11 200 im Jahr 2016 mehr als doppelt so viele. "Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeitfalle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit", ist Regina Grüneberg überzeugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

Auch bei den Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 4400 Menschen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2013: 5200). In der Gebäudereinigung machen Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus, berichtet die Gewerkschafterin Regina Grüneberg. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Südbrandenburg von den Parteien klare Konzepte "gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt". Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie das Einbeziehen von Minijobs in die Sozialversicherung. "Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen", betont Grüneberg. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte zu sorgen.