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Frauentag
Teilzeitjobs in Frauenhand

Elke Behr bedient und kassiert in der Kantine im Senftenberger Rathaus. „Ich bin so zufrieden, wie es ist“, sagt sie.
Elke Behr bedient und kassiert in der Kantine im Senftenberger Rathaus. „Ich bin so zufrieden, wie es ist“, sagt sie. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Die Teilzeit und der Niedriglohn im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sind weiblich. Zum Frauentag an diesem Donnerstag weist darauf die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisch hin. Doch kann ein Halbstagsjob auch zufrieden machen? Von Jan Augustin

Konzentriert, aber mit einem Lächeln auf den Lippen, reicht Elke Behr das Wechselgeld über den verglasten Tresen. Dann noch fix die Bonus-Karte abgestempelt. Und schon wartet der nächste hungrige Kunde. Grünkohl mit Würstchen läuft heute besonders gut.

Wer hier essen geht, kennt Elke Behr, die Kassiererin in der Kantine unter dem Senftenberger Rathaus. Sie ist fast immer da. Seit 2011 hat sie den Job. Um 11 Uhr beginnt ihre Schicht. Um 15.30 Uhr ist Schluss. Dazwischen eine Menge Arbeit. Wenn Elke Behr nicht abkassiert, bedient sie. Das Geschäft läuft gut. Die Gäste stehen Schlange, müssen aber nur kurz warten. Elke Behr ist flink. Sie hat den Beruf ja auch gelernt. Zu DDR-Zeiten hieß er Fachverkäufer für Fleisch- und Wurstwaren und Kassierung. 20 Jahre hat sie in der Kaufhalle an der Bertolt-Brecht-Straße in Senftenberg gearbeitet. Doch der Markt schließt kurz nach der Wende.

Elke Behr wechselt in die Fleischerei Socher nach Schwarzheide und ist dort die nächsten 15 Jahre beschäftigt. Immer in Vollzeit. Seit sieben Jahren ist sie nun die Kassiererin im „Keller“, wie die Kantine auch abgekürzt genannt wird. Es ist ein Teilzeitjob. Doch die heute 62-Jährige klingt nicht verbittert. „Ich bin so zufrieden, wie es ist und habe jetzt mehr Zeit für die Familie und für mich“, sagt sie in einer kurzen Pause.

Elke Behr ist wie viele Frauen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis nur halbtags beschäftigt. Bei den rund 11 900 Teilzeit-Stellen im Landkreis liegt der Frauenanteil nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die sich auf Zahlen der Arbeitsagentur beruft, bei 80 Prozent. Uwe Ledwig, Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg, spricht von einer „Karrierefalle“. Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, sagt Ledwig.

Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener. „Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Ledwig zum Frauentag.

So verdienen Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt liegt der sogenannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, kritisiert Ledwig. Die Politik müsse mehr für Lohngerechtigkeit unternehmen, fordert die NGG, ansonsten verschärfe sich die Altersarmut für Frauen auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten“, bringt es Ledwig auf den Punkt.

Elke Behr weiß das. Aber mit ihrem Lohn sei sie einverstanden. „Alles ist in bester Ordnung. Und das Klima stimmt auch“, sagt sie. Zudem habe sie sich über die Jahre hinweg etwas angespart. Dass die NGG den Frauentag nutzt, um ihre Kritik zu verbreiten, registriert Elke Behr mit einem Schulterzucken. Der Frauentag bedeutet ihr eigentlich nichts mehr, sagt sie. „Ein bisschen mehr Anerkennung zu bekommen, würde ich mir aber schon wünschen.“