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Ungenießbare Riesengurken und Rätsel aufgebende zerfressene Pflanzen

Amira, Fritz Stopfkuchens vierjährige Urenkelin aus Rheinland-Pfalz, mit der Riesengurke aus dem Schipkauer Garten.
Amira, Fritz Stopfkuchens vierjährige Urenkelin aus Rheinland-Pfalz, mit der Riesengurke aus dem Schipkauer Garten. FOTO: privat
Schipkau. In dem Naturgarten von Fritz Stopfkuchen aus Schipkau gedeihen Pflanzen aus aller Herren Länder. Ungewohnte, aber schmackhafte Früchte reifen heran. Jetzt steht der Freizeitbotaniker vor einem Rätsel: Mitten in dem prächtigen Grün weisen einige Pflanzen massive Schäden auf. Manfred Feller

Man sieht es dem bekannten Naturfreund Fritz Stopfkuchen an. Der Mann mit dem dunkelgrünen Daumen leidet. In seinem Naturgarten in Schipkau sind einige Pflanzen so stark geschädigt, dass sie binnen kurzer Zeit abgestorben sind. Der Senior weiß auf viele Fragen in Sachen Fauna und Flora eine Antwort. Doch jetzt steht er ratlos zwischen Bäumen und Sträuchern.

"Es sind nicht Flächen betroffen, sondern einzelne Pflanzen", schaut er auf die Schäden. Das heißt: Während das eine Gewächs abstirbt, gedeiht das direkt danebenstehende nach wie vor prächtig. In der Schipkauer Nachbarschaft gehe es einigen Grundstücksbesitzern ähnlich, nur dass diese nicht die Pflanzenvielfalt besitzen.

"Die Tomatenpflanzen sind innerhalb von nur zwei Tagen mit den Früchten kaputtgegangen", wundert sich Fritz Stopfkuchen. "Das sah wie verätzt aus." Merkwürdig: In einer anderen Ecke des Gartens stehen gesunde kolumbianische Stacheltomaten. Aus den aromatischen Minifrüchten, die an einem 2-Meter-Busch hängen, bereitet Ehefrau Ilona mit Gelierzucker und Zitrone schmackhafte Marmelade.

Ein trauriges Bild gibt der Winterschneeball ab. "Sogar das Holz stirbt ab", stellt Fritz Stopfkuchen kopfschüttelnd fest. Auf den Blättern der Nashi-Birne zeigten sich zunächst kleine dunkle Punkte. Diese wurden immer größer und die Blätter in der Folge - wovon auch immer - zerfressen.

Nicht anders erging es dem Farnkraut. Im Teich sind die auf dem Wasser liegenden Blätter der Seerosen geschädigt. Jene unter Wasser nicht. Dafür sind die Fische verendet. Aus Sicht von Fritz Stopfkuchen macht das alles keinen Sinn. Er sucht nach dem Zusammenhang.

Die RUNDSCHAU bat Frank Richter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Botanik der TU Dresden anhand von Fotos um eine Ferndiagnose. Eine Erklärung wäre demnach etwas einfacher, wenn die betroffenen Pflanzen einer Familie angehören oder aus einer Region irgendwo auf der Welt stammen würden. Doch sie stammen von überall her.

"Selbst der Ginkgo ist geschädigt. Der hat in der Welt schon Atombombenexplosionen überlebt. Hier sind die Blätter innerhalb von zwei Tagen braun geworden", kann es Fritz Stopfkuchen nicht fassen.

Er hat dafür nur eine vage Erklärung: Flugzeuge, die unterhalb der normalen Reisehöhe mehrfach Kerosin abgelassen haben. Dies haben er und andere über Schipkau zum Beispiel am 12. August beobachtet. Kurz darauf seien die ersten Schäden an den Pflanzen festgestellt worden.

Botaniker Frank Richter von der TU Dresden kann sich dies nur schwer vorstellen. Kerosin aus großer Höhe abgelassen, käme unten nicht in Tropfenform an, sondern zerstäubt. Und dann müssten große Flächen betroffen sein und nicht nur einzelne Gewächse. Gelangt Kerosin allerdings auf Pflanzen, zerstört es die Wachsschicht auf den Blättern. Eindringlinge, welcher Art auch immer, hätten für ihr zerstörerisches Werk leichtes Spiel.

Gewissheit zur Ursache, so Frank Richter, könne nur eine Laboruntersuchung geben. Doch diese kostet dem Auftraggeber Geld. Fritz Stopfkuchen weiß noch nicht, wohin er sich wenden soll. Zur Sicherheit hat er als Beweis- und Untersuchungsmaterial geschädigte Pflanzenreste aufgehoben.

Solange das nicht geklärt ist, erfreut sich der Schipkauer an der Vielfalt in seinem Garten mit Pflanzen von fast allen Kontinenten. Immer wieder Erstaunen bei den Besuchern ruft allerdings der Wein hervor. Von lediglich sechs Reben mit einer Gesamtlänge von etwa 36 Metern hat er nicht weniger als 400 Trauben geerntet. Der Mann staunt selbst, wie die Pflanze über lange Strecken die prallen Trauben ernährt hat. Wahrscheinlich liege es daran, dass die Rebstockwurzel bis zu einer Wasserader vorgedrungen ist. Denn wässern musste der Schipkauer kaum. Die letzten Sonnentage haben in den Trauben sogar noch für ein in der Lausitz erstaunliches Mostgewicht (Zuckergehalt) von 108 Grad Öchsle gesorgt. An diesem sehr guten Wert hätten selbst die Elbwinzer weiter südlich zu knabbern.

Das Wetter hatte in diesem Jahr auch erstmals dafür gesorgt, dass die Blaubeeren ein zweites Mal geblüht haben.

Auch für weniger Sinnvolles hat Fritz Stopfkuchen etwas übrig. Von Wolfgang Pietrzak aus Schwarzheide hatte er sich Samen der Riesengurke "Herkuleskeule" geben lassen. "Das ist eine dürre Pflanze, aber mit schönen Blüten", schmunzelt er. Der Samen wurde im Mai in zwei- bis dreijährige Komposterde aus Gartenabfällen gesteckt und nicht weiter beachtet. Es bildeten sich an der Pflanze schließlich viele kleine Gurken. Bis auf eine fielen alle ab. Doch die eine entwickelte sich prächtig (siehe Foto). Als sie abgenommen wurde, kamen weitere Blüten.

Wolfgang Pietrzak hat den Samen an einem Gärtnereistand auf dem Münchner Viktualienmarkt gekauft, erzählt er. Die bislang größte Riesengurke maß sagenhafte 2,10 Meter. "Ab einer Länge von 25 Zentimetern ist die Gurke nicht mehr als solche essbar", sagt er. Und bis zu einer Länge von 50 Zentimetern könne man sie noch wie eine Zucchini füllen und verarbeiten. Ansonsten solle man die Herkuleskeule einfach wachsen lassen und als Dekoration ausstellen.