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| 17:21 Uhr

Aus dem Gericht
Überwachungskamera filmt Axt-Angriff im Zug

Bei einem Diebstahl im Senftenberger Rewe-Markt soll der Angeklagte mit den dortigen Weitwinkel-Kameras aufgenommen worden sein.
Bei einem Diebstahl im Senftenberger Rewe-Markt soll der Angeklagte mit den dortigen Weitwinkel-Kameras aufgenommen worden sein. FOTO: Jan Augustin
Cottbus/Senftenberg. Wegen versuchter räuberischer Erpressung muss sich ein Mann aus Hohenbocka vor Gericht verantworten.

Verstörend ist das Video, das der Vorsitzende Richter André Simon am Dienstag per Beamer und Leinwand im großen Saal des Cottbuser Landgerichtes abspielt. Zu sehen ist eine Aufnahme aus einem Regionalexpress, der im Februar vergangenen Jahres von Cottbus nach Ruhland fährt. Die Überwachungskamera filmt zunächst einen jungen Mann, der sich auf einen der Plätze im leeren Abteil setzt. Kurze Zeit später läuft ein anderer Mann mit einer Kapuze über dem Kopf und einem Schal ums Gesicht in seine Richtung, stellt sich erst hinter ihn und setzt sich dann schräg gegenüber in ein offenes Viererabteil. In der rechten Hand hält er dabei eine Axt, mit der er andeutet, sie seinem Gegenüber entgegenzuwerfen. In einer Sequenz ist auch zu erkennen, dass der Mann mit der Axt von hinten an den sitzenden Fahrgast herantritt und dann eine Bewegung ausführt, die nicht eindeutig zu sehen ist. Der Fahrgast, der als Zeuge geladen ist, sagt aus, dass er in diesem Moment einen leichten Schlag auf den Hinterkopf bekommen habe, vermutlich mit der Axt. Das siebenminütige Video läuft zwar ohne Ton. Klar ist aber, dass der Mann mit dem Beil, mit dem er die gesamte Zeit herumfuchtelt, den Fahrgast bedrängt. „Ich habe mich bedroht gefühlt“, sagt der Zeuge aus. Der Mann habe Geld und Handy gewollt. „Nein“, habe er aber seinem Peiniger immer wieder gesagt. Dann sei der Angreifer in Hosena ausgestiegen - ohne Beute.

Staatsanwalt Thomas Schell will den Angeklagten wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilen lassen. Doch dieser bestreitet, dass er die Person im Zug ist. Aufmerksam geworden ist die Staatsanwaltschaft auf den Angeklagten durch einen Hinweis der Bundespolizei. Diese hatte drei Videos von Straftaten in diesem Zeitraum ausgewertet und sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich dem äußeren Erscheinungsbild zufolge um ein- und dieselbe Person handelt - ein in Hohenbocka lebender 23-jähriger Mann. Bei einem Fall soll der Angeklagte zu sehen sein, wie er, ebenfalls in einem Zug, ein Feuer gelegt hat. Nachdem er ausgestiegen war, bemerkte das Personal die starke Rauchentwicklung und löschte das Feuer. Auf einem anderem Video sei er zu erkennen, wie er im Senftenberger Rewe-Markt wahllos Produkte einsteckte, ohne dafür zu bezahlen. Das Gericht will jetzt einen Sachverständiger zurate ziehen. Er soll herausfinden, ob der Angeklagte der Mann auf den Videos ist. Anfang Februar soll weiterverhandelt werden.

(jag)