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| 12:22 Uhr

Fußballgrößen treffen sich in Senftenberg
Budenzauber der Extraklasse

„Budenzauber“ in der Niederlausitzhalle FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Fans und Sportler feiern auf dem 46. Traditionsturnier des FSV Glückauf Brieske/Senftenberg 100. Vereinsgeburtstag. Von Peter Aswendt

Es ist Januar. Für den FSV Glückauf Brieske/Senftenberg und seine Fans bedeutet das „Budenzauber“-Zeit. Zum 46. Mal fand das Traditionsturnier in der Niederlausitzhalle statt. Doch in diesem Jahr war es eine ganz besondere Edition: Der FSV hat in der Niederlausitzhalle seinen 100. Geburtstag gefeiert. Damit der Gründungstag des Vereins und das Traditionsturnier auf einen Tag fallen, wurde das Turnier extra um eine Woche verschoben: „Wir wollten unbedingt unseren Geburtstag mit dem Traditionsturnier feiern, obwohl auch Bundesligastart war und viele der großen Spieler von damals auch als Berater in den Vereinen tätig sind“, beschreibt Andreas Heiden, der die sportliche Leitung des Vereins ist. „Es sind trotzdem alle wieder dabei und sie fühlen sich wohl bei uns“, verrät er. „Viele der alten Stars sagen immer, dass ihnen das Turnier besonders viel Spaß macht, weil es zurück zu den Wurzeln geht“, lacht Andreas Heiden. Wenn er „sie“ sagt, dann meint er damit Schalke 04, Borussia Dortmund und das Nationalteam von Nordirland.

Man kann sagen, dass sich die Fußballtradition aus halb Europa in der Senftenberger Niederlausitzhalle trifft. Zum 100-jährigen Geburtstag waren natürlich auch die „alten“ Kämpfer zugegen. Ehrenmitglieder wie Günter Bufe, Klaus Wendler, Dietrich Lehnert und nicht zu vergessen der legendäre und heute noch gefragte Arzt Dr. Ehrenfried Pieles (76) sehen mit Freude wie sich ihr Verein wieder zu einer sportlichen Hausnummer in Brandenburg gemausert hat.

Dabei haben sie auch viel Gutes und Außergewöhnliches aus der Fußballvergangenheit zu berichten. Von 1984 an war Dr. Pieles der medizinische Rückhalt der Knappen: „Eigentlich war ich sportlich bei der Motocross-Nationalmannschaft der DDR und den Endurosportlern tätig“, erinnert er sich. „Der damalige Kreisarzt überzeugte mich, zu den Briesker Knappen als Mannschaftsarzt zu gehen“, schmunzelt Dr. Pieles. Dass er einmal sogar auf der Rückfahrt von Dresden auf der Autobahn gestoppt wurde, als ihn ein Auto mit dem verletzten Steffen Rietschel überholte und es direkt ins Krankenhaus ging, entlockt ihm heute noch ein Lächeln: „Da gab es kein hin und her, ich habe mir das Bein auf dem Parkplatz angeschaut und dann ging’s ab ins Krankenhaus. Wir haben nur überlegt, ob wir vor der Tagesschau oder nach der Tageschau operieren“, feixt er schelmisch.

 Wiedersehen am Spielfeldrand: Dr. Ehrenfried Pieles (l.) hat in seiner Zeit als Mannschaftsarzt auch den ehemaligen Fußballprofi Sven Benken betreut.
Wiedersehen am Spielfeldrand: Dr. Ehrenfried Pieles (l.) hat in seiner Zeit als Mannschaftsarzt auch den ehemaligen Fußballprofi Sven Benken betreut. FOTO: Peter Aswendt

Übrigens spielte sein Sohn Guido Pieles in der damaligen Juniorenliga bei den Knappen. Heute ist er wohl der einzige Briesker, der es in die englische Premier League zum Topverein Manchester United geschafft hat: „Mein Sohn ist in meine Fußstapfen getreten und arbeitet dort als Kardiologe“, ist Ehrenfried Pieles stolz. Dass der Nachwuchs schon immer im Fokus des Vereins stand, dafür sorgte nicht zuletzt Dietrich Lehnert (80). Seit 1975 ist er Mitglied im Verein und war bis 1989 Mannschaftsleiter der 1. Männermannschaft in der DDR-Liga. „Damals waren wir Mädchen für alles. Wir mussten Wohnungen suchen, Arbeit für die Frauen der Spieler finden und Autos besorgen“, schwelgt er in Erinnerungen. Ab 1995 übernahm er die Leitung für den Nachwuchs der Knappen. „Spieler wie Sebastian Schuppan oder Alexander Bittroff sind in meinen Mannschaften gewesen“, erzählt Lehnert. Ganz pragmatisch geht der ehemalige DDR-Oberliga-Schiedsrichter Klaus-Dieter Stenzel (68) an seinen Rückblick im Bezug auf den FSV Glückauf heran: „Alles, was ich im Fußball geworden bin, hätte ich ohne Brieske nicht geschafft“, stellt er klar.

Natürlich ist der Fußball nichts ohne seine Fans. In Zweierreihen, auf der ganz Länge der Niederlausitzhalle, standen die Ersten schon um 11 Uhr vor dem Einlass. Aus ganz Brandenburg und Sachsen reisen die traditionsbewussten Fußballliebhaber jedes Jahr an. In der ersten Reihe sitzt der Fanklub von Schalke 04 aus Großthiemig. „Wir waren halb elf in Senftenberg“, verrät Klubchef Michael Peuker, der neben Ehefrau Jutta noch 15 weitere Fans der blau-weißen Knappen mitgebracht hat. Gerd Schönau aus Elsterwerda ist mit seinen Fußballfreunden zum zweiten Mal dabei: „Ich habe im letzten Jahr die Karte geschenkt bekommen und war sofort Feuer und Flamme“, zeigt er sich begeistert. „Dass man die alten Recken des Fußballs hier hautnah erleben kann, ist toll“, fügt er hinzu.

 Natürlich gab es auch Geschenke. Medaillen und andere Präsente wurden an den Präsidenten des FSV, Herbert Tänzer, überreicht. Er selbst feierte an diesem Tag seinen 65. Geburtstag. Mit einer besonderen Idee war auch der Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick dabei: „Jedes Tor, welches die Briesker Knappen schießen, wird zusätzlich mit 50 Euro vergoldet“, erklärt er die Aktion. Schlussendlich gingen 1050 Euro in die Kasse des Nachwuchses des FSV Glückauf.

Und wer hat gewonnen? Die tschechische Nationalmannschaft hat in diesem Jahr im Finale gegen die Borussen den Titel nach Hause geholt. Die Traditionself der Briesker Knappen erstritt den siebten Platz. Mit einem Dank durch den Vereinspräsidenten Herbert Tänzer an die Fans und natürlich an die vielen ehrenamtlichen Helfer des Turniers, ging der Budenzauber der Extraklasse zu Ende.

 Zum 100 Geburtstag des Vereins war die Halle zum Traditionsturnier komplett ausverkauft.
Zum 100 Geburtstag des Vereins war die Halle zum Traditionsturnier komplett ausverkauft. FOTO: Peter Aswendt
„Budenzauber“ in der Niederlausitzhalle FOTO: Peter Aswendt