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| 01:31 Uhr

Totes Kälbchen an der Hostenmühle in Hohenbocka

Die Kühe auf der Koppel an der Hostenmühle sind seit dem Vorfall vom Wochenende unruhig und scheu. Besitzer Frank Schäfer schaut jetzt regelmäßig nach dem Rechten. Foto: Steffen Rasche/str1
Die Kühe auf der Koppel an der Hostenmühle sind seit dem Vorfall vom Wochenende unruhig und scheu. Besitzer Frank Schäfer schaut jetzt regelmäßig nach dem Rechten. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Diese Neuigkeit hat sich in Hohenbocka am Wochenende verbreitet wie ein Lauffeuer: Ein neugeborenes Kälbchen liegt frühmorgens tot am Zaun der Winterkoppel zwischen Hosena und Hohenbocka. Pensionsinhaber und Landwirt Frank Schäfer vermutet als Besitzer einen Wolfsriss. Die Spuren sprechen dafür. Das Veterinäramt des Landkreises schickt den Kadaver am heutigen Dienstag zur Sektion ins Landeslabor nach Frankfurt (Oder). Eine erste Diagnose erwartet Amtstierarzt Jörg Wachtel Ende dieser Woche. Von Andrea Budich

Einen grausigen Fund hat Frank Schäfer bei seiner Routinefahrt zu seiner Mutterkuhherde am Sonnabendmorgen gemacht. Wie an jedem Tag wollte der Inhaber der gleichnamigen Pferdepension und Betreiber eines Landwirtschaftsbetriebes in Hohenbocka schauen, ob Tiere wieder gekalbt haben. 35 Mutterkühe hat er auf der Winterkoppel an der Hostenmühle, einem abgelegenen Waldstück zwischen Hosena und Hohenbocka, stehen. Den Anblick, der ihn erwartet, wird Frank Schäfer nicht so schnell vergessen. Ein erst am Vortag geborenes Kälbchen mit einem Gewicht von ungefähr 35 Kilogramm liegt mit Bisswunden am Hals tot am Weidezaun. Das Kalb ist aufgebrochen und fast komplett ausgeweidet.

Ein hinzugezogener Jäger, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will, bestärkt den Besitzer in seinem Verdacht, dass es sich wahrscheinlich um einen Wolfsriss handelt. Frank Schäfer schaltet daraufhin das Veterinäramt des Landkreises ein. Er lädt den toten Tierkörper am Samstagnachmittag auf einen Transporter und übergibt ihn Amtstierarzt Jörg Wachtel. "Wir wollen der Sache auf den Grund gehen", bestätigt Wachtel. Er hat veranlasst, dass der Kadaver im Landeslabor pathologisch untersucht wird.

Das Vordringen des Wolfes bis in den äußersten Zipfel von Südbrandenburg hält Jana Endel vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz für möglich. Isegrims Lebensraum erstreckt sich laut ihren Angaben auf 2500 Quadratmetern vom Nordosten Sachsens bis nach Südbrandenburg. Eingeschaltet in den neuerlichen Fall in Hohenbocka hat sich am Sonntag auch der zuständige Wolfsberater aus dem Landesumweltamt Brandenburg, Steffen Butzeck. Er hat sich den Tatort angesehen und Spuren gesammelt, die auf den Wolf hindeuten.

In Hohenbocka wächst indes die Unruhe. Frank Schäfer hat am Montagnachmittag mit Jägern und Jagdhunden mehrere Stunden den Wald um die gut gesicherte Koppel abgesucht, weil ein zweites Kalb verschwunden ist. Eine Mutterkuh hatte sich zum Kalben von der Herde abgesondert. Die Nachgeburt liegt getrocknet im Gras, das Kalb ist nicht aufzufinden.

Zum Thema:

In Sachsen hat es bisher noch keinen Fall eines Wolfsrisses bei einem erwachsenen Rind oder einem Kalb gegeben.In Brandenburg ist laut Jana Endel vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz mit Sitz in Rietschen ein Kalb gerissen worden. Das Tier hatte außerhalb der eingezäunten Koppel gestanden. Schafe und Ziegen gehören laut Wolfsexperten dagegen zur gängigen Beute von Isegrim, der auf Huftiere "spezialisiert" ist.