ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:16 Uhr

Rekordernte sichert Apfelsaft-Nachschub von Lausitzer Streuobstwiesen
Trotz Hitze: Die Äpfel rollen an

Peter Schmaler aus Bluno bringt seine Apfelernte in die Hosenaer Kelterei. Die geernteten Äpfel sind aufgrund des fehlenden Regens etwas kleiner. Die fehlende Größe wird aber von der Masse ausgeglichen. Ab heute laufen wieder die Saftpressen im Akkord.
Peter Schmaler aus Bluno bringt seine Apfelernte in die Hosenaer Kelterei. Die geernteten Äpfel sind aufgrund des fehlenden Regens etwas kleiner. Die fehlende Größe wird aber von der Masse ausgeglichen. Ab heute laufen wieder die Saftpressen im Akkord. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Hosena. Kelterei Hosena hat Apfel-Annahme vorgezogen. Ab heute wird neuer Apfelsaft gekeltert. Von Andrea Budich

Die Apfel-Lawine rollt an. In Säcken, Kisten, Stiegen und Eimern verladen, die aus Kofferräumen, Pferde-, Fahrrad- und Autoanhängern rausgehievt werden. Die Autos stehen Schlange. Auspuff an Auspuff. Die beiden Waagen in der Kelterei Hosena ächzen. 90 Kilogramm, 110 Kilogramm, 132 Kilogramm, 207 Kilogramm, ja sogar 700 Kilogramm. Der Annahme-Förderer ist bis zum Rand gefüllt mit gelb-, grün- und rotbäckigen Vitaminbomben. Die ersten der 16 Zwischenbunker sind schon nach dem ersten Annahmetag am Samstag voll.

Die Hitze hat den Kelterei-Takt in diesem Jahr durcheinandergebracht. Eine Apfel-Annahme schon Mitte August - das hat es in dem familiengeführten Traditionsbetrieb noch nie gegeben. „Wir haben aufgrund der Hitze die Annahme zwei Wochen vorgezogen!“, erklärt Kelterei-Chef Jan Rolla den Trubel auf allen Zufahrtsstraßen.

Hosena ist seit Samstag wieder ein Apfeldorf. Lange Autoschlangen haben sich an den ersten beiden Annahmetagen vor der Kelterei gebildet.
Hosena ist seit Samstag wieder ein Apfeldorf. Lange Autoschlangen haben sich an den ersten beiden Annahmetagen vor der Kelterei gebildet. FOTO: Steffen Rasche

Die zeitige Lohnobstannahme ist für die Hobby-Obstgärtner, die mit ihrer Apfel-Fracht anrücken, eine Erlösung. „Wir haben die Tage gezählt, bis es endlich losgeht“, bestätigt Familie  Schulz aus Torno. Ihre über 80 Jahre alten Apfelbäume hängen voller Früchte, die Äste biegen sich unter der Last. Bei Familie Funka aus Großkoschen sind schwere Äste unter der Last sogar schon abgebrochen. 144 Kilogramm haben sie mit zur Kelterei gebracht. Bei Familie Kaulisch aus Niemtsch bleibt der Zeiger der Waage bei 207 Kilogramm stehen. Und dabei ist an ihren Bäumen noch nicht einmal zu sehen, dass Äpfel fehlen.

Mit 230 Kilogramm Lade-Fracht im Kofferraum kommt Karl-Heinz Sommer aus Buchwalde angerollt. Die 21 Apfelbäume seiner Streuobstwiese haben trotz Hitze und wenig Regen einen beachtlichen Ertrag abgeworfen. „Die alten Sorten kommen mit den Temperaturen gut klar“, erklärt der Hobby-Gärtner. Nordhäuser, Boskop, Gravensteiner und Ontario gehören dazu. Zur Kelterei nach Hosena bringt er seine Äpfel schon seit Jahrzehnten. In diesem Jahr wird er noch einige Male die Kelterei ansteuern müssen. „Die Bäume hängen voll, zwei Tonnen kommen da schnell zusammen“, wagt seine Frau eine vorsichtige Schätzung des Ertrages.

Nach den ersten beiden Annahme-Tagen rechnet Kelterei-Chef Jan Rolla mit einem außergewöhnlich guten Apfeljahr. Auch wenn die Äpfel aufgrund des fehlenden Regens kleiner ausfallen, werde dies durch den übermäßig guten Behang ausgeglichen. Nach dem beinahe Total-Ausfall des Vorjahres blickt er einem guten Apfelsaft-Jahr entgegen.

Die Saftpressen werden heute zu Schichtbeginn um 7 Uhr wieder in Betrieb gesetzt. Der neue Apfelsaft muss die Tanks füllen, die nach der Missernte des Vorjahres leer sind. „Wir haben keine Vorräte mehr wie sonst üblich“, erklärt Rolla. Aus diesem Grund können die Hobby-Obstgärtner ihre Apfelsaft-Flaschen auch erst ab 1. September abholen. Das Prinzip des von ihnen abgegebenen Lohnobstes ist einfach: Für 100 Kilogramm Obst erhält man 58 Flaschen Fruchtsaft zum Lohnobsttauschpreis.

Damit der Nachschub an Äpfeln auch in der Zukunft rollt, setzt die Kelterei Hosena auch in diesem Jahr ihre Apfelbaum-Pflanzaktion fort. Dabei wird das Pflanzen neuer Bäumchen mit einem Sonderpreis unterstützt. Die Sorte kann der Hobby-Obstbauer selbst wählen. 120 Apfelbäume sind auf diese Art und Weise im Vorjahr in den Boden gekommen. „Wir wollen damit helfen, heimische Gärten und Streuobstwiesen zu erhalten“, freut sich Jan Rolla über den Zuspruch. Pünktlich zur Pflanzzeit Ende September startet die Apfelbaum-Aktion neu.