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| 02:44 Uhr

Tatort Krankenhaus: Goldschmuck geklaut

Mit dieser goldenen Panzerkette ist der Lebensgefährte von Kathrin Alex ins Krankenhaus Senftenberg eingeliefert worden. Sie ist weg.
Mit dieser goldenen Panzerkette ist der Lebensgefährte von Kathrin Alex ins Krankenhaus Senftenberg eingeliefert worden. Sie ist weg. FOTO: privat
Senftenberg. Patienten im Klinikum Niederlausitz sind während Untersuchungen bestohlen worden. Ermittelt wird in fünf Fällen. Es geht um zwei Goldringe, eine Panzerkette aus Gold, eine Damenkette mit Anhänger und eine Uhr. Andrea Budich

Dreiste Diebe, die die Anonymität auf den Krankenhausfluren eiskalt ausnutzen, haben fünf Patienten aus Frauendorf, Kleinleipisch und Lauchhammer beklaut. Wertvolle Ketten und Ringe aus Gold sind weg. Ins Visier der Ermittler geraten ist der Weg von der Notaufnahme zur Radiologie.

Dass ihre 85-jährige Mutter im Krankenhaus als hilflose und nicht ansprechbare Patientin Opfer von Dieben wird, darüber kommt Silvia Watzlaw aus Lauchhammer bis heute nicht hinweg. Ihre Mutter Edelgard Hoffmann ist nach vierwöchigem Krankenhausaufenthalt in Senftenberg und Lauchhammer inzwischen wieder entlassen. Nach dem schweren Schlaganfall kann sie sich noch immer nicht mitteilen, versteht aber alles. Mit traurigem Blick schaut sie immer wieder fragend auf ihren leeren Ringfinger. Von dem Schmuckstück mit durchbrochenem Muster wollte sie sich nie trennen. "Den Ring trug sie seit einem Urlaub auf der Krim. Abgelegt hat sie ihn nie", so die Tochter.

Das Lieblings-Schmuckstück, an dem so viele Erinnerungen hängen, trägt die Rentnerin auch, als sie als Notfall mit Schlaganfall ins Krankenhaus Senftenberg kommt. Am 16. Juni wird die Patientin um die Mittagszeit von Station 20a in ihrem Bett zur MRT-Untersuchung in die Radiologie gefahren. Für die Untersuchung muss Edelgard Hoffmann den Ring ablegen. Danach sieht sie ihn nicht wieder. Seine Existenz ist in den Krankenhaus-Aufnahmepapieren vermerkt.

Tochter Silvia Watzlaw setzt alle Hebel in Bewegung, damit der Ring wieder an den Finger der Mutter kommt. Sie befragt Schwestern und Pfleger, erkundigt sich an der Anmeldung, in der Radiologie, kämpft sich bis zum Krankenhaus-Safe vor und zeigt den Verlust in der Beschwerdestelle des Krankenhauses offiziell an. Sie sucht sogar in der Zeitung nach möglichen Zeugen und setzt einen Finderlohn aus.

Der öffentliche Hilferuf hat eine Wirkung, mit der Silvia Watzlaw nicht gerechnet hat. Bei ihr melden sich weitere vier Opfer, die im Krankenhaus beklaut wurden.

Darunter ist Kathrin Alex aus Kleinleipisch. Ihr Lebenspartner (59) kommt am 24. Mai im Rettungswagen in die Notaufnahme des Krankenhauses Senftenberg. Kathrin Alex hat den Notruf abgesetzt und weiß ganz genau, dass ihr Mann die dicke Panzerkette aus Gold trug, als er im hilflosen Zustand zu Hause abgeholt wurde. Im Krankenhaus wird er zur Computer-Tomographie gebracht, später ins künstliche Koma versetzt und dann per Rettungshubschrauber nach Dresden verlegt. Die Kette, so erfährt Tochter Jana später, wird samt einer weniger wertvollen silbernen Armbanduhr in einer roten Schmucktüte verstaut. Die Uhr taucht in Dresden wieder auf, die Kette bleibt verschwunden.

Der Lebenspartner von Kathrin Alex wird nach fünf Wochen im Koma derzeit auf der Intensivstation der Reha-Klinik in Pulsnitz betreut. "Er weiß nicht, dass die Kette fehlt. Deshalb kämpfe ich für ihn", erklärt Kathrin Alex. Den Bescheid von der Krankenhaus-Versicherung KSA mit Sitz in Berlin hat sie noch nicht verdaut. Darin heißt es gleich im ersten Satz ganz lapidar: "Die Prüfung des bedauerlichen Schadensfalles hat ergeben, dass eine Einstandspflicht des Klinikums Niederlausitz für den angezeigten Schaden nicht festzustellen ist." Auch bei Silvia Watzlaw hat sich inzwischen die Krankenhaus-Versicherung gemeldet und nach dem Wert des verschwundenen Goldringes gefragt. "Den kann ich nicht beziffern. Darum geht es uns auch überhaupt nicht", erklärt sie. Die Familie will nicht mit irgendeiner Geldsumme abgespeist werden. "Der Ring ist für meine Mutter unbezahlbar, weil kostbare und unwiederbringliche Erinnerungen an ihm hängen", betont sie.

Dafür zeigt auch Klinikum-Geschäftsführer Uwe Böttcher vollstes Mitgefühl. "Jeder Einzelfall wird daher von uns mit besonderem Augenmerk betrachtet. Wir geben der Polizei jede Unterstützung, die wir geben können", sagt er. Gleichzeitig verweist er darauf, dass das Klinikum eine offene Einrichtung mit rund 20 000 Patienten im Jahr ist. Auf den Stationen laufen viele Patienten, Besucher und andere Gäste herum, so dass Diebe in bestimmten Situationen einen leichten Zugriff haben. "Das ist ein Problem, das nicht beherrschbar ist", stellt er fest. Parallel werde auch geschaut, wer von der Mitarbeiterschaft in Versuchung geraten sein könnte und ob es gegebenenfalls Häufungen auf einzelnen Stationen oder Wegen gibt. Prinzipiell will Uwe Böttcher ein Fehlverhalten eigener Mitarbeitern nicht ausschließen. Sollte die Polizei tatsächlich einen überführen, werde er fristlos gekündigt. Der Geschäftsführer bestätigt, dass es dafür auch schon Beispiele in der Vergangenheit im Hause gegeben hat. Jetzt werde nach einer Möglichkeit gesucht, Wertsachen der Patienten unter Verschluss zu lagern.

"Wir fordern Aufklärung und wollen den Schmuck zurück. Geld wiegt den Verlust nicht auf", spricht Kathrin Alex den Opfern aus dem Herzen.