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| 01:33 Uhr

Thomas Zenker: „Mein Herz schlägt für Großräschen“

Thomas Zenker weiß, wo den Großräschenern der Schuh drückt. Foto: Steffen Rasche
Thomas Zenker weiß, wo den Großräschenern der Schuh drückt. Foto: Steffen Rasche FOTO: Steffen Rasche
Großräschen. Am Sonntag wählen die Großräschener ihren neuen Bürgermeister. Seit 1994 gibt der 48-jährige Thomas Zenker (SPD)den Kurs in der Stadt am Ilsesee an. Seinen angestammten Platz auf der Kommandobrücke will er auch in den nächsten acht Jahren nicht verlassen und damit das Steuer im Seenland nicht aus der Hand geben. Als alleiniger Kandidat tritt er am Sonntag erneut an. Wie er die Seestadt in 20 Jahren sieht und über seine Motivation, sich zum dritten Mal der Wahl zu stellen, sprach die RUNDSCHAU mit dem Amtsinhaber. Mit Thomas Zenker sprach Andrea Budich

Sie haben seit dem 1. Februar 1994 das Sagen in Großrä schen. Was motiviert Sie, sich erneut zur Wahl zu stellen?

Ich möchte angefangene Dinge weiterführen und zu Ende bringen. Die Region mitgestalten zu können, ist für mich sehr spannend. Wirklich entscheidend für meinen Entschluss, es ein drittes Mal zu wagen, war aber das Vertrauen der Großräschener. Viele haben mir gesagt, dass ich weitermachen soll.

Sie sind auch als heißer Anwärter auf den im Januar zu vergebenen Landrats-Posten gehandelt worden. Warum haben Sie sich für den Bürgermeister-Job entschieden?

Ich denke, beides sind interessante Herausforderungen. Und ja, es stimmt: Ich bin von vielen aus verschiedenen Richtungen angesprochen worden. Es gab viele Gespräche mit guten Bekannten aus Großrä schen. Am Ende war es eine Abwägung. Ich habe mich mit gutem Gewissen für Großräschen entschieden.

Ihre größten Erfolge in der Stadt?

Die Entwicklung von Großräschen in den vergangenen 16 Jahren kann sich sehen lassen. In den 90er-Jahren waren in der Stadt so gut wie alle Industriebetriebe weggebrochen. Heute ist Großräschen wieder ein mittelständischer Firmenstandort mit 3000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Stolz bin ich darauf, dass die IBA-Geburtsurkunde in meinem Büro hängt. Die Idee für eine Internationale Bauausstellung war innerhalb von Studentenwochen 1995 in Großräschen geboren worden. Damals haben wir angefangen, über die IBA zu reden. Und zugegebenermaßen haben nicht wenige gedacht: „Jetzt spinnt der junge Bürgermeister!“ Großräschen als Seestadt mit eigenem Hafen – diese Vision war damals schon gewagt. Einmalig für eine Klein stadt wie Großräschen ist wohl auch, dass es uns gelungen ist, eine Vielzahl der Industiebrachen zu beseitigen. Früher war Großräschen eine Stadt ohne Postkartenmotive. Heute ist es eine Stadt, die man vorzeigen kann. Es ist gelungen, Lichtpunkte zu setzen, auf die die Bewohner mit Recht stolz sind. Gut gelungen ist auch die Inte gration der Ortsteile.

Woran haben Sie sich die Zähne ausgebissen?

Ein ziemlich harter Brocken war der jahrelange Schandfleck direkt am Markt, im Volksmund Schuh-Noack genannt. Es ist das zweitälteste Haus der Stadt, erbaut schon im 18. Jahrhundert. Jahrelang haben wir gehofft, dafür einen Privatinvestor zu finden. Alle Versuche schlugen fehl, sodass wir als Stadt die Immobilie in diesem Jahr gekauft haben. Am Nutzungskonzept für den 3-Seiten-Hof am Marktplatz wird derzeit gearbeitet. Mir schwebt ein Hofladen vor, vielleicht gekoppelt mit einer historischen Stube mit Ausstellung. Auf jeden Fall soll die Großräschener Entwicklungsphase vor der Kohle repräsentiert werden. Landwirtschaftliche Unternehmen der Region wollen wir mit ins Boot holen.

Was hat Großräschen, was andere Städte nicht haben?

Es gibt schon eine Besonderheit: Bei uns war die Wende nicht nur mit einem normalen Strukturwandel verknüpft, sondern auch mit einem tatsächlichen Rückbau. Die Abbaggerung von Großräschen-Süd, bei der 4500 Menschen ihre Heimat verloren, war erst 1991/92 beendet.

Was zeichnet den Großräschener Menschenschlag aus?

Die Menschen hier sind sehr bodenständig und zuverlässig. Allerdings dauert es mitunter bei ihnen etwas länger, sie zu gewinnen und von einer Idee zu begeistern. Insofern sind die Großräschener typische Lausitzer.

Wo steht Großräschen in 20 Jahren?

Als mittelständischer Wirtschaftsstandort wird die Stadt zugelegt haben. Die Seestadt ist keine Vision mehr, sondern erlebbar. Im Lausitzer Seenland spielt Großräschen eine aktive Rolle. Mit dem Ilse-Kanal ist die Stadt das Tor zum Seenland.

Sind Sie enttäuscht, zum zweiten Mal ohne Gegenkandidat antreten zu müssen?

Ich habe tatsächlich diesmal damit gerechnet, dass sich eins, zwei Anwärter trauen. Insofern ist die Wahl für die Großräschener weniger spannend.

Wie werden Sie den Wahlsonntag verleben?

Mit meiner Familie in Altdöbern. Am Abend bin ich im Rathaus anzutreffen.

Warum wohnen Sie nicht in Großräschen?

Ich bin in der Stadt groß geworden, kenne hier jeden Stein. Mein Herz schlägt für Großrä schen. In den 80er-Jahren bekam man in der Stadt keine Baugrundstücke. Wir haben daher das Haus der Großeltern meiner Frau in Altdöbern ausgebaut. Ein Lebensziel von mir ist, irgendwann einmal wieder in Großräschen zu wohnen.