In den Gesichtern der Grubenteichsiedler ist wieder Lebensfreude und neuer Mut zu sehen am Freitagabend. Erstmals treffen sich die ehemaligen Nachbarn nach einem harten Sommer wieder. Alle haben ihre liebevoll mit eigener Kraft aufgebauten bescheidenen Wohnhäuser auf der Kippe des Alttagebaus Mückenberg geräumt - sind in ausbaufähige alternative Immobilien und Mietwohnungen gezogen. Schweren Herzens und nervlich angeschlagen. Knapp drei Monate, nachdem die letzte Familie die Grubenteichsiedlung verlassen haben musste, sind die ersten drei Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Und die ehemaligen Bewohner sind darum bemüht, nach vorn zu schauen - obwohl sie es nicht lassen können, immer wieder noch einen Blick über den Absperrzaun der Bergbausanierer zu wagen. Das Lebenswerk einfach loszulassen, gelingt den Grubenteichsiedlern nicht. Der Abschied dauert bis zum letzten Stein - und der Schmerz darüber hinaus.

Harry Ruhland ist mit seiner Mutter zuletzt umgezogen. Die couragierte Frau, mit der Nachbarin Marlies Zaumseil fast täglich ein Wort über den Gartenzaun gewechselt hat, hat den Verlust des Heims am Grubenteich nicht verkraftet. Sie hat nach dem verlorenen Kampf um das Haus gesundheitlich rasant abgebaut und ist ein Pflegefall, bestätigt der Sohn. Ein alter Baum sei nicht mehr zu verpflanzen, stellt er traurig fest. "Wir hätten uns noch ein paar schöne gemeinsame Jahre gewünscht", sagt er. 60 Jahre hat die Familie am Grubenteich gelebt. "Ohne die Nachbarn hätte ich den Umzug nach Lauchhammer-Mitte gar nicht geschafft", erklärt Harry Ruhland dankbar. Monika Kathke hatte die Nachbarn zusammengetrommelt. Trotz eigener Sorgen hat die Sprecherin der Bürgerinitiative die Gemeinschaft in Not stets eisern zusammengehalten. "Und wir werden uns auch weiter immer unterstützen", versichert sie. Monika Kathke und ihr Mann sind nach Kleinleipisch gezogen.

Marlies und Helmut Zaumseil haben unzählige Häuser in Lauchhammer und in der Umgebung besichtigt. Auch sie sind in Kleinleipisch fündig geworden. "Wir haben 13 Jahre in der Grubenteichsiedlung gewohnt", erzählt Marlies Zaumseil. Die Familie sei hier zwar weniger stark verwurzelt gewesen als die Alteingesessenen, aber der Wegzug fiel schwer. Positiv ist: Die Enkelkinder, die regelmäßig nach der Schule kommen, haben jetzt einen kürzeren Weg zu den Großeltern und viel Platz zum Spielen auf dem größeren Grundstück.

Egon Gückel ist in eine schöne Mietwohnung mit einem kleinen Garten in Lauchhammer-West gezogen. Auch er hat nach dem geliebten Haus, das bereits abgerissen ist, geschaut. "Die alten Obstbäume haben in diesem Jahr so viel getragen wie nie zuvor. Als ob sie wussten, dass es das letzte Mal sein würde", erzählt er. Bei allem Schmerz ist Egon Gückel auch dankbar: dem Rechtsanwalt Siegfried de Witt, der unermüdlich um einen werthaltigen Ersatz für die verlorenen Häuser gerungen hat, und Gabi Theiss (MdL/SPD), die die Grubenteichsiedler als menschliche Politikerin unterstützt hat. Die Abgeordnete hat auch keine Mühe gescheut, um dem Glück im neuen Zuhause der Grubenteichsiedler auf die Sprünge zu helfen. In Schwarzbach und Biehlen hat sie bei den Pferdebesitzern Gerhard Richter und Günter Noack abgetragene Hufeisen eingesammelt und bei Bernd Jähne abstrahlen lassen. "Denn der Mist saß so fest, dass er sich nicht restlos abbürsten ließ", bestätigt sie. Der Arnsdorfer Schmied René Völkl hat die Glücksbringer zudem noch im Kleinformat als Schlüsselanhänger angefertigt. Tränen der Freude und des Schmerzes mischen sich an diesem geselligen Abend verstohlen in den Augenwinkeln der Beschenkten, die mit der Grubenteichsiedlung gemeinsam so viel verloren haben und gute alte Nachbarn bleiben.

Zum Thema:
Nach Jahren der Ungewissheit ist das Schicksal der Grubenteichsiedlung Lauchhammer-West Mitte 2014 besiegelt: Das Wohngebiet mit 14 Eigenheimen und weiteren Mietshäusern muss geräumt werden. Diese Standortverlagerung, die letztlich finanziell vom Land nicht getragen wird, ist im Lausitzer Sanierungsbergbau bisher beispiellos.