Im Zuge der an der Wilhelm-Külz-Straße anstehenden Sanierungsmaßnahmen stellt sich die Frage, was mit dem Bagger geschehen soll. Darüber müssen Fachleute befinden, lautete der Tenor im Zuge einer Einwohnerversammlung in Lauchhammer.

Der frühere Lauchhammeraner Stadtplaner Wolfgang Klose weiß über den Unglückstag gut Bescheid. "Mein Vater, Baumeister bei der Firma Kempa, stand damals in der Nähe der Tagebaukante, südlich des Schwermaschinenbaus am Oberhammer. Dort fand, wie er erzählte, eine Beratung über einen Bauauftrag statt. Man konnte von dieser Stelle ungehindert in den Tagebau Lauchhammer III schauen. Plötzlich hat eine Rutschung alles, was sich dort befand, in die tieferen Stellen der Bergbaustrosse gerissen und verschüttet. In wenigen Sekunden war alles weg und zugeschüttet. Die unfreiwilligen Zuschauer, wo ja auch mein Vater stand, sollen wie versteinert von den unglaublichen Ereignissen gewesen sein." Es war Willi Klose (1897 - 1978), der Vater von Wolfgang Klose, der seinem Sohn diese dramatische Szene schilderte.

Im Zuge der in diesem Gebiet jetzt geplanten Sanierungsmaßnahmen erinnert sich Wolfgang Klose an die Worte seines Vaters. "Leider hat er nie erwähnt, wann genau dieses Unglück geschah", sagt der heute 67-Jährige. Wahrscheinlich sei die Rutschung zu Beginn der 1920er-Jahre gegangen. Bereits im Jahr 1921 wurde der Kohleabbau im Tagebau Lauchhammer III, der sich südlich von Friedenseck und Bahnhofstraße sowie östlich der Wilhelm-Külz-Straße, befindet eingestellt. Die damals zu Tode gekommenen Bergleute seien nie gefunden worden. Sie seien, ebenso wie das komplette technische Gerät, sofort nach der Rutschung unter gewaltigen Erd- und Schlammmassen begraben gewesen.

Später hätten Arbeiter die Unglücksstelle zugeschoben. "Dabei kamen alle möglichen Stoffe zum Einsatz. Unter anderem Formsande, Schmiederückstände sowie Restprodukte aus der Emaille-Produktion", weiß Wolfgang Klose.

Später habe sein Vater Bauwilligen geraten, auf dem Kippengelände keine Gebäude zu errichten. Doch es kam anders. Die Leute hätten die Warnung in den Wind geschlagen. So entstand die Siedlung am Pappelweg auf geschüttetem Boden. Zwar habe auch zur damaligen Zeit für die Bauherren die Pflicht bestanden, für ihre Vorhaben Baugrundgutachten erarbeiten zu lassen. Doch anscheinend seien diese nicht erstellt worden. Denn dann wäre auf den völlig ungeeigneten Baugrund aufmerksam gemacht worden. Selbst nach der politischen Wende habe es im Pappelweg noch Neubauten gegeben. Derzeit werden in dem Gebiet elf Brunnen errichtet, um die Gefahren durch das aufsteigende Grundwasser zu minimieren.

Wo heute genau der verschüttete Bagger zu orten wäre, kann Wolfgang Klose beim besten Willen nicht sagen. "Nur so viel: Es muss irgendwo südöstlich des Pappelweges sein. Vielleicht liegt das Gerät auch im Naundorfer Teich." Dieses Gewässer ist das Restloch des einstigen Tagebaus Lauchhammer III.

Erst kürzlich hatte der Lauchhammeraner Volker Streubel in der Einwohnerversammlung auf den verschwundenen Bagger hingewiesen. Schließlich soll der Komplex des Gewerbegebietes östlich der Wilhelm-Külz-Straße, wo sich zu DDR-Zeiten der VEB Möbelring befand, saniert werden. 2014 werden dort drei Filterbrunnen in Betrieb gehen. Das Bagger-Schicksal bleibt indes noch ungewiss.