Von Catrin Würz

Zu unscheinbar, zu verwinkelt, zu altmodisch: Die Tourist-Information am Senftenberger Marktplatz wird ihrem selbst gesetzten Anspruch als erster Anlaufpunkt für Gäste im Lausitzer Seenland momentan nicht gerade gerecht. Doch nun scheinen die Tage des altbackenen Charmes in den Räumen am Markt 1 gezählt: Ab Herbst soll die Tourist-Information in Senftenberg als moderne Anlaufstelle für Gäste der Stadt schick gemacht werden. Für etwa 280 000 Euro plant die Stadt Senftenberg den Umbau und die Sanierung im denkmalgeschützten Haus. Es gehe dabei nicht nur um optische Verbesserungen. „Wir wollen dem Gast künftig in einem modern gestalteten Ambiente auch ganz neue funktionale Möglichkeiten anbieten“, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland.

Multimedial und mehrsprachig sollen die Gäste künftig die Sehenswürdigkeiten, Ausflugstipps, Veranstaltungen und Aktivitäten in der Region präsentiert bekommen. Dafür ist eine Projektionswand in den dann vergrößerten Räumen geplant. Ohnehin richtet der Tourismusverband derzeit große Anstrengungen auf das Gebot der Stunde: die Digitalisierung. Die Vernetzung von touristischen Angeboten auf Internetseiten, mehrsprachige interaktive Informationen, die der Gast leicht auf dem eigenen Smartphone abrufen kann, und Online-Buchungssysteme sind die Themen der Zukunft. „Eine große Herausforderung, der wir uns stellen“, sagt Kathrin Winkler.

Die Tourist-Information am Senftenberger Marktplatz mit derzeit 2,5 Mitarbeitern wird seit fünf Jahren im Auftrag der Stadt vom Tourismusverband Lausitzer Seenland betrieben. Geschäftsführerin Kathrin Winkler kann für diese Jahre auf eine sehr positive Entwicklung verweisen: So hat sich die Zahl der Besucher in den beiden Tourist-Informationen am Markt und am Stadthafen von einst 34 000 auf zuletzt jährlich 45 000 bis 50 000 Gäste erhöht. Im Jahr 2018 sind knapp 4400 Übernachtungen vermittelt worden. Der Erlös, der damit erzielt werden konnte, habe sich gegenüber 2013 verzehnfacht, berichtet sie. Außerdem können mit neu entwickelten touristischen Produkten – wie zum Beispiel der Stadtralley für Kinder oder der kulinarischen Stadtführung – ebenfalls höhere Erlöse erzielt werden. Kathrin Winkler: „Das Interesse am Landschaftswandel im Lausitzer Seenland ist weiter enorm hoch. Deshalb werden wir weiterhin Stadt- und Gästeführer ausbilden.“

Für die Betreibung der Tourist-Information stellt die Stadt Senftenberg jährlich 70 000 Euro zur Verfügung. Eine Zahl, die im Vergleich zur Stadt Hoyerswerda eher niedrig erscheint. In der sächsischen Nachbarstadt hat der Tourismusverband im Jahr 2017 die in moderne Räume umgezogene Stadtinformation im Bürgerzentrum am Markt übernommen. Die Stadt Hoyerswerda beteiligt sich an der Unterhaltung der mit vier Mitarbeiterinnen ausgestatteten Servicestelle mit 200 000 Euro.

Derzeit sind Tourismusverband und Stadt Senftenberg jedoch im Gespräch über die weitere Zusammenarbeit in den kommenden Jahren. Der Verband will sich dabei auch für weiterführende Aufgaben im Tourismusmanagement und -Marketing ins Spiel bringen. Ein neuer Erlebnisführer für Senftenberg und Tafeln für einen Innenstadt-Rundgang sind in Planung. Zur Familienfreundlichkeit und zum gastronomischen Service sollen wichtige Datenerfassungen für die digitale Darstellung gemacht werden. „Dafür würden wir allerdings zusätzliche Personalstellen benötigen“, so Kathrin Winkler.

Der Umbau der Tourist-Information in Senftenberg soll unmittelbar nach der Sommersaison im vierten Quartal dieses Jahres starten – wenn die beantragten Fördermittel bis dahin genehmigt sind. Für die Zeit der Bauarbeiten zieht die Anlaufstelle für Gäste in den touristischen Informationspunkt am Stadthafen um. In diesen Räumen werden sonst nur während der Sommermonate von Mai bis September jeweils am Wochenende touristische Serviceleistungen angeboten.

Dass der Hauptsitz für die touristische Information jedoch unbedingt ins Zentrum der Stadt gehört – daran lässt Verbandsgeschäftsführerin Kathrin Winkler auch für Senftenberg keinen Zweifel: „Wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Erhebungen gemacht. Der optimale Standort ist und bleibt der Markt.“