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Theater will und muss ein Leuchtturm sein

Als "Angstmän" ist Simon Elias (r.), hier mit Alrun Herbing, der "größte Schisshase des Universums". Das Stück ist ein Mutmacher für Kinder ab acht Jahren, wenn sie einmal allein in der Nacht zu Hause sind, weil die Eltern arbeiten. Die schwierige Entstehungsgeschichte bis zur Premiere wird der Schauspieler wohl nicht vergessen.
Als "Angstmän" ist Simon Elias (r.), hier mit Alrun Herbing, der "größte Schisshase des Universums". Das Stück ist ein Mutmacher für Kinder ab acht Jahren, wenn sie einmal allein in der Nacht zu Hause sind, weil die Eltern arbeiten. Die schwierige Entstehungsgeschichte bis zur Premiere wird der Schauspieler wohl nicht vergessen. FOTO: hasd1
Senftenberg. Der Schauspieler spricht über ein Kuckucksei, die Vaterrolle, eine chinesische Nachtigall und seinen Abschied von Senftenberg. hsd1

Kommen und Gehen - Schauspieler sind ein fahrendes Volk, das in seiner beruflichen Laufbahn meist unterschiedliche Stationen durchläuft. Mit dem jetzigen Ende der Spielzeit 2016/17 verlassen vier Schauspieler die Neue Bühne. Neben Wolfgang Tegel, Katrin Flues und Eva Kammigan auch Simon Elias.

Als Sie 2013 nach der Schauspielschule mit sehr jungen 24 Jahren direkt nach Senftenberg kamen, titelte die RUNDSCHAU:: "Ich war schon Mörder, Komponist, Professor". Inzwischen waren Sie auch noch Maik in Vineta, der Feldjäger Runge in Germania 3, der Hämon in Antigone, Christopher Wren in der Mausefalle, Kennedy in Maria Staurt, Dominik in "Out", Tom in "Auf Eis" und sogar ein Sternchen in Peterchens Mondfahrt. Nicht zu vergessen Ihre Rollen in Tschick, Mutter Courage, in der Bornholmer Straße und vielen anderen Stücken. Und sie gehören zu den Mitgestaltern des Dämmerschoppens. Sie haben sich in vielen Fächern bewiesen. Welche Rolle ist Ihnen die Liebste?

Elias: Das ist schwer zu sagen, weil ich so ziemlich alle Rollen gern gespielt habe. Herausheben würde ich Angstmän im Frühjahr 2016. Ein paar Wochen vorher war unsere Tochter zur Welt gekommen, und Schlaf war ein rares Gut. Die Proben begannen sehr schwungvoll mit viel Freude, und nach etwa drei Tagen bekam ich eine heftige Grippe mit über 40 Fieber und fiel anderthalb Wochen aus. Nicht so schlimm, dachten wir uns, ist ja ein kurzes Stück - doch als ich wieder proben konnte, da kam die Nachricht, dass Alrun Herbing die Windpocken hatte. Und da sie von Anfang bis Ende auf der Bühne war, machte Proben erneut keinen Sinn. Und als Alrun wieder da war, etwa anderthalb Wochen vor der Premiere, da erkrankte Manuel Souberand. Und wir standen ohne Regisseur da. Wir haben dann die Endproben mit seiner Frau Anita Iselin bestritten. Das funktionierte sehr gut, doch es war unfassbar anstrengend, mehr oder weniger das komplette Stück in anderthalb Wochen zu proben. Bei der Premiere fühlte ich mich sehr unwohl, doch dann haben wir über die Vorstellungen Sicherheit gewonnen, bis es für uns alle zu einer Art Lieblingsstück geworden war. Alrun, Wolfgang und ich sind nach wie vor sehr stolz darauf, wie wir uns das Stück zu Eigen gemacht haben.

... und dann ist da noch eine ganz private Rolle hinzugekommen, die Vaterrolle... Wie gefällt Ihnen diese?
Elias: Es ist wunderbar, eine unvorstellbare Bereicherung. Man bekommt das immer wieder erzählt, kann aber als Nichteltern gar nicht so richtig verstehen, was Eltern damit meinen. Ab der ersten Sekunde nach der Geburt ändert sich dein Leben komplett, und es ist so, als wäre es schon immer so gewesen. Ich frage mich, was ich vorher mit all der freien Zeit nur angefangen habe, die muss es ja gegeben haben - ich weiß es nicht. Bloß trifft mich als Nachtmensch der Schlafentzug schwer - das ist es aber wert.

Haben sich Ihre Erwartungen, mit denen Sie nach der Schauspielschule ihr erstes Engagement angetreten haben, erfüllt? Sie haben 2013 gesagt, dass die Philosophie des Theater dem entspreche, was Sie sich für Ihren ersten Ort gewünscht haben, Theater mit vollem Einsatz für die Menschen zu machen.
Elias: Ja. Das Senftenberger Theater ist ein wirklich besonderer Ort. Schon allein aufgrund seiner Geschichte hat es eine große Nähe zu seinem Publikum, das ist toll. Es will und muss kultureller Leuchtturm in einer Region sein, die gezwungen war und ist, sich neu zu erfinden. Ich wünsche dem Haus, dass hier weiterhin immer Menschen arbeiten, die das wissen und schätzen.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung? Welche Menschen, welche Kollegen waren wichtig für Sie? Sie waren gerade ein Jahr am Theater, da wechselte die Intendanz. War das schwierig für Sie?
Elias: Der Intendantenwechsel war natürlich eine Herausforderung. Es ist schwer, sich nicht als Kuckucksei zu fühlen, wenn der neue Intendant seine eigenen Leute mitbringt, darunter viele junge Männer, die dann auch beim ersten Spektakel erstmal im Vordergrund stehen. Manuel und ich haben auch etwa anderthalb Jahre gebraucht, bis wir uns richtig verstanden haben. Umso mehr freut es mich, dass wir uns jetzt so schätzen, dass wir beide gerne weiter miteinander gearbeitet hätten. Was meine persönliche Entwicklung angeht, so war es für mich eine ganz neue Erfahrung, mich behaupten und beweisen zu müssen. Ich glaube, daran konnte ich wachsen. Und ich bin dankbar.

Was haben Sie jetzt vor? Wo werden Sie zu sehen sein - und welche ist Ihre erste Rolle am neuen Ort?
Elias: Ab der nächsten Spielzeit werde ich festes Ensemblemitglied an der Bremer Shakespeare Company sein. In meiner Heimatstadt, bei meiner Familie. Als erstes werden wir das Märchen "Die chinesische Nachtigall" machen, und im Winter geht es dann mit Shakespeare los.

Was möchten Sie zum Abschied gern noch sagen?
Elias: Danke.

Mit Simon Elias sprach Heidrun Seidel.