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"Tante Katja" schmeckt das Unternehmerleben

Katja Kling neben ihrem Porträt. Dieses und 19 weitere Präsentationen junger Gründer können derzeit im Senftenberger Gesundheitsamt gegenüber der Universität besichtigt werden.
Katja Kling neben ihrem Porträt. Dieses und 19 weitere Präsentationen junger Gründer können derzeit im Senftenberger Gesundheitsamt gegenüber der Universität besichtigt werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack/trt1
Senftenberg. In knapp zehn Jahren haben sich rund 300 junge Menschen mithilfe der Gründerwerkstatt "Zukunft Lausitz" eine Existenz in der Region aufgebaut und schaffen dadurch Arbeitsplätze. Eine von diesen Existenzgründern ist die Schwarzheiderin Katja Kling mit ihrem Cateringservice. Torsten Richter-Zippack / trt1

Rund 300 Kinder aus Schwarzheide und Umgebung wissen, wie es bei "Tante Katja" schmeckt. Schließlich dürfen die Knirpse tagtäglich verkosten, was Katja Kling und ihre fünf Mitarbeiter in der Küche so zaubern. Und die Speisen scheinen tatsächlich zu munden. "Natürlich sind unsere Nudeln der Renner", sagt Kling schmunzelnd. Längst beliefert die Köchin und Caterin nicht nur mehrere Kindereinrichtungen, sondern ebenso Mitarbeiter der BASF und weitere Kunden. Tag für Tag rund 700 Gerichte. "Wir bieten keine Fertigprodukte an, sondern bereiten alles frisch zu", erzählt die 32-jährige Unternehmerin. Soweit es möglich sei, mit Erzeugnissen aus der Region. Beispielsweise liefere ein Bauer aus Frauwalde die Kartoffeln. Auch das Gemüse stamme großteils aus der Heimat.

Im Oktober jährt sich die Gründung von Katja Klings Firma bereits zum fünften Mal. Im Herbst 2010 hatte die Schwarzheiderin ihr Unternehmen aus der Taufe gehoben. Und zwar mittels tatkräftiger Unterstützung der Gründerwerkstatt "Zukunft Lausitz". Dort habe die angehende Firmenchefin das A und O des Unternehmertums kennengelernt. Der anschließende Sprung in die Selbstständigkeit sei für sie nur die logische Konsequenz gewesen. Dabei hatte Katja Kling zuvor keineswegs einen schlechten Job. Sie sei in der Küche eines renommierten Opernhauses tätig gewesen. Allerdings weder in Brandenburg noch Sachsen, sondern im über 400 Kilometer entfernten Nürnberg. "Eigentlich war für mich immer klar, dass ich in die Heimat zurückkehre", berichtet die 32-Jährige. Inzwischen habe sie neben mehreren Mitarbeitern auch ihren Mann eingestellt. "Er ist mein Organisationschef", sagt sie lächelnd. Ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit habe die Schwarzheiderin keine Sekunde lang bereut. Auch wenn die Arbeitsbelastung enorm sei. "Aber ich kann mich frei entfalten. Das ist mir ganz wichtig."

Indes plant Katja Kling bereits einen neuen Unternehmenszweig. Wenn alles klappt wie geplant, wolle sie im nächsten Jahr ein Café in ihrer Heimatstadt eröffnen. "Mit frischgebackenem Kuchen, Salaten und Brunch", kündigt die 32-Jährige an. Wo das Lokal genau einladen werde, werde zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. "Nur so viel: Die Lage des Cafés ist ziemlich zen tral", sagt Kling.

Das Porträt der tüchtigen Unternehmerin gehört zur neuen Ausstellung im Senftenberger Gesundheitsamt. Dort sind noch bis Ende Mai insgesamt 20 Tafeln mit jungen Gründern zu sehen, die in den vergangenen Jahren den gleichen Weg wie Katja Kling beschritten haben, wenn auch in höchst unterschiedlichen Branchen. Allen gemein ist, dass sie durch die Gründerwerkstatt "Zukunft Lausitz" professionell auf den neuen Lebens- beziehungsweise Arbeitsabschnitt vorbereitet wurden.

Ganz frisch auf dem Markt ist dagegen Susen Gunder. Die Senftenbergerin hat ihre Firma "Media Produktion" erst vor drei Wochen gegründet. Das Markenzeichen: eine hochauflösende Filmkamera. "Ich möchte für Unternehmen aus der Region Werbespots erstellen und diese auf deren Internetseiten präsentieren", erklärt die 28-Jährige ihre Idee. Darüber hinaus strebe sie eine Kooperation mit dem Lokalfernsehen WMZ an. Das entsprechende technische Gewusst-wie bringt die junge Frau mit. Sie habe im Babelsberger Synchronstudio bereits den Ton für mehrere Folgen der US-Serie "Mike & Molly" zugeschnitten, die auf Pro 7 läuft. "Im Berliner Raum bin ich allerdings nicht wirklich heimisch geworden. Nicht zuletzt habe ich mich in der Lausitz verliebt. Daher bin ich wieder nach Senftenberg zurückgekehrt", berichtet Susen Gunder über ihre Beweggründe. Ihren ersten Auftrag habe sie bereits an Land gezogen. Nämlich einen Familienfilm über einen Besuch im Cottbuser Tierpark.

Wie Marcel Linge von der Gründerwerkstatt ausgerechnet hat, haben seit dem Jahr 2006 genau 316 junge Menschen aufgrund der Betreuung durch seine Institution ihre eigene berufliche Existenz aufgebaut. 280 Unternehmen gebe es noch heute. Häufigste Branchen seien Medien, Gastronomie und weitere Dienstleistungen. Was einen künftigen Unternehmer unbedingt auszeichnen sollte? "Er muss bereit sein, für seine Sache Tag und Nacht zu brennen und dies mit seinem Privatleben zu vereinbaren", erklärt Linge. Der Experte, selbst Inhaber einer Werbeagentur, verschweigt allerdings auch nicht, dass ein gewisses finanzielles Startkapital in den meisten Fällen zwingend vonnöten sei.