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| 16:04 Uhr

RUNDSCHAU-SERIE: MEINE HEIMAT OBERSPREEWALD-LAUSITZ
Ein Tierfreund mit Faible für alte Hühnerrassen

 Dass sich die wuchtigen Brahmas frei auf dem Tierparkgelände bewegen dürfen, freut Siegmar Siewert besonders. Das bringe dem Objekt ein besonderes Flair, so der Senftenberger, der mit Holger Loser die immer seltener werdende Haustierrasse züchtet, sowie Thüringer Barthühner. Um jederzeit auf Fachwissen zugreifen zu können, sind beide dem KTZV Senftenberg und Umgebung beigetreten.
Dass sich die wuchtigen Brahmas frei auf dem Tierparkgelände bewegen dürfen, freut Siegmar Siewert besonders. Das bringe dem Objekt ein besonderes Flair, so der Senftenberger, der mit Holger Loser die immer seltener werdende Haustierrasse züchtet, sowie Thüringer Barthühner. Um jederzeit auf Fachwissen zugreifen zu können, sind beide dem KTZV Senftenberg und Umgebung beigetreten. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis Oberspreewald-Lausitz festgemacht haben. Heute: Siegmar Siewert aus Senftenberg. Von Uwe Hegewald

Erfahrung, Engagement, Geduld und manchmal auch etwas Glück werden benötigt, um bei seltenen oder sogar vom Aussterben bedrohten Tierarten Nachwuchs zu erzielen. Dem Senftenberger Tierpark ist das kürzlich geglückt. Bei einem älteren Pärchen der Roten Vari, einer selten gewordenen Lemuren-Art aus Madagaskar, hat sich Nachwuchs eingestellt. Die possierlichen Wesen sind nicht nur die Attraktion im Tierpark, sondern auch die Lieblinge von Siegmar Siewert. „Bei einer Reise nach Madagaskar habe ich die Tiere endgültig in mein Herz geschlossen. Im Jahr 2021 ist die nächste Reise geplant. Dann soll es auf einen anderen Teil der Insel gehen“, erzählt der Tierpark-Mitarbeiter.

Seit April 2012 ist der gebürtige Dresdner dort tätig, der von der Belegschaft kurz „Siggi“ genannt wird. Mit einem Rucksack voller Erfahrungen ist er in die Kreisstadt gekommen. Siegmar Siewert zählt auf: Nach einer dualen Ausbildung zum Tierpfleger, Fachrichtung Zoo, mit praktischer Ausbildung im Dresdner Zoo und theoretischem Unterricht in Berlin ging es für ein freiwilliges, ökologisches Jahr auf einen Reiterhof unweit der Elbmetropole. Es folgten ein 18-monatiges Engagement im Wild- und Freizeitpark Löffingen (Schwarzwald) und ein vier Jahre währender Job im Tiergehege Eisenhüttenstadt. In Senftenberg scheint er nun angekommen, was auch sein Beitritt in den Kleintierzuchtverein (KTZV) Senftenberg & Umgebung D 207 belegt.

Mit seinem Arbeitskollegen Holger Loser hat Siegmar Siewert eine Zuchtgemeinschaft gegründet und kümmert sich fortan auch um die Nachzucht von Thüringer Barthühnern und Brahmas, zwei Hühnerrassen, die immer seltener werden. „Es werden immer weniger Züchter, die sich alten Haustierrassen widmen. Das ist beim Geflügel zu erkennen, bei Schafen und Ziegen, aber auch bei Pferden und Rindern“, treibt es dem Senftenberger Sorgenfalten auf die Stirn. „Irgendwann stehen sie plötzlich auf der Roten Liste bedrohter Tierarten“, befürchtet er. Wenn Haustierrassen entsprechende Leistungen nicht erfüllen, wenden sich wirtschaftlich orientierte Züchter oder Halter schnell von diesen Tieren ab, so der 35-Jährige. Dabei sind die Brahmas für ihren besonders hohen Fleischertrag bekannt. „Ein Hahn bringt mal schnell 6,5 Kilogramm auf die Waage. Nur beim jährlichen Eierertrag von 80 bis 120 Stück hängt die Rasse anderen Artgenossen hinterher.“

Warum die Wahl ausgerechnet auf Brahmas fiel? Ihre Robustheit, ihr ruhiges Wesen und der Vorzug, dass sich Hahn und Hennen frei auf dem Tierparkgelände bewegen können. Ein Schmunzeln zieht über sein Gesicht, wenn er von Tierpark-Besuchern erzählt, die aufgeregt mitteilen: „Eure Hühner sind ausgebüxt.“

Dass sogar gestandene Kleintierzüchter regelmäßig vorbeischauen, steht nicht ausschließlich mit der „Zuchtgemeinschaft Tierpark“ in Zusammenhang. „Wir pflegen seit vielen Jahren Kontakte mit der Einrichtung und sind dort immer auf offene Ohren gestoßen“, würdigt Lothar Berg. Der KTZV-Vorsitzende bestätigt die Sorge um einen schleichenden Verlust heimischer Rassen und macht das am Beispiel weißer Warzenenten fest. „Zu DDR-Zeiten waren die überall zu sehen. Heute sind sie nahezu komplett verschwunden. Generell ist es um das Groß- und Wassergeflügel schlecht bestellt. Die frühere Züchterhochburg Hohenbocka ist komplett zusammengebrochen“, mahnt er. KTZV-Vorstandsmitglied Bernd Behnisch schlägt verbal in die selbe Kerbe. „Wir alle benötigen mehr Lobby: der Tierpark, die dortige Zuchtgemeinschaft und unser Verein.“

Von der Win-win-Situation ist auch Siegmar Siewert überzeugt, der als Knirps mit kleinem Federvieh aufwuchs. „Mein Vater hatte eine Wellensittich-Zucht auf Ausstellungsniveau. Ihm zuzuschauen oder zur Seite zu stehen, hat mir immer Freude bereitet“, erinnert sich der Wahl-Senftenberger. Das frühzeitige Heranführen, die erworbenen Grundkenntnisse und die Zuneigung zu Tieren dürften auch dazu beigetragen haben, dass sich der frühere Dresdner immer einen der sehr begehrten Schülerpraktika sichern konnte. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er und verweist in Zusammenarbeit mit Holger Loser auf erste stabile Zuchterfolge. In diesem Jahr schlüpften allein 18 Brahma- und 17 Thüringer Barthühnerküken. Wenn diese einmal Eier legen, freut sich auch der Tierpark. Wie „Siggi“ Siewert informiert, können diese zur Fütterung verwendet werden. „Waschbären, Nasenbären und Füchse bekommen diese roh, Aras, Erdmännchen und unsere Affen hingegen gekocht serviert.“