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| 19:30 Uhr

Lausitzer Brauchtum
In Hörlitz wird gezampert

 Jolie (l.) macht es sich mit Freundin Sophia auf dem Elektromobil bequem. Jolies Mutti, Sindy Gajewski, (h.l.) ist schon seit fast zehn Jahren beim Zampern dabei. Begleitet wird sie von Jacqueline Kruse (h.r.).
Jolie (l.) macht es sich mit Freundin Sophia auf dem Elektromobil bequem. Jolies Mutti, Sindy Gajewski, (h.l.) ist schon seit fast zehn Jahren beim Zampern dabei. Begleitet wird sie von Jacqueline Kruse (h.r.). FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Hörlitz. Der örtliche Traditionsverein pflegt einen alten Brauch. Bunte Kostüme und warme Getränke sorgen für Karnevalsstimmung. Von Peter Aswendt

Die Tradition des Zamperns hat sorbische Wurzeln und kann im weitesten Sinne mit „Einfordern“ gedeutet werden. Immer vor Fastnacht wird gerade in den ländlichen Gegenden diese Tradition hochgehalten. So auch in Hörlitz, wo seit dem Jahr 2010 der Traditionsverein diesen Brauch weiterführt.

„Eigentlich wurde in Hörlitz schon zur tiefsten DDR-Zeit gezampert“, berichtet Günter Kern (67), stellvertretender Vorsitzender des Hörlitzer Traditionsvereins. Der Verein, der nur acht eingeschriebene Mitglieder hat, kann aber auf eine Heerschar von Helfern im Ort bauen. So werden Silvesterpartys, Karneval oder das legendäre Paradiesbergfest gefeiert. Zum traditionellen Zampern hatte der Verein am letzten Januar-Wochenende das karnevalistische Völkchen aus Hörlitz zusammengerufen. Trotz des Schneeregens kamen knapp 30 bunt gekleidete Hörlitzer jeden Alters zum Treffpunkt am Kulturhaus. Bei aller Euphorie und buntem Treiben müssen sich auch Karnevalsjecken in der Narrenzeit der deutschen Ordnung unterwerfen: „Wir haben einen richtigen Gehplan beim Ordnungsamt eingereicht“, erklärt Günter Kern. Auf ihrem Weg durch Hörlitz werden knapp 250 Grundstücke abgeklappert. „Dass sind rund 20 Kilometer, die wir zurücklegen“, beschreibt er den Narrenmarathon durch den Ort.

Neben dem gut gelaunten Zampervolk ist auch das traditionelle Traktorgespann von Joachim Püschel am Start. Der 15-PS-Traktor ist ein Eigenbau aus Gabelstaplermotor, K-30-Getreibe aus einem DDR-Klein-Lkw mit Namen Robur und sehr viel Enthusiasmus. „Seit dem Jahr 2010 bin ich mit dem Traktor dabei“, erinnert sich der Hobbybastler, der als Stahlbauschlosser beste Voraussetzungen für so eine Konstruktion mitbringt. Gezogen wird ein Anhänger, auf dem sich ein Stromaggregat und große Musikboxen befinden: „Natürlich ist noch Platz für das eine oder andere närrische Getränk und die erzamperten Gaben“, lächelt verschmitzt der Traktorfahrer.

Pünktlich um 10 Uhr startet dann die bunte Gesellschaft lautstark ihre Tour durch Hörlitz. Allen voran Günter Kern mit dem traditionellen Zamperstab, der bei Berührung und den entsprechenden Gaben Glück verspricht. „Wir haben manchmal richtig kleine Partys auf den Grundstücken der Einwohner“, freut sich der Vizechef des Traditionsvereins auf die Zampertour. „Schade, dass die Familien Pritzko und Kubsch in diesem Jahr durch andere Ereignisse nicht dabei sind, denn dort ging es immer heiß her“, erinnert er sich. Auch die jüngsten Hörlitzer sind schon mit im Zamperboot. Jolie (9) ist mit ihrer Mutter Sindy Gajewski und Freundin Sophia (10) mit dabei. Ganz wie es sich für die Jüngsten gehört, fahren sie mit einem Senioren-Elektromobil mit. „Es sind auch schon fast zehn Jahre, dass wir mit dabei sind“, erinnert sich Sindy Gajewski. Gemeinsam mit Kindern und ihrer Bekannten Jacqueline Kruse stürzen sie sich lautstark in das Getümmel. Gegen 17 Uhr findet sich dann der bunte Zug wieder im Kulturhaus in Hörlitz ein: „Traditionell werden dann Eier und Speck gebraten und natürlich auch ein wenig auf den lustigen Tag angestoßen“, beschreibt Günter Kern den Tagesausklang. Nach dem Zampern steht der Karneval im Kulturhaus Hörlitz als nächste große Veranstaltung auf dem Programm. Am 9. Februar wird es dann eine Zeitreise von der Steinzeit bis zum alten Rom geben. Natürlich sind der Traditionsverein und das Zampervolk wieder mit dabei.