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Trockenübung: Schiffstunnel durch Ilse Kanal jetzt frei

Hunderte Radler sind erstmals durch den Schiffstunnel des Ilse Kanals gefahren.
Hunderte Radler sind erstmals durch den Schiffstunnel des Ilse Kanals gefahren. FOTO: Steffen Rasche/str1
Sedlitz/Großräschen. Der Landweg durch den Schiffstunnel, der den Sedlitzer und den Großräschener See verbindet, ist frei. Und Hunderte sind zum Saisonstart im Lausitzer Seenland mit dem Fahrrad zum symbolischen Lösen des Knotens vor der Einfahrt in den Tunnel des Ilse Kanals gekommen. Kathleen Weserund Steffen Rasche

Für Petra und Rüdiger Andermann aus Senftenberg ist die Tour zum Ilse Kanal an diesem Wochenende eine freiwillige Pflicht. "Wir freuen uns sehr über diese neue Verbindung zwischen den beiden Seen", sagt Rüdiger Andermann. Und damit sprechen die Senftenberger vielen leidenschaftlichen Radfahrern aus der Seele.

Die Radlerbrücke am Ilse Kanal war im vergangenen Jahr freigegeben worden. Doch am Eingang des längsten Binnen-Schiffstunnels Europas ist die Radpartie bis zum Sonnabend noch ausgebremst worden. Jetzt ist die 186 Meter lange Unterquerung der Bundesstraße 169 und der viergleisigen Bahnstrecke nach Cottbus endlich offen und noch ausschließlich nur trockenen Fußes zu nutzen. Denn Wasser unterm Kiel von Booten ist erst in gut zwei Jahren zu erwarten. Noch fehlen den beiden Nachbarseen einige Meter Wasser. Aber die nunmehr verbundenen See-Rundwege ziehen die Radler magisch an. Mit der Veranstaltungs-Landkarte der ersten Seenlandtage haben sich vor allem Familien und Paare begeistert aufs Rad geschwungen, um in die Saison zu starten. Und jede Information, vor allem zum erwarteten Flutungsende, saugen die Lausitzer und Auswärtige förmlich auf.

1,3 Millionen Kubikmeter Erde sind bewegt worden, um den Wasserweg vom Sedlitzer zum Großräschener See ins Gelände zu treiben. Eine Million Kubikmeter lockerer Grund sind verdichtet und 31 000 Kubikmeter Wasserbausteine im Ilse Kanal verbaut worden. Die Senftenberger Videofilmer haben den Baufortschritt dokumentiert. Aufgrund der Länge der Schiffsröhre von 186 Metern ist die Planung des Brandschutzes eine Herausforderung gewesen. Denn inzwischen bestehen die meisten Bootsteile aus Kunststoffen, die brennend sehr giftige Gase bilden. Für den Brandfall war daher für einen guten Rauchabzug zu sorgen, um die Erstickungsgefahr für Menschen zu bannen. Die gewaltigen Beton-Schornsteine, die deshalb in die Tunneldecke eingebaut worden sind, sorgen als Lichtkronen gleichzeitig für sattes Tageslicht unter der Erde. Die Radler, die den Tunnel-Steg an diesem Wochenende erstmals durchlaufen, sind selbst auf dem Trockenweg beeindruckt.

Mit 37 Stelen entlang des Kanals wird nach der Idee des Dresdener Architektenbüros Meyer - Bassin ein Leuchtfeuer symbolisiert. Die Reihe beginnt am Ausgang des Großräschener Sees mit einer Säulenhöhe von 16 Metern, wird mit einem Lichtband durch den Tunnel fortgesetzt und wächst am Sedlitzer See auf die 23-Meter-Höchstgrenze an.

Im Tunnel heißt es allerdings generell: Absteigen! Der Wasserweg (links) ist auch noch trocken.
Im Tunnel heißt es allerdings generell: Absteigen! Der Wasserweg (links) ist auch noch trocken. FOTO: str1