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Theatermacher mit neuen Stelen geehrt

Senftenberg. Melanie Kuschnik ist überrascht. "Was? Wer hätte das gedacht, dass wir mal da vorn stehen", sagt die Personalsachbearbeiterin aus der Allgemeinen Verwaltung der Neuen Bühne Senftenberg lachend. Heidrun Seidel / hsd1

Die fünf Frauen - außer ihr noch Sandra Handschak, Yvette Noack, Petra Bartsch und Verwaltungschefin Christa Mahl - sind für einen der drei Theaterpreise auserkoren. Seit 2001 verleiht die "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Theaters neue Bühne Senftenberg e.V." zum Sommerfest, zu dem er die Mitarbeiter kurz vor der Spielzeitpause einlädt, von Unterstützern und Freunden finanzierte Theaterpreise. Mit diesen wird das besondere Engagement der Theaterleute vor und auch hinter den Kulissen wertgeschätzt. Auch wenn die Verwaltungsfrauen aus den Sachgebieten Rechnungswesen, Lohn und Personal im stillen Kämmerlein, das noch dazu im Keller einen Platz hat, arbeiten, so ist ihr sprichwörtlicher spitzer Bleistift - der heutzutage natürlich Display und Tastatur hat - entscheidend für das Funktionieren des Kulturbetriebes. Ohne sie gäbe es weder Lohn noch Honorare, blieben Material und Lizenzen unbezahlt. Über den Theateralltag hinaus hatten sie im vergangenen Rechnungsjahr auch aufwendige Abrechnungen zu bewältigen, so bei Projekten wie "Doppelpass" oder dem "Bundestreffen der Theaterjugendklubs", die über Fördermitteltöpfe finanziert wurden. Melanie Kuschnik jedenfalls freut sich über das kleine Zubrot für die Urlaubskasse - und vor allem über die Anerkennung, die damit verbunden ist.

Mit einem Strahlen im Gesicht laufen auch die Schauspieler Tom Bartels und Eva Geiler über die schnell nach mehreren Schauern schließlich doch zum Festgelände hergerichtete Theaterwiese. Auch sie sind Preisträger und können sich eine der neuen für diesen Preis angefertigten Stelen ins Regal stellen. Eva Geiler, in Erinnerung als Hitler in Germania 3, aber auch jüngst in "Sterne über Senftenberg" oder "Ewig jung" zu sehen, war seit 2014 zuerst als Gast und ist inzwischen als festes Ensemblemitglied engagiert. Besonders in der schnellen Übernahme von Rollen bei Elternzeitvertretungen habe sie viel Einsatz gezeigt, würdigt Vereinsvorsitzender Reiner Rademann.

Großes Hallo gibt es, als Tom Bartels zur Preisverleihung aufgerufen wird. "Ein bisschen habe ich darauf gehofft", gesteht der sympathische junge Mann ehrlich. Der Preis zeige ihm, dass wahrgenommen und anerkannt wird, wenn man sich auch über das normale Maß reinkniet, sagt er. Bartels fungiert neben der Schauspielerei auch als Sprecher des Schauspielensembles und ist Mitinitiator des "Dämmerschoppens", einem improvisierten Nachtschwärmer-Programm. So hat er auch sein dreijähriges Engagement um ein weiteres Jahr verlängert. Mit dem Mephistopheles im "Urfaust" sei ihm, der bislang durch seinen wohl angeborenen Witz viele komische Seiten zeigen konnte, auch der Sprung gelungen, dass ihm ebenso Ernstes abgenommen wird. All seine Seiten wird er als Siegfried und Giselher in den Inszenierungen der Nibelungensaga als Eröffnungsspektakel der neuen Spielzeit zeigen können.

Wie so ein Weg von der Idee bis zur Premiere am Theater gegangen wird, hat Udo Heuberger aufgezeichnet. Bis zum vorigen Jahr hat er zuerst als Tontechniker und später als Disponent des Künstlerischen Betriebsbüros im Theater gearbeitet und sich nun im (sogenannten) Ruhestand der Filmerei verschrieben. "Ich habe es schon immer bewundert, wie es dem Ensemble immer wieder gelingt, zur Premiere eine Punktlandung hinzukriegen." Das hat er nun in der Inszenierung des "Urfaust" verfolgt und etwa neun Monate die Geburt eines Stückes von der Idee über die Konzeption, Werkstattgespräche, Kulissenbau, Proben bis schließlich zur Premiere begleitet - ein "Making off" sozusagen. Das zeigt gleichermaßen Anspannung und Spielfreude, zeigt Suche nach Lösungen, Intensität ebenso wie Spaß an der Arbeit.

Es ist ihm anschaulich und beeindruckend gelungen, darzustellen, wie Theater entsteht, honorierten die Gäste der Vorpremiere mit langem Beifall den Film. Der ist somit selbst eine Punktlandung zum Sommerfest geworden. In der nächsten Spielzeit wird er auch öffentlich zu sehen sein.