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Übervoller Schulbus nervt Eltern

Für Grünewalds Kinder geht der Schulstress los, lange bevor es zur ersten Stunde klingelt. Wenn der Schulbus morgens im Dorf stoppt, ist er bereits mit den Schulkindern aus Hohenbocka und Sella überfüllt. Der Durchgang von vorn bis hinten steht voll.
Für Grünewalds Kinder geht der Schulstress los, lange bevor es zur ersten Stunde klingelt. Wenn der Schulbus morgens im Dorf stoppt, ist er bereits mit den Schulkindern aus Hohenbocka und Sella überfüllt. Der Durchgang von vorn bis hinten steht voll. FOTO: Steffen Rasche/str1
Grünewald. Tägliches Bus-Chaos zur Morgenstunde. Für Eltern und Kinder ist die Schulbusfahrt von Grünewald nach Guteborn eine Belastungsprobe. Die zum Schulbus umfunktionierte Linie 611 ist unübersehbar voll, rechtlich jedoch nicht. Eltern fordern einen Busbegleiter oder einen zweiten Bus. Andrea Budich

Wenn die Linie 611 frühmorgens an der Haltestelle vor dem Kindergarten stoppt, wissen die 15 Schulkinder aus Grünewald, was sie erwartet. Die Tür geht auf, die Busausweise werden gezückt, eine Chance auf einen der insgesamt 38 Sitzplätze hat jedoch in Grünewald kein einsteigendes Kind. Der Durchgang von vorn bis hinten füllt sich zusehends. Es wird gedrängelt und geschubst, sogar die Stufen am Ein- und Ausstieg sind besetzt, und nicht jeder Haltegriff ist von den Kleinen erreichbar. Die Erstklässler stolpern über die Ranzen.

Das alltägliche Bus-Chaos beobachtet Roswitha Winkler aus Hermsdorf mit Grauen. Sie übernimmt regelmäßig den Oma-Dienst für ihre Enkelinnen Gina (10) und Greta (6) aus Grünewald. Mit Simone Blochwitz, die Tochter Elisa (6) begleitet, kritisiert sie die mangelnde Sicherheit im Schülerverkehr. "Entweder ein Busbegleiter sorgt für Ordnung, oder es muss in Spitzenzeiten ein zweiter Bus eingesetzt werden", fordern sie. Bürgermeisterin Ute Schmatloch, die Willi und Karl zum Schulbus bringt, sieht das genauso. "Ich verstehe nicht, warum man sich im Auto und im Reisebus anschnallen muss, im Schulbus aber nicht."

Die zehnjährige Magdalena geht wie immer leer aus bei der Sitzplatz-Suche. Die Viertklässlerin hat heute fünf Stunden und damit einen ziemlich vollgepackten Ranzen auf dem Rücken. Sie hat zu tun, dass ihr der Sack mit den Eicheln für das Herbstprojekt nicht versehentlich aus der Hand rutscht. Sämtliche Sitzplätze sind bereits beim Halt am Kinderhaus in Hohenbocka besetzt. Die Kinder, die in Sella und Grünewald einsteigen, müssen bis zur Grundschule Guteborn stehen. Und das täglich.

Die Beschwerde der Eltern und Großeltern trifft bei Birgit Laurisch auf offene Ohren. Die Leiterin Verkehrsplanung der Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz verweist jedoch darauf, dass die Stehplätze laut Betriebs-Ordnung Kraftomnibusse (BO-Kraft) mit den Sitzplätzen gleichwertig sind. Demnach sind die Stehplätze zur Schülerbeförderung vorgesehen und zugelassen. Im eingesetzten Standardlinienbus zwischen Hohenbocka und Guteborn mit 38 Sitzplätzen sind zusätzlich 59 Stehplätze ausgewiesen. Eine Anschnallpflicht in Omnibussen, in denen die Beförderung stehender Fahrgäste zugelassen ist, besteht nicht. Wenn Stehplätze genutzt werden, ist die Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften jedoch auf 60 Kilometer pro Stunde begrenzt.

"Wir nehmen trotzdem jeden Hinweis sehr ernst und werden daher Anfang November in der Linie 611 die Schüler zählen", erklärt Birgit Laurisch. Für die Fahrt zur Grundschule Guteborn erwartet sie jedoch keine Auffälligkeiten. Busfahrer Uwe Sandmann hatte auf Nachfrage lediglich eine Auslastung von knapp 60 Prozent bestätigt. Wirkliche Problemfälle hingegen sind am Schulstandort Lübbenau und dem Seecampus Schwarzheide zu erwarten. "Sollte die Zählung dies bestätigen, suchen wir mit dem Schulverwaltungsamt eine Lösung", sagt Laurisch.

Einen Busbegleiter könne die Verkehrsgesellschaft nicht bezahlen. Sollte es aus der Elternschaft Interessenten für diesen Job geben, können diese sich gern melden. "Wir steuern die erforderlichen Freifahrten bei", erklärt die Planungs-Chefin. Speziell die Fahrschüler aus Grünewald und Hohenbocka lädt sie zusätzlich zur Busschule am 4. November in die Grundschule Guteborn ein, um das richtige Verhalten im Bus zu trainieren.

Zum Thema:
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat die Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz mbh (VGOSL) mit der Schülerbeförderung beauftragt. Die komplette Schülerbeförderung ist in den Regional-Linienverkehr integriert. Einen reinen Schulbus gibt es nur in Schwarzheide. In der Spitzenzeit werden in 67 Linienbussen von insgesamt sechs Unternehmen Schüler befördert. 3200 Fahrschüler sind bei der VGOSL angemeldet. Hinter dem Lenkrad der zum Schulbus umfunktionierten Linienbusse sitzen mehr als 100 Busfahrer. Die wichtigsten bundesweit geltenden Rechtsgrundlagen für den Schulbusverkehr sind im Personenbeförderungsgesetz und in der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) enthalten.Ansprechpartner zum Thema Schulbusse ist das Team der Verkehrsgesellschaft unter Telefon 03573 66520.