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Unentgeltliche Ferien für sozial benachteiligte Kinder

Katja Ebstein (l.) mit Feriencampteilnehmern.
Katja Ebstein (l.) mit Feriencampteilnehmern. FOTO: Alexander Westhäußer
Annahütte. Katja-Ebstein-Stiftung und LAUSITZER RUNDSCHAU schicken 12- bis 16-Jährige ins Erlebniscamp "Ökotanien". Bis zum 17. Juli ist die Bewerbung möglich.

Sechs Kinder aus sozial benachteiligten Familien im Oberspreewald-Lausitz-Kreis können im August unentgeltlich an einem Erlebniscamp "Ökotanien" in Annahütte teilnehmen. Die Katja-Ebstein-Stiftung und Lausitzer RUNDSCHAU machen das möglich. Die RUNDSCHAU sprach mit Katja Ebstein über ihre Stiftung.

Frau Ebstein, warum engagiert sich Ihre Stiftung ausgerechnet in Ökotanien in Annahütte? Wie und wann ist es dazu gekommen?
Ebstein Ich war immer sozial engagiert. Mit der Wende in Deutschland stellte sich mir die Frage: Was kann ich tun, damit das Land zusammenwächst, wie Willy Brandt es seinerzeit sagte. Wie können wir dafür sorgen, dass die nachfolgende Generation eine lebenswerte, gute Zukunft hat? So gründeten wir - zusammen mit Ingrid Stolpe und Umweltmedizinerin Dr. Bärbel Dominok - den Verein Aktion Umwelt für Kinder. Er ist Träger des Erlebnis- und Familiencamps Ökotanien in Annahütte. Dank Unterstützung durch Manfred Stolpe, Regine Hildebrandt und vielen anderen konnten wir sehr schnell das Anliegen der Menschen in Annahütte nach einem Zentrum für Kinder und Jugendliche aus der Region auf den Weg bringen. Unser Anliegen ist es, Familien, Kindergärten und Schulen zu helfen, Kindern und Heranwachsenden durch sinnvolle Freizeit- und Ferienangebote eine positive und optimistische Entwicklung ihres künftigen Lebenswegs zu ermöglichen. Deshalb ist mein Engagement speziell in Berlin und Brandenburg gerade auch als Stiftung auf Dauer angelegt.

Was hat Sie bei diesem Engagement bisher besonders beeindruckt?
Ebstein Wie viele wache Bürger bewegt auch mich die Sorge, dass unsere Gesellschaft immer mehr auseinanderzudriften droht, in Alt und Jung, Arme und Reiche, Fremde und Beheimatete, Behinderte und Nichtbehinderte. Integration geschieht nicht durch aufgeregte, aktuelle tagespolitisch geprägte Talkrunden und Presseberichte. Sie erfordert unendlich viele kleine alltägliche Dinge und Verhaltensweisen, Besonnenheit im Umgang miteinander. Sie erfordert aber auch positive innere Unruhe, nämlich nicht nachzulassen, sich einzusetzen und zu engagieren. Und da sehe ich, mit welcher Freude unsere Angebote für Schulklassen, Jugendheime und jeden Einzelnen, der zu uns kommt, angenommen werden. Ein Erlebnis aus der jüngsten Zeit ist, dass wir mit großer Unsicherheit über das Gelingen Camps durchführen, in denen einheimische Kinder und Jugendliche mit solchen, die als Flüchtlinge hier sind, ein oder zwei Wochen gemeinsam verbringen: Da gibt es keine Sprachprobleme; Kinder und Jugendliche lösen das durch unbekümmertes freies Aufeinanderzugehen. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: "Dass man uns allen das Gleiche zutraute und nur miteinander unsere Aktivitäten gelingen konnten". Mich freut auch sehr das Echo auf unsere Sommercamps für alle, die nicht oder nur für kurze Zeit mit ihren Eltern Urlaub machen können.

Wie sieht Ihr Engagement konkret aus? Welche Mittel werden dafür aufgewendet?
Ebstein Ich bin mir bewusst, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen als Künstler, Politiker oder Unternehmer, es einfacher haben, für ihr soziales Tun Gehör zu finden. Deswegen auch engagiere ich mich auf der Bühne sowie im "richtigen Leben" für Sorgen und Nöte, die wir alle um unsere Zukunft haben. So gelingt es immer wieder, durch Benefizveranstaltungen Menschen mit offenen Herzen zu erreichen, uns für diese Arbeit zu spenden oder Fördertöpfe und -institutionen zu finden, die unsere Arbeit mitfinanzieren. Unserem Prinzip der Integration entspricht es auch, dass für alle Teilnehmer Kursgelder zu bezahlen sind und die Programmqualität für alle gleich ist.Unsere Kursbeiträge sind so kalkuliert, dass der "Normalzahler" den marktüblichen Preis bezahlt.

Wo sieht der Verein seine aktuellen Schwerpunkte, Aufgaben und Anliegen?
Ebstein In unserer mehr als 20-jährigen Praxiserfahrung, die immer direkt am Menschen ansetzte, erreichen wir derzeit im Schnitt jährlich mehr als 500 junge Menschen im Hüttendorf und Erlebniscamp Ökotanien. Dieses Angebot erweitern wir in diesem Sommer um 60 Plätze, können dann ganzjährig die drei- bis vierfache Zahl von Kindern und Jugendlichen erreichen.

Höhepunkt eines Sommers sind immer die Sommercamps, die Kindern und Jugendlichen, die nicht in Urlaub fahren können, erlebnisreiche zwei Wochen des Zusammenlebens und Erlebens ermöglichen; gleich, ob es deutsch-polnische Camps in der Grenzregion zwischen Brandenburg und Polen sind oder die zwei Integrationscamps mit neu angekommenen jugendlichen Flüchtlingen zusammen mit deutschen Jugendlichen. Das ist unser erster Beitrag dazu, das "Bündnis für Brandenburg" mit Leben zu füllen und Menschen dort zusammenzubringen, wo sie leben. So verbinden wir Integration mit Prävention und Toleranz, damit unsere Gesellschaft zusammenhält.

Es fragte Barbara Remus

Zum Thema:
Für unentgeltliche Sommerferien in "Ökotanien" Annahütte der Katja-Ebstein-Stiftung und der LAUSITZER RUNDSCHAU stehen insgesamt sechs Plätze für Zwölf- bis 16-Jährige zur Verfügung: 7. bis 13., 14. bis 20. sowie 21. bis 28. August je zwei Plätze für interkulturelle Begegnung. Einwohner des Oberspreewald-Lausitz-Kreises in sozial benachteiligten familiären Verhältnissen können Kinder und Jugendliche im genannten Alter, die sich für eines der Ferienangebote interessieren, der Senftenberger RUNDSCHAU bis Montag, 17. Juli, mitteilen per E-Mail an red.senftenberg@lr-online.de mit gewünschtem Zeitraum, Familienname, Vorname, Alter, Adresse, Telefonnummer. Katja Ebstein wird aus allen Interessenten die sechs jungen Leute auswählen. Unabhängig von diesen Bewerbungen sind Anmeldungen für die Camps noch möglich im Internet unter www.eca-annahuette.de