ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:39 Uhr

Tag der Architektur
Tore gehen auf im Dreiseitenhof

Auf dem Dreiseitenhof in Saalhausen gibt es für die Leute um den Calauer Architekten Robert Viktor Scholz (im Foto) noch viel zu tun. Was bereits bei den Ferienwohnungen ins Auge sticht, sind großflächige Fenster sowie massive Holzkonstruktionen, die zum Großteil erlebbar bleiben.
Auf dem Dreiseitenhof in Saalhausen gibt es für die Leute um den Calauer Architekten Robert Viktor Scholz (im Foto) noch viel zu tun. Was bereits bei den Ferienwohnungen ins Auge sticht, sind großflächige Fenster sowie massive Holzkonstruktionen, die zum Großteil erlebbar bleiben. FOTO: Uwe Hegewald
Saalhausen/Iserlohn. Zum „Tag der Architektur“ am Sonntag wird ein Objekt in Saalhausen zur Schau-Baustelle. Von Uwe Hegewald

Man bringt sie mit Zauber in Verbindung, sagt, sie hätten eine Seele und beneidet Leute, die darin wohnen. Die Rede ist von Dreiseitenhöfen – auffallende Objekte in Lausitzer Dörfern, deren Charme sich erst entfaltet, wenn sich die massiven Hoftore ein Stück öffnen und Einblicke gewähren. Am morgigen Sonntag, 24. Juni, ist das in Saalhausen der Fall. Dann dürfen sich Besucher einen Überblick zum Projekt „Rück- und Neubau in einer Hofstelle“ verschaffen. 1999 hat Ralf Piskol das Anwesen erworben, um es in bedachten Schritten zu einem Wohngebäude mit anliegenden Ferienwohnungen zu erheben. „Jedes Jahr wollen wir ein Stück weiter vorankommen“, so der in Iserlohn lebende Besitzer mit Lausitzer Wurzeln.

Vor über 60 Jahren habe er im Kindesalter die alte Heimat verlassen, in der noch Verwandte wohnen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich irgendwann zurückkehre. Vielleicht auch nach Saalhausen“, so Ralf ­Piskol, der mit Robert Viktor Scholz einen engen Vertrauten an seiner Seite hat. Der den Bau begleitende Architekt kennt sich mit der Sicherung und Restauration von Bestandsimmobilien bestens aus. Sein Wohn- und Geschäftssitz, das Schloss Zinnitz in der Stadt Calau, zählte bereits zu den auserwählten Objekten des bundesweit durchgeführten „Tages der Architektur“. Wie Robert Scholz informiert, müssten sich Architekten bei der jeweiligen Landes-Architektenkammer um einen Platz als Ausrichter bewerben. Für die „Hofstelle Saalhausen“ dürfte das Gesamtpaket gesprochen haben: Ambitioniertes Objekt, couragierter Investor, beflissener Architekt und ein ausgefeiltes Konzept, dass schließlich auch die europäische Initiative für den ländlichen Raum in der „Energieregion im Lausitzer Seenland“ überzeugte. So wird das auf 200 000 Euro geschätzte Gesamtinvestitionsvolumen durch Leader-Mittel kofinanziert. Geld, welches dringend benötigt wird, um das Vorhaben auf die Beine zu stellen. In der Antragsstellung der Leader-Mittel heißt es: „Ziel des Projektes ist es, Stadt-Familien mit Kindern das Leben auf einem Bauernhof näher zu bringen. Es gibt wenige Angebote, die speziell Familien mit Kindern oder mit großen Haustieren wie Hunde und Pferde berücksichtigen.“

Für die Unterbringung dieser Tiere müssen die veralteten Ställe entsprechend hergerichtet werden. Der Hofbereich sei aufzuarbeiten, um Parkplätze zu schaffen, einen Grill- und einen Kinderspielplatz anzulegen. Was die Ferienwohnungen anbetrifft, lässt sich bereits die Philosophie erkennen, die Besitzer und Architekt ausgearbeitet haben: Pano­ramafenster mit Blick auf den noch entstehenden Garten und das dahinter liegende Ackerland machen das temporäre Wohnen ebenso interessant, wie fast vier Meter hohe Fenster zum Innenhof mit Blick auf die Saalhausener Kirchturmspitze. Robert Scholz räumt ein, dass es so manche statische Nuss zu knacken gilt. „Der Prüfstatiker ist ständiger Gast“, so der Zinnitzer, der sich immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert sieht. Regelmäßig hätten ihn Außenstehende mit dem Satz konfrontiert: „Ihr wäret besser gefahren, die Hütte komplett abzureißen und neu zu bauen.“

Mit einer gesunden Portion Spannung blicken Robert Scholz und Ralf ­Piskol, der noch keine 100-prozentige Zusage seiner Anreise aus Iserlohn machen kann, auf den morgigen Sonntag. „In der Zeit von 13 bis 18 Uhr öffnen wir den Hof für Besucher und werden ihnen das Projekt erklären“, kündigt der Architekt an. Neben dem Stillen von Neugierde gehe es auch darum, Leuten Empfehlungen zu geben, die ebenfalls mit Kauf oder Umgestaltung eines Dreiseitenhofes liebäugeln.

Ein Flügel des Dreiseitenhofes an der Dorfstraße 24 wird nach umfassendem Umbau Ferienwohnungen für Touristen beherbergen.
Ein Flügel des Dreiseitenhofes an der Dorfstraße 24 wird nach umfassendem Umbau Ferienwohnungen für Touristen beherbergen. FOTO: Brandenburgische Architektenkamm