| 02:54 Uhr

Tankstellen-Räuber muss hinter Gitter

Im Februar war die Tat vor Ort rekonstruiert worden.
Im Februar war die Tat vor Ort rekonstruiert worden. FOTO: str1
Cottbus/Hörlitz. Das Landgericht Cottbus hat Silvio A. am Mittwoch wegen schweren Raubes und Beleidigung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sieben Monaten verurteilt. rur1

Es folgte damit in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch wegen Zweifeln an der Identifizierung des Angeklagten als Täter und hilfsweise bei einem Schuldspruch ein Urteil nahe der Mindeststrafe gefordert. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten.

Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes sah es als erwiesen an, dass Silvio A. am 16. September 2012 die Esso-Tankstelle in Hörlitz überfallen, die Ehefrau des Pächters mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht, rund 600 Euro, eine Flasche Whisky und Tabak gestohlen hatte. Dann flüchtete er auf einem Damenfahrrad. Die Richter begründeten ihr Urteil mit der Identifizierung durch den Tankstellenpächter und seine Frau. Eine Gutachterin hatte zunächst anhand der Videoaufnahmen die Übereinstimmung von 29 von 30 Merkmalen bei Täter und Angeklagtem festgestellt. Nach einer Rekonstruktion der Tat vor Ort fand sie 46 von 47 Merkmalen und bezeichnete die Übereinstimmung der Identität des Angeklagten mit dem Täter als zumindest sehr wahrscheinlich.

Für den Schuldspruch stützte sich das Gericht auch auf das für die Flucht genutzte Damenrad. Es habe einer Freundin des Angeklagten gehört. Zugang hätten neben ihr nur Silvio A., eine Freundin und ein weiterer Bekannter gehabt, die aber als Täter ausschieden. Weitere Details ließen keinen Zweifel zu, dass es sich um das Fluchtrad handele. Mögliches Tatmotiv seien laut Gericht finanzielle Probleme. A. hat nach eigenen Angaben rund 30 000 Euro Schulden bei einer Krankenkasse und einem Ex-Vermieter. Zur Tatzeit drohte die Streichung der Hartz-IV-Bezüge.

Laut Vorstrafenregister wurde A. seit 2001 wiederholt wegen kleinerer Diebstähle, Drogendelikten, Verkehrsvergehen, in einem Fall auch in Tateinheit mit Körperverletzung, verurteilt. Eine Bewährungsstrafe wurde letztlich in Haft umgewandelt.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme am Montag hatten mehrere Zeugen einschließlich der Besitzerin ausgesagt, der Angeklagte habe Zugriff auf das Rad gehabt und dieses wiederholt genutzt. Zeugen der Flucht konnten A. nicht eindeutig als Täter identifizieren. Eine Aussage gegenüber der Polizei, eine Freundin des Angeklagten habe nach der Tat eine Pistole entdeckt, wurden im Prozess nicht bestätigt. Da kein Zeuge den Gegenstand, mit dem der Täter das Tankstellenpersonal bedrohte, als Pistole identifizieren konnte, erfolgte die Verurteilung wegen Bedrohung mit einem Werkzeug, das geeignet sei, den Widerstand der Opfer zu brechen. Damit sank die mögliche Mindeststrafe von fünf auf drei Jahre. Diese wurde wegen des geringen Schadens und der dilettantischen Tatausführung laut mündlicher Urteilsbegründung nur wenig überschritten.

Das Urteil wegen Raubes von drei Jahren und sechs Monaten Haft wurde mit einem Urteil wegen Beleidigung von Polizeibeamten zu 70 Tagessätzen Geldstrafe à zehn Euro zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und sieben Monaten zusammengefasst. Gegen das Urteil kann noch Revision beantragt werden.