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Trinkwasser vor Nitrat-Sauerei sicher

Die Landwirte der Region wirtschaften – zum Schutz der Trinkwasserfassung mit Verträgen untersetzt – nachhaltig.
Die Landwirte der Region wirtschaften – zum Schutz der Trinkwasserfassung mit Verträgen untersetzt – nachhaltig. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Eine Studie des Bundesumweltamtes schlägt Roland Socher, dem Vorsteher des Wasserverbandes Lausitz (WAL), auf den Magen. Mit dem Fingerzeig auf die Landwirte werden die Verbraucher darauf eingestellt, dass die Nitratbelastung des Grundwassers zu einer Kosten-Explosion bei Trinkwasser führe. Kathleen Weser

Der deutlich zu großzügige Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger verursache zu hohe Nitratwerte im Grundwasser. Der Chef des heimischen Versorgers genießt seine frisch gezapftes Trinkwasser aber weiter sichtlich. "Das ist für unser Versorgungsgebiet absolut unzutreffend", betont Roland Socher nach einem kräftigen Schluck aus dem Glas.

Seit 20 Jahren ist hier ein Pakt mit den Agrarbetrieben im Einzugsgebiet der Wasserfassung geschlossen. Die Bauern haben sich verpflichtet, mit dem Dünger generell sparsamst umzugehen, eine angemessene Fruchtfolge einzuhalten und keine Feldfrucht - wie beispielsweise Mais - dominieren zu lassen. Auch Gülle wird im Trinkwassereinzugsgebiet, das zu mehr als der Hälfte bewaldet ist, nicht ausgebracht. Der Wasserversorger dankt den Bauern das nachhaltige Bewirtschaften der Flächen mit Ausgleichszahlungen für den geminderten Ertrag und den nachgewiesenen Mehraufwand.

Der im Wasserwerk Tettau ständig geprüfte Nitratgehalt im gehobenen Rohwasser liegt nachweislich unter zwei Milligramm pro Liter. Der europaweit erlaubte Grenzwert ist bei 50 Milligramm pro Liter festgelegt. Auf fast einem Drittel der Gesamtfläche der Bundesrepublik werden die Nitratwerte dem Gutachten zufolge überschritten. "Aber unsere Region ist davon nicht betroffen", versichert Roland Socher. Und ihm sei auch im Umfeld keine Problemzone der Art bekannt. In Ländern, in denen die Massentierhaltung von Schweinen dominiert und mit Gülle gedüngt wird, ist dies der Fall.

Im Rinderstall der Agrargenossenschaft Frauendorf wird Stroh eingestreut, so Socher. Die Schweinemastanlage des Peickwitzer Agrarbetriebes in Jannowitz sei fürs Trinkwasser eine saubere Sache.

Zum Thema:
Etwa 170 000 Euro zahlt der Wasserverband Lausitz im Jahr als Ausgleich an Landwirte für den reduzierten Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel und den Mehraufwand für das nachhaltige Bewirtschaften der Agrarflächen im Trinkwassereinzugsgebiet. Das sind 1,15 Euro pro Einwohner und Jahr. Das Bundesumweltamt hat die Erhöhung des Trinkwasserpreises in Gegenden, in denen Versorger zu hohe Nitratkonzentrationen mit großem technischen Aufwand unter den Grenzwert senken müssen, mit etwa 30 Euro pro Nase und Jahr beziffert.