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| 01:06 Uhr

Und samstags wurde gebadet

Region.. Am Sonnabend um 15 Uhr lässt das Lausitzer Bergbaumuseum Knappenrode die Gründerjahre der Kolonie Werminghoff/Knappenrode aufleben. In der einstigen Waschkaue des Werkes präsentiert das Museum eine Sonderausstellung zum 90. Jubiläum der Bergarbeitergemeinde.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach der Boom der Industrialisierung raumgreifend in das dörfliche Leben der Nieder- und Oberlausitz ein. Tagebaue und Fabriken veränderten die Landschaft, schufen Arbeit und vernichteten gleichzeitig Lebensräume, teilten die Lausitz in verschiedene Kohlereviere.
Bergwerkkonzerne wie die „Ilse, Bergbau AG“ im Niederlausitzer und „Eintracht Braunkohlen und Brikettfabrik AG“ im Oberlausitzer Revier beherrschten das Wirtschaftsleben. Steinwürfe von den Fabriken und Gruben entfernt, entstanden Werkskolonien, gebaut mit Bedacht und bescheidenem Luxus, um Fachkräfte in die dünn besiedelte Region zu locken.
Die Ansiedlung Werminghoff, südöstlich von Hoyerswerda, war eine der letzten in dieser Reihe. Mit dem Aufschluss des gleichnamigen Tagebaus entstanden 1913 die ersten Häuser, entworfen von einem Dresdener Architektenbüro im angepassten Landhausstil. Eine Siedlung in enger Gemeinschaft mit Werk und Grube - ein Spannungsfeld, das Lebensbiographien und den Alltag prägte, in dem der Übervater „Werk“ alles bestimmte. Ohne Zaun und Pförtnerhäuschen war das Werk allen zugänglich; die Kinder brachten ihren Vätern das Essen an den Arbeitsplatz, außerhalb der Schichtwechselzeiten nutzte die gesamte Familie die Waschkaue des Werkes zum samstäglichen Bad. Ging im Haushalt etwas kaputt, standen gegen ein Entgeld Werks-Handwerker zur Verfügung. „Das Werk war alles“ charakterisieren Alteingesessene noch heute das Leben in der Bergbausiedlung.
Am Sonntag steigt im Bergbaumuseum ab 10 Uhr ein großes Familienfest. (red)