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| 15:47 Uhr

Umweltskandal in Großräschen
Reifenberg türmt sich am Altdöberner See auf

 Dieser Reifenberg türmt sich am Rand einer Kiefernschonung unweit des Altdöberner Sees auf.
Dieser Reifenberg türmt sich am Rand einer Kiefernschonung unweit des Altdöberner Sees auf. FOTO: Andreas Drescher
Großräschen. Illegale Müllablagerungen in der Region nehmen stark zu. Abfallentsorger müssen daher perspektivisch die Gebühren erhöhen. Von Torsten Richter-Zippack

Das neue Jahr hat für Rudolf Rutzka mit einer unangenehmen Überraschung begonnen. Bei einem Rundgang in seinem rund elf Hektar großen Wald unweit des Südufers des Altdöberner Sees ist der Großräschener auf eine illegale Mülldeponie gestoßen. „Um den Jahreswechsel hat dort jemand einen riesigen Berg an Altreifen abgekippt“, berichtet Rutzka. Er schätzt, dass am Rand einer Kiefernschonung jetzt rund drei Tonnen des Gummimaterials lagern. „Vielleicht zwischen 400 und 500 Pkw-Reifen“, sagt der Senior.

Rudolf Rutzka vermutet, dass der Verursacher detaillierte Ortskenntnisse verfügen müsse. „Die Reifen sind rund 200 Meter von der Straße, die von Kunersdorf auf die Verbindung zwischen Lubochow und Pritzen führt, abgelagert. Zum einen handelt es sich um eine weltabgeschiedene Gegend, wo kaum ein Mensch hinkommt. Zum anderen hat der Täter den Standort so geschickt gewählt, dass er problemlos hinein- und wieder heraus fahren konnte.“

Sofort nach dem Bekanntwerden der Reifendeponie hat Rudolf Rutzka bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Das bestätigt die Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn. Mehr noch: „Selbstverständlich werden wir vor Ort nach Spuren suchen. Bislang wurde noch kein Verursacher ermittelt.“ Ihren Angaben zufolge ist der Ordnungsbehörde im Oberspreewald-Lausitz-Kreis kein vergleichbarer Fall bekannt. Hin und wieder werde die Polizei zwar zu Fahrzeugwracks, manche auch ausgebrannt, gerufen, doch mit einem solchen Reifenberg wurden die Beamten bislang nicht konfrontiert. Der Landkreis wird sich um die Deponie kümmern“, kündigt Ines Filohn an.

Nach Angaben der OSL-Bodenschutzbehörde wurde die illegale Abfallentsorgung bereits am 8. Januar durch den Landesbetrieb Forst Brandenburg zur Anzeige gebracht. Anschließend hat das Amt den Abfallentsorgungsverband in Kenntnis gesetzt. „In dem Schreiben wird um eine ordnungsgemäße Beräumung und Entsorgung der Altreifen geben“, erklärt Kreissprecherin Marlen Weser. Zuständig ist der Kommunale Abfallentsorgungsverband Niederlausitz (KAEV) in Lübben. Verbandsvorsteher Gunter Hempel will zeitnah seinen Dienstleister, ein Cottbuser Entsorgungsunternehmen, informieren. Innerhalb einer Woche, heißt es aus dem KAEV, sollen die Reifen abgeholt sein und einer anschließenden Entsorgung zugeführt werden.

Die illegalen Müllablagerungen könnten sich perspektivisch auf die Gebühren niederschlagen. „Diese sind bei uns zwar seit neun Jahren stabil, aber eine Anhebung ist aufgrund der zusätzlichen Bealstungen nicht ausgeschlossen“, stellt Hempel klar. Allein vom Jahr 2017 zu 2018 gab es im KAEV-Gebiet einen Anstieg bei der Beräumung illegaler Abfälle um 30 Prozent. Pro Woche werde der Verband über drei bis fünf Fälle informiert. Längst befänden sich darunter nicht nur alte Reifen, sondern auch wassergefährdende und weitere umweltschädliche Stoffe.

Was nun den Reifenberg vom Altdöberner See angeht, kann Flächeneigentümer Rudolf Rutzka aufatmen. „Die Entsorgungskosten übernimmt unser Verband“, sagt Gunter Hempel. Die Preise pro Reifen seien unterschiedlich. Kleine Exemplare kosten in der Entsorgung einen Euro, pro Traktorreifen kommen rund 42 Euro zusammen.

Rudolf Rutzka, der als Heilpraktiker aktiv ist, hatte den Wald am Altdöberner See vor Jahren von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) erworben. „Wir betreiben eine Holzheizung, die ich mit Holz aus dem eigenen Wald versorge“, begründet der Großräschener. Zudem bezeichnet er sich als Naturfreund. Rutzka erinnert sich, dass vor über zehn Jahren auf einem Nachbargrundstück mal ein abgebranntes Fahrzeug gefunden wurde. Der Altdöberner Amtsdirektor Frank Neubert sagt, dass in den vergangenen Jahren keine vergleichbaren Fälle mit Altreifen im Amtsgebiet vorgekommen sind. Er hofft nun darauf, dass die Sache vom Altdöberner See eine einmalige Angelegenheit bleibt.