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| 01:00 Uhr

Thema der Woche: Wie wir trauern Erste Hilfe für die Seele

Kroppen.. Frank Hirschmann (46) hat vor zehn Jahren begonnen, beim Aufbau der Notfallseelsorge im Land Brandenburg und speziell im Oberspreewald-Lausitz-Kreis (OSL) mitzuhelfen. Inzwischen engagieren sich im OSL-Team fünf Frauen und Männer ehrenamtlich, zwei weitere sind in der Ausbildung. Sie werden gerufen, wenn Menschen in Krisensituationen Hilfe brauchen. Von Heidrun Seidel


Plötzlich schrillt in der Nacht das Telefon im Kroppener Pfarrhaus. Kurz darauf packt Frank Hirschmann seinen Notfallkoffer und macht sich auf den Weg. Noch weiß er nicht genau, was ihn erwartet: Eine Frau, die um das Leben ihres schwer verletzten Mannes bangt„ Ein Kind, das im Unglücksauto saß und allein zurück bleibt - oder ist jemand ums Leben gekommen und die Angehörigen wissen noch gar nichts“ „Dann überbringen wir meist gemeinsam mit der Polizei den Angehörigen die Todesnachricht“ , erzählt er von der ehrenamtlichen Arbeit der Notfallseelsorger.
Nicht alle Helfer sind so wie der Pfarrer von Berufs wegen auf ein solches Gespräch eingestellt. Sie lernen es in Seminaren und Kursen, in denen sie sich auf das Ehrenamt vorbereiten.
„Eine Todesnachricht zu überbringen, ist schwierig und kostet Kraft“ , weiß Frank Hirschmann. Auch, wenn der Seelsorger geübt hat, die Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten, denn „mit zu großer Betroffenheit kann ich den Menschen nicht helfen“ , weiß er. „Manchmal hat man nichts zu sagen und ist selbst sprachlos. Auch das gehört dazu. Das muss ich aushalten.“ Wichtig sei oft nicht das erste tröstende Wort, sondern dass die Menschen spüren, jetzt in dieser schwierigen Situation ist ihnen jemand ganz nahe, sagt Hirschmann. Und derjenige muss auch in der Lage sein, die unterschiedlichsten Reaktionen der Betroffenen anzunehmen: ganz gleich, ob das ein ungläubiges Schnauzen ist, ein hysterisches Schreien oder das anscheinend gleichgültige Schulterzucken. „In so einer Extremsituation muss eine solche Nachricht erst einmal ankommen. Die verarbeitet jeder Mensch anders. Das ist ganz normal. Wie, da muss sich hinterher auch niemand schämen.“
Etwa jede zweite Woche kommen Hirschmann und sein Team zum Einsatz. Angefordert werden die Ehrenamtlichen von der Leitstelle oder der Polizei. Meist sind es schwere Verkehrsunfälle, bei denen die Seelsorger Ansprechpartner für Betroffene, Angehörige, aber auch Einsatzkräfte sind. Auch bei anderen unerwarteten Todesfällen - vom plötzlichen Kindstod bis zum Suizid - geben sie ersten Beistand - und das jedem, der ihn braucht, unabhängig von seiner Konfession.
Das ist „Erste Hilfe“ für die Seele. „Wir helfen, den Trauerprozess einzuleiten.“