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| 17:04 Uhr

Jagd
Streit um Foxi eskaliert mit Anzeige

Füchsin Foxi wurde durch Elke Faber aufgepäppelt. Längst lebt das Tier in einer Wildauffangstation bei Berlin.
Füchsin Foxi wurde durch Elke Faber aufgepäppelt. Längst lebt das Tier in einer Wildauffangstation bei Berlin. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Elke Faber
Senftenberg. Eine Senftenberger Jägerin hat Anzeige gegen die Fuchs-Finderin gestellt. Von Torsten Richter-Zippack

Elke Faber reicht es langsam. Die passionierte Jägerin, Hundeausbilderin und Vorsitzende des Jagdverbandes Senftenberg hat Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Und zwar gegen die Finderin einer Fuchsfähe. Die Brieskerin hatte das Tier im mittellosen Zustand Ende Mai an der Straße bei Peickwitz gefunden und es dann bei Elke Faber abgegeben. Als die Finderin aber erfuhr, dass der Fuchs möglicherweise in einer Schliefanlage eingesetzt werden soll, nahm die Geschichte ihren Lauf. In Schlieanlagen werden Hunde auf die Fuchsjagd vorbereitet. Dabei erfolgen weder Körperkontakte zwischen Hund und Fuchs, noch wird der Fuchs gehetzt. Außerdem hätte das Tier die Anlage jederzeit in Richtung des angrenzenden Waldes wieder verlassen können.

Die Briesker Fuchsfinderin behauptet jedoch via Internet, dass Elke Faber das Tier leiden lasse, die Fähe vom Hund regelrecht zerfetzt werden könnte. „Wider besseren Wissens hat sie diese Falschaussagen in die Öffentlichkeit getragen“, sagt Elke Faber. Denn die Jägerin habe der jungen Frau angeboten, die Schliefanlage zu besichtigen und sich vom Sinn dieser Einrichtungen zu überzeugen. „Ich habe deshalb Anzeige wegen Verleumdung erstattet“, erklärt Faber.

Längere Zeit sei sie von Tierschützern bedroht worden. Sogar das Namensschild am Wohnhaus wurde entfernt. „Das geht nicht spurlos an einem vorbei“, kommentiert sie. Obwohl die Füchsin, die von den Tierschützern auf den Namen Foxi getauft wurde, längst in einer Wildtierauffangstation in Oranienburg bei Berlin lebt, höre der Terror nicht auf. So läuft nach wie vor im Internet eine Petition zum Unterschreiben. Diese wird von Daniel Peller vom Aktionsbündnis Fuchs gesteuert. „Schliefenmeisterin will geretteten Fuchswelpen für Jagdhundeausbildung missbrauchen“, steht dort. Zudem ist die Rede davon, dass sich die Jägerin das Vertrauen der Fuchsfinderin erschlichen habe. Zudem werden Schliefanlagen als „Guantanamo für Füchse“ bezeichnet. Guantanamo ist ein berüchtigtes US-amerikanisches Gefängnis auf Kuba. Inzwischen gibt es unter der Petition fast 92 000 Unterschriften, nächstes Ziel ist die 150 000-Marke, heißt es auf der Seite.

Warum die Aktion weiter läuft, obwohl Foxi die Senftenberger Schliefanlage längst verlassen hat, erklärt Daniel Peller so: „Unser Ziel ist nicht nur die Rettung von Foxi vor einem unwürdigen und leidvollen Leben in der Schliefanlage. Wir sammeln weitere Unterschriften, um auch ganz grundsätzlich ein Zeichen gegen die tierquälerische Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen zu setzen.“ Die meisten Unterstützer hätten unterzeichnet, seitdem Foxis „Rettung“ bekannt wurde, sagt Peller. Außerdem: „Mit jeder weiteren Unterschrift erhält die Petition mehr politisches Gewicht.“ Es sei überfällig, dass der Gesetzgeber endlich eingreife und Schliefanlagen verbiete.

In Brandenburg gehören diese Einrichtungen allerdings zum jagdlichen Alltag. Nach Angaben des Landesjagdverbandes gibt es zwischen Prignitz und Lausitz etwa ein Dutzend Schliefanlagen. In anderen Bundesländern, beispielsweise Nordrhein-Westfalen, sind sie verboten. Allerdings könnte dieses Verbot bald fallen, da die Einrichtungen inzwischen als unverzichtbar für die Jagd angesehen werden.

Stichwort Fuchsjagd: Elke Faber sagt, dass Meister Reineke von den Waidmännern in der Heimatregion ohnehin nur punktuell verfolgt werde, beispielsweise wenn er sich an einem Hühnerstall zu schaffen mache. Wer allerdings einen vielfältigen Bestand an Niederwild, beispielsweise Hasen, diverse Vögel und weitere Arten, haben möchte, komme um die Raubwildjagd nicht umhin. Auch naturschutzfachlich relevante Arten würden von einer Fuchsbejagung profitieren.

Fuchs-Aktivist Daniel Peller distanziert sich von Drohungen gegen Elke Faber: „Ein solches Verhalten wäre weder in meinem persönlichen Sinne, noch im Sinne des Tierschutzes und wird von uns, dem Aktionsbündnis Fuchs, selbstverständlich konsequent abgelehnt.“ Aber: Ein eventuelles Fehlverhalten Einzelner dürfe nicht dafür instrumentalisiert werden, das Aufdecken und Abstellen von Missständen zu torpedieren.

Die Tierschützer hätten wochenlang mit der Fuchsfinderin versucht, Elke Faber in persönlichen Telefonaten von der Herausgabe des Tieres zu überzeugen. „Die Jägerin hat mir gegenüber damit gedroht, Foxi einfach in die Natur zu entlassen, was den Tod der noch unselbstständigen Füchsin bedeutet hätte“, erklärt Daniel Peller.

Elke Faber sagt hingegen, dass sie nie wieder einen gefundenen Fuchs aufnehmen und aufpäppeln würde. „Der Ärger war einfach zu groß. Und es liegt auch in der Natur, dass manche Tiere vorzeitig kaputtgehen.“