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| 11:16 Uhr

Pfarrgemeinde in Großräschen-Mitte wird 400 Jahre
Ein Stück Bückgen kehrt zurück

 Ein mosaikgeschmücktes Trümmerstück aus dem Altar der 1990 gesprengten Kirche Bückgen.
Ein mosaikgeschmücktes Trümmerstück aus dem Altar der 1990 gesprengten Kirche Bückgen. FOTO: Kirchgemeinde Großräschen / Holger Stroisch
Großräschen. Kirchenmitglieder aus Großräschen haben jetzt ein Stück Kirchengeschichte zurück nach Hause geholt. Teile des Altars der 1990 gesprengten Kirche Bückgen sollen künftig die Erinnerung wach halten. Von Catrin Würz

Fast drei Jahrzehnte lang hat ein Stück Großräschener Kirchengeschichte jenseits der Landesgrenze die Zeit überdauert. Als 1990 die Kirche Bückgen wie der ganze Ort dem Tagebau Meuro weichen musste und das Gotteshaus gesprengt wurde, haben findige Kirchenmitglieder einige Teile des Altartisches in einer Scheune in Lauta sichergestellt. Vor Kurzem ist dieser kleine „Schatz“ nun nach Großräschen zurückgekehrt, bestätigt Holger Stroisch vom Bauausschuss der Kirchengemeinde Großräschen. Die Lagerstätte in Lauta stand einerseits nicht mehr zur Verfügung; andererseits bahnt sich mit einem großen Gemeindejubiläum auch die Chance für eine Nutzung an. Mitglieder der Kirchengemeinde haben die geschichtsträchtigen Ziegelsteine deshalb kürzlich mit einem aufwändigen Transport zurück an den Ort ihres Ursprungs gebracht. Und was nun tun damit?

Der Großräschener Pfarrer Dr. Frank Bahr bestätigt, dass diese Frage in der Gemeinde derzeit intensiv diskutiert wird: „Wir überlegen, wie wir diese steinernen Zeitzeugen der Bergbau- und Kirchengeschichte so in unserer Kirche integrieren, dass es eine würdige Erinnerung ist“, erklärt er.

Ohnehin schmiedet die evangelische Kirchengemeinde Großrä­schen derzeit gerade Pläne und Konzepte für ein besonderes Vorhaben. Denn im kommenden Jahr gibt es in der Seestadt ein großes Jubiläum zu feiern. Die Kirchengemeinde Großräschen gründete sich im Jahr 1620 als selbstständige Pfarrgemeinde und feiert demnach 2020 ihren 400. Geburtstag. Ein guter Anlass, um im Gotteshaus etwas Besonderes und etwas Bleibendes zu gestalten, sagt Pfarrer Bahr. Zusammen mit dem Gemeindekirchenrat prüft er derzeit einige Ideen und Visionen.

Auch die Teile des Bückgener Altars spielen dabei eine Rolle. Erste Überlegungen, diese historischen Ziegelsteine in einen neuen Altartisch für die Kirche in Großrä­schen-Mitte zu integrieren, lassen sich nun allerdings doch nicht verwirklichen. Zu groß wäre der Stilbruch, ist man sich in allen Gremien der Kirche einig. Die Ziegeloptik aus Bückgen würde nicht gut in das Kirchenschiff des neogotischen Bauwerkes in Großräschens Mitte passen. Deshalb werden nun andere Ideen geprüft, informiert Holger Stroisch, Vorsitzender des Bauausschusses der Kirchengemeinde. In einem separaten Raum im Kirchenbau könnten die Bückgener Altarteile einen Platz finden und der durch den Bergbau geprägten Kirchengeschichte eine besondere Stätte der Erinnerung geben, erklärt er.

Andere wichtige Elemente und Teile der Bückgener Kirche sind dazumal auch in anderen Kirchen verwendet worden. So bekamen die Altarfenster und die Glocken eine neue Verwendung in der katholischen Kirche von Hoyerswerda. Die Kirchenbänke sind von einer Kirchengemeinde in Halberstadt genutzt worden, und Teile der Bückgener Orgel konnten für den Orgelbau in der Großräschener Marktkirche verwendet werden.

Wenn die Großräschener Kirche im kommenden Jahr nun ihr 400 Jahre-Jubiläum begehen wird, soll noch ein weiteres Vorhaben ins Blickfeld rücken: Die Kirchengemeinde möchte zum seltenen Jubiläum den Altarraum renovieren und neu gestalten lassen. In den 1970er-Jahren war der damals vorhandene Altartisch abgebaut worden. Seitdem steht ein Provisorium an der Stelle im Altarraum von Großräschen. Der Plan ist nun: Zusammen mit einer Renovierung des Altarbereiches soll die Kirche einen neuen Altartisch bekommen – einen, der sich perfekt in die Gestaltung des Kircheninnenraumes einpasst. „Dazu sind wir derzeit in den Vorgesprächen und in Abstimmungen mit dem Kirchenbauamt und dem Denkmalschutz“, sagt Pfarrer Frank Bahr. Erste Vorstellungen und Entwürfe gibt es bereits.

Klar ist aber auch: Für die Renovierung des Altarraumes bedarf es zusätzlicher Gelder, die durch Spenden akquiriert werden müssen. Den Schwung, den das 400 Jahre-Jubiläum geben kann, will der Gemeindekirchenrat nach besten Möglichkeiten ausnutzen.

 Ein mosaikgeschmücktes Trümmerstück aus dem Altar der 1990 gesprengten Kirche Bückgen.
Ein mosaikgeschmücktes Trümmerstück aus dem Altar der 1990 gesprengten Kirche Bückgen. FOTO: Kirchgemeinde Großräschen / Holger Stroisch