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Tote Schafe verwesen im Graben

Henry Schumann hat zwei gerissene Schafe halb zerfetzt im Teichgraben gefunden. Das Lamm Timmi, das die Kinder so lieben, ist verschwunden.
Henry Schumann hat zwei gerissene Schafe halb zerfetzt im Teichgraben gefunden. Das Lamm Timmi, das die Kinder so lieben, ist verschwunden. FOTO: Sattler/sam1
Frauendorf. Der Schreck in der Morgenstunde ist am Freitag für Henry Schumann in Frauendorf ernüchternd gewesen – und der ganze Tag in der bürokratischen Warteschleife anschließend höchst ärgerlich. Nach seinem stimmungsvollen Polterabend mit Familie und Freunden hat der Hofbesitzer die Kadaver zweier seiner Schafe gefunden. Kathleen Weser

Und Timmi, das Schafjunge, das die Kinder liebevoll mit der Flasche aufgezogen haben, ist weg. Die Nutztiere wurden augenscheinlich vom Wolf gerissen.

Der Räuber hat den Wildzaun überwunden und die beiden erwachsenen Schafe von der Wiese in Richtung Hochwald bis zum Teichgraben geschleift. "Der Spanndraht des Zaunes ist durchgebissen gewesen. Wir brauchten nur den verdächtigen Schleifspuren folgen", erzählt Ronny Köhler, der am Vorabend bis in den frühen Morgen als Partygast mitgefeiert hat und am Freitag als Aufräumhelfer sofort wieder zur Stelle war. Die zerfetzten leblosen Tierkörper hat er mit Henry Schumann im Wasser entdeckt - und dann zum Telefon gegriffen, um bei der Ordnungsbehörde des Amtes Ortrand zu erfragen, was mit den Kadavern geschehen muss. "Wir haben uns nicht gewagt, am Tatort etwas zu verändern. Denn der Wolf ist ja in Brandenburg besonders streng geschützt. Und die Risse müssten beurteilt werden", erzählt Ronny Köhler weiter. Im Rathaus hatten die Frauendorfer am Vormittag zwar eine Angestellte erreicht, nicht aber das Ordnungsamt. Auf die Zusage der Rückmeldung und damit die erhoffte Information zum Umgang mit dem blutigen Ende der Schafe ist allerdings kein Verlass gewesen. Auch in der Veterinärbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, in der die gegen Mittag noch immer ratlosen Frauendorfer dann anklingelten, lief der schon verzweifelte Anruf ins Leere. Am Draht der Polizei sind die Männer dann zwar gemaßregelt worden, dass sie mit dem Kadaver-Fall die Notrufleitung blockierten. Immerhin aber sagte der Ordnungshüter zu, "die Sache weiterzuleiten". Doch geschehen ist nichts. Am späten Nachmittag haben die verwesenden Schafe noch immer im Teichgraben gelegen. Der Hofbesitzer und sein Freund sind genervt. "Wir können die toten Tiere nicht liegen lassen. Denn das zieht den Wolf und andere Aasfresser an", sagt Ronny Köhler. "Aber wenn wir die Körper bergen und vergraben, machen wir auch das Falsche", ergänzt er. Die toten Tiere im Wasserlauf sind zudem ein hygienisches und ordnungsrechtliches Problem. Doch das interessiert am letzten Arbeitstag der Woche in den Ortrander Amtsstuben niemanden. Und auch am Wochenende ist im Notfall kein einziger Rathaus-Dienstleister zu erreichen. Einen Bereitschaftsdienst, den die benachbarten Verwaltungen alle vorhalten, gibt es von Freitagmittag bis Montagmorgen nicht. "Das ist eine Sauerei", beklagen die Frauendorfer.

Karin Todt vom Landesamt für Umwelt verweist auf die zentrale Schadensleitung der Brandenburger Naturschutzbehörde. Der Anruf kommt direkt beim Gutachter für Wolfsrisse an. Für die Frauendorfer kommt diese Information eindeutig zu spät. Denn der Experte ist in Eisenhüttenstadt in der Spur und schafft den Weg zum Tatort am Teichgraben vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr.

Sorgenfrei kann Henry Schumann seiner Liebsten das Ja-Wort bei der kirchlichen Trauung am Sonnabend somit nicht geben - aber er tut es von Herzen.

Zum Thema:
Beim Verdacht auf durch Wölfe gerissene Nutztiere ist die Schadenshotline des Brandenburger Landesamtes für Umwelt zu wählen.Kontakt: Telefon 01725641700Tote Weidetiere werden von einem beauftragten Rissgutachter untersucht, der zwingend sofort oder binnen weniger Stunden aktiv werden muss. Um die Situation einzuschätzen, werden die Tierhalter zunächst telefonisch zu einer kurzen Vorabfrage zurückgerufen. Die Kosten für anschließende Vor-Ort-Begutachtung trägt das Land Brandenburg.