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| 17:41 Uhr

Heimattreffen
Die Legende von Bückgen erwacht zum Leben

Die ehemaligen Mitbewohner von Bückgen, Hubertus Kursawe (l.), Brigitta und Wolfgang Roick (r.) bedanken sich bei Olaf Schulz (2.v.l.) für dessen Lichtbilder-Vortrag. Als kleine Entschädigung für die weite Anreise aus Pforzheim und die Ausarbeitung des Vortrages reichte ihm die Familie Roick eine Flasche edlen Wein der Großräschener Winzerfamilie Wobar.
Die ehemaligen Mitbewohner von Bückgen, Hubertus Kursawe (l.), Brigitta und Wolfgang Roick (r.) bedanken sich bei Olaf Schulz (2.v.l.) für dessen Lichtbilder-Vortrag. Als kleine Entschädigung für die weite Anreise aus Pforzheim und die Ausarbeitung des Vortrages reichte ihm die Familie Roick eine Flasche edlen Wein der Großräschener Winzerfamilie Wobar. FOTO: Uwe Hegewald
Großräschen. Ein Baden-Württemberger lässt die Herzen der Besucher im Großräschener Kurmärker höher schlagen. Von Uwe Hegewald

 Der Mythos des verschollenen Dorfes Bückgen ist allgegenwärtig. Anders lässt sich der Zulauf zum zehnten Treffen von Einwohnern aus dem ehemaligen Dörfern Bückgen und Anna-Mathilde nicht erklären. „Dass bereits am Freitagnachmittag über 180 Gäste in den Kurmärker strömen, hat uns überrascht. Ebenso, dass einige Teilnehmer bis 21.30 Uhr ausgehalten haben“, berichtet Juliane Hagedorn.

Als Enkelin von Brigitta Roick, bei der die Fäden der alle zwei Jahre stattfindenden Treffen zusammenlaufen, macht sie sich am Einlass nützlich. Anlaufzeit benötigen die ehemaligen Bückgener nicht. Im Handumdrehen macht sich Geselligkeit breit, wie sie einst in den legendären Dorfkneipen gepflegt wurde. „Schwarzer Adler“, „Volkshaus“, „Froschkneipe“ oder das „Gasthaus Zahn“ zählt Wolfgang Roick auf, der die Wirtshäuser in seiner Jugendzeit kennengelernt hat und dort sein erstes Pils genoss.

„Der Freitagabend hatte den Charme eines großen Klassentreffens. Man spürt, wie stark die Bückgener und Anna-Mathilder noch immer an ihren Heimatdörfern hängen“, so der SPD-Landtagsabgeordnete, der die Politik für zwei Tage ruhen lässt. Beeindruckt zeigt er sich und viele frühere Mitbewohner von den Redebeiträgen und Vorträgen am Samstagvormittag. Bürgermeister Thomas Zenker und Architekt Wolfgang Joswig berichteten von den Entwicklungen am Ufer des Großräschener Sees, die zweifellos mit einer Wiedergeburt von Bückgen in Verbindung stünden. Besucher des Hafens, der IBA-Terrassen oder der weißen Stadt könnten demnach eine besondere Aura spüren.

Bevor es zu deren Aufspüren an den See geht, zieht Olaf Schulze alle Aufmerksamkeit auf sich. Aus Pforzheim kommend, zählt er zu den Teilnehmern mit der weitesten Anreise, auch wenn er selbst nie in Bückgen gelebt hat. „Meine Großeltern und Eltern haben hier gewohnt, der ältere Bruder Wolfgang ist sogar hier geboren“, begründet der Baden-Württemberger seinen besonderen Bezug zum Ort. „Wir waren jedes Jahr zu Besuch in Bückgen. Der Kontakt ist nie abgerissen“, so Olaf Schulze, der eigens für das zehnte Treffen einen Lichtbildervortrag ausgearbeitet hat.

Neben alten Familienfotos sind es insbesondere Aufnahmen aus den 80er-Jahren, die die Herzen der Zuschauer höher schlagen lassen. Fotos von der imposanten Kirche, dem Kino oder der Dorfstraße wecken Erinnerungen, wie auch die Aufnahme des einstigen Wappens von Bückgen an der Fassade des Bürgeramtes. „Mit dem namensgebenden Buchenzweig auf der linken Seite des Wappenschildes sowie einem Brikett und einem Ziegelstein auf der rechten Seite wird dargestellt, was Bückgen einst großgemacht hat“, erinnert Schulze.

Wehmut macht sich breit, als der studierte Historiker Bilder seiner zweiten Fotopirsch an die Leinwand beamt. Es sind die Aufnahmen vom geschundenen Bückgen im Jahr 1991, Fotos von zertrümmerten Gebäuden und verwaisten Straßenzügen, die einem ungestillten Hunger nach Braunkohle zum Opfer fallen. Dank seiner unterhaltsamen Kommentare führt Olaf Schulze die Zuhörerschaft jedoch in die Geselligkeits-Zone zurück. Hähnchenbrustfilet oder Schnitzel mit Kartoffeln und Gemüse werden serviert. Beides für schlappe 8,95, wie seinerzeit bei Zahns, im Schwarzen Adler oder in der Froschkneipe.