ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:14 Uhr

Theater
Theatersport - Improvisieren ist das richtige Leben

Was bin ich? So könnte eine Aufgabe zum Improvisationstheater “Theatersport” heißen. In dem Fall ist es der Regisseur, Anleiter und Schauspieler Sebastian Volk.
Was bin ich? So könnte eine Aufgabe zum Improvisationstheater “Theatersport” heißen. In dem Fall ist es der Regisseur, Anleiter und Schauspieler Sebastian Volk. FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Senftenberg . Neues Improvisationstheater feiert Mittwoch an der Neuen Bühne Senftenberg Premiere.

Wie reagiert jemand, der auf ein Stichwort hin einen Dialog entstehen lassen soll? Sicher würden die meisten Menschen, die im Improvisieren nicht geübt sind, Schweißausbrüche bekommen und Wortsilben stottern.

Anders die Akteure der Neuen Bühne Senftenberg, die sich dem Theatersport nach Keith Johnstone verschrieben haben: „Ich habe bei ihm in Berlin das Improvisationstheater gelernt und setze es eins zu eins um“, beschreibt Sebastian Volk seine erste Regiearbeit.

Dabei möchte er die Bezeichnung „Regisseur“ nicht so gerne hören: „Ich bin eher der Anleiter, es soll ja improvisiert werden“, stellt er klar. Sebastian Volk ist seit der Spielzeit 2015/16 in Senftenberg. Unter anderem glänzte er als Schauspieler in den „Nibelungen“ und im „Frühlingserwachen“. Er selbst ist ein großer Verehrer des britischen Dramaturgen Keith Johnstone, der seine Art des Improvisierens aus dem martialischen Wrestling abgeleitet hat; ein inszenierter Kampf, bei dem der Ausgang völlig offen ist und die Zuschauer sich auf die eine oder andere Seite der Kämpfenden schlagen können. Nur werden am Senftenberger Theater keine Ringseile vorhanden sein, und es wird auch nur verbal auf die Gegenseite drauf gehauen.

Damit ist aber schon einiges verraten. Es wird zwei Mannschaften, eine Jury und eine Spielleitung geben. Die Kinnhaken werden Stichworte sein, wie zum Beispiel ein „Au-Ja“, ein sich entwickelndes Geheimnis oder die Frage: „Wer ist denn die Person, die dort steht?“ Manchmal ist es auch nur ein einfaches und lustiges „Piep-Piep“, das in wechselnder Intensität Erfolg oder Misserfolg einer Improvisation verrät.

Der Dialog der Badelatschen sollte nicht allzu ernst genommen werden, aber eine Improvisation mit einer Schuhverfolgung ist wohl einmalig. Dass die in Wortgefechten verstrickten Theatermannschaften auch mal eingreifen, um die Improvisation zu ihren Gunsten zu verändern oder mit dem Ruf „Freezing“ eine Szene auf der großen Bühne anhalten, ist dann das Salz in der Suppe.

Sebastian Volk bezeichnet das Eingreifen, wenn es mal nicht so läuft, als: „Spaß am Scheitern.“ Und tatsächlich gibt es am Ende der Vorstellung auch einen Verlierer und einen Gewinner.

Für die Neue Bühne wird mit „Theatersport“ ein neues und spannendes Format etabliert, das schon weltweit Erfolge feierte. Es gibt aber noch eine Besonderheit beim „Theatersport“: Da die Zusammensetzung der Schauspieler in den Mannschaften und der Punktrichter zu jeder Vorstellung wechselt, ist eigentlich jede Aufführung eine Premiere, denn die Dialoge sind ja improvisiert und somit jedes Stück individuell.

Das Publikum ist immer das Salz in der Suppe beim Improvisieren. Aber keine Sorge: Niemand muss mitmachen oder auf die Bühne – die Kunst der Improvisation bleibt den Akteuren des Theaters vorbehalten.