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| 02:35 Uhr

Tausend Merino-Schafe im Sanierungsgebiet

Rund 1000 Merino-Schafe, darunter etwa 300 Lämmer, ziehen gegenwärtig über die ausgedehnten Flächen im Sanierungsgebiet des ehemaligen Tagebaues Meuro. Der Bergbau hat dort 3583 Hektar Land zwischen den Gemarkungen Meuro, Hörlitz, Senftenberg, Rauno, Reppist, Sedlitz und Großräschen in Anspruch genommen. Von Hans Hörenz

330 Millionen Tonnen Rohbraunkohle wurden aus dem großen Grubenloch gefördert. 1999, vor nunmehr nicht einmal einem Jahrzehnt, ist die Kohlegewinnung eingestellt worden. Seitdem ist durch die Sanierungsunternehmen und andere Firmen im Auftrag der LMBV viel getan worden, um der einst vom Bergbau geprägten Landschaft ein neues Gesicht zu geben.

Dies geschah auch zwischen Senftenberg und Reppist im Bereich des ehemaligen Südrandschlauches, wo unterhalb des Aussichtspunktes durch vielfältige bodenverbessernde Maßnahmen und Aussaat von Gräsern, Klee oder Luzerne gegenwärtig die anspruchslosen wiederkäuenden Paarhufer ihre Nahrung finden.

Seit etwa zwei Wochen pendelt Schäfer Torsten Mletzko vom Schaf- und Agrarhof Johann Nesges aus Liedekahle im Landkreis Teltow-Fläming durch das hiesige Sanierungsgebiet. Treue Begleiter des aus Thüringen stammenden Schäfers, der in den 80er-Jahren seine Lehre absolvierte, sind "Lena", eine ungarische Herdenschutzhündin, sowie "Tina", eine altdeutsche Hütehündin.

"Auf beide ist Verlass", meint der erfahrene Schäfer, als er mit einigen interessierten ehemaligen Reppistern auf seinem Gang zwischen dem Aussichtspunkt und dem seit einigen Monaten leer stehenden früheren Gemeindekulturhaus, das zuvor die Neue Bühne nutzte, ins Gespräch kam.

Während Schäfer Mletzko davon erzählt, dass die Schafe auf dem ehemaligen Kippengelände auch zur Verdichtung des Bodens beitragen, sie dadurch auch einen landschaftspflegerischen Zweck erfüllen, dass die Tiere im April geschoren werden und die feinwolligen Merinos wohl unter den Schafen die beste Wollqualität haben, blicken die Ex-Reppister in die Zukunft und Vergangenheit. Sie reden über die jüngst erfolgten Pflanzungen. Im April 2007 sind beispielsweise 132 000 Setzlinge etwa dort gepflanzt worden, wo Henkels Werke, die Anhaltinischen Kohlenwerke und Matador die Arbeitgeber für Hunderte Einwohner waren.

Als Schäfer Mletzko davon spricht, dass seine Herde auf dem früher von der deutschen Wehrmacht und danach von der Sowjetarmee genutzten Flugplatz in Finsterwalde ihr Winterquartier in großen Hellen beziehen wird, kam für die Reppister in Erinnerung, dass sich in den 30er- und 40er-Jahren ganz in der Nähe des jetzigen Reppister Aussichtspunktes der Bombenübungsplatz des Fliegerhorstes Finsterwalde befand. Dort bereiteten sich damals die Flieger auf ihren Kriegseinsatz vor.

In der Chronik des 1370 erstmalig urkundlich als "Repist" erwähnten Dorfes nehmen die Ereignisse um das Bombenübungsgelände einen besonderen Platz ein. Zentrum des militärischen Objekts waren die Teiche des ausgekohlten Tagebaus Marie I, zu denen von Finsterwalde aus die He 111-Bomber und auch andere Kampfflugzeuge übungsmäßig zum Angriff auf die in den Grubengewässern markierten Schiffe und Boote starteten.

Bei diesen Übungsflügen wurde einmal versehentlich eine Zement-Übungsbombe über der Ortschaft ausgeklingt, prallte vom Südgiebel der Schule ab und drang auf dem Grundstück der Schulstraße 7 in den Boden eines Gartens ein. Menschen kamen aber nicht zu Schaden. Proteste blieben in der damaligen Zeit aus.

Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Dieser Teil der Lausitzer Landschaft hat sich verändert. So, wie gegenwärtig die große Schafherde im Sanierungsgebiet unterwegs ist, lenkt zurzeit ganz nahe der als Umgehung gebauten Straße und des Radweges zwischen Senftenberg und Sedlitz auch eine Pflanzmaschine der Sanierungsgesellschaft Lauchhammer die Blicke der vorbeifahrenden Radler auf sich. Man darf gespannt sein, wie sich das Gebiet des ehemaligen Tagebaus Meuro in der Zukunft noch verändern wird.