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| 13:38 Uhr

Bergbausanierung
Bei Kostebrau entsteht ein neuer Wald

 Blick in den östlichen Randschlauch Kostebrau. Dort werden größere Erdarbeiten stattfinden.
Blick in den östlichen Randschlauch Kostebrau. Dort werden größere Erdarbeiten stattfinden. FOTO: Peter Radke/LMBV / peter Radke/LMBV
Kostebrau/Klettwitz. Westlich von Klettwitz wird in den kommenden Jahren eine komplett neue Landschaft gebaut. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn sich der Klettwitzer Karl Jotte an seine Kindheit erinnert, kommt der heute 85-Jährige sofort auf den Wald zu sprechen. „Wir lebten damals in der Kostebrauer Straße. Diese führte von Klettwitz in den namensgebenden Ort durch herrliche Wälder. Alte Bäume, viele Beeren und jedes Jahr Pilze. Was wollte man als Kind mehr?“, schwärmt der Senior. „Und wissen Sie was: Zwischen Klettwitz, Schipkau, Annahütte und Kostebrau befand sich einst der schönste Wald der ganzen Region.“

Wald musste Tagebau weichen

In den 1960er-Jahren musste der Forst dem Tagebau Klettwitz weichen. Bis 1991 wurden aus dieser Grube, die insgesamt 5200 Hektar Land in Anspruch nahm, 362 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. In diesem Zuge entstand zwischen Klettwitz und Kostebrau der Randschlauch Kostebrau, ein besonders tiefer Tagebaubereich.

 Nördlich der Straße von Klettwitz nach Kostebrau laufen bereits die Erdarbeiten. Perspektivisch soll dort ein neuer Wald heranwachsen.
Nördlich der Straße von Klettwitz nach Kostebrau laufen bereits die Erdarbeiten. Perspektivisch soll dort ein neuer Wald heranwachsen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Nördlich der Straße von Klettwitz nach Kostebrau laufen bereits die Erdarbeiten. Perspektivisch soll dort ein neuer Wald heranwachsen.
Nördlich der Straße von Klettwitz nach Kostebrau laufen bereits die Erdarbeiten. Perspektivisch soll dort ein neuer Wald heranwachsen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Jetzt soll dieses Areal wieder zu Wald werden. Das kündigt Andrea Beyer, Planerin bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), an. „Der Abschlussbetriebsplan sieht dort eine forstwirtschaftliche Nutzung vor“, sagt Beyer.

Umfangreiche Arbeiten vor Baumpflanzungen

Doch bevor die ersten Bäume gepflanzt werden können, müssen zunächst gewaltige Erdmassen bewegt werden. Im ersten Abschnitt ist die Fläche nördlich der Straße von Klettwitz nach Kostebrau an der Reihe. Bis Ende Oktober 2020 werden dort Erdmassen umgeschichtet. Inzwischen ist bereits auf dem 16 Hek­tar großen Areal Baufreiheit geschaffen worden.

Darüber hinaus werden auf der Sohle des Randschlauches Tieflagen aufgefüllt. Außerdem erfolgt die standsichere Gestaltung von Böschungen mittels Umlagerung von Erdmassen. In Summe werden rund 1,5 Millionen Kubikmeter Boden bewegt, rechnet Andrea Beyer vor.

Das im Randschlauch befindliche Restloch wird verschlossen. Dafür planen die Bergbausanierer rund 38 000 Kubikmeter Erdmassen ein.

Nicht zuletzt entsteht im Zuge der Sanierung der künftige zentrale Wirtschaftsweg. Die Trasse soll eine Länge von 3,5 Kilometern und eine Breite inklusive der Bankette von 5,50 Metern umfassen.

Auch südlich der Straße Klettwitz-Kostebrau müssen die Bergbausanierer ans Werk. Für diesen Abschnitt laufen LMBV-Angaben zufolge derzeit geotechnische Untersuchungen. Mit den entsprechenden Ergebnissen wird im Jahr 2020 gerechnet. Erst ab diesem Zeitpunkt können konkrete Maßnahmen geplant werden.

Wald wird Jahrzehnte benötigen

Wann genau der neue Wald angepflanzt werden kann, ist aus jetziger Sicht noch unklar. Nicht zuletzt dauert es dann weitere Jahrzehnte, bis die Bäume entsprechende Höhen und Stärken erreicht haben.

„Wir freuen uns auf die neue Landschaft“, sagt der Schipkauer Bauamtsleiter Martin Konzag. „Die jetzigen Kippen sind zu steil und müssen abgeflacht werden. Mit der späteren Aufforstung erhält die Gegend ihr ursprüngliches Gesicht zurück.“

Die einstige Ortsverbindung zwischen Klettwitz und Kostebrau war bereits im Juni 2010 nach ihrem Neubau freigegeben worden. Zuvor war die Direktverbindung zwischen beiden Dörfern wegen des Tagebaus für fast ein halbes Jahrhundert unterbrochen.

 Blick in den östlichen Randschlauch Kostebrau. Dort werden größere Erdarbeiten stattfinden.
Blick in den östlichen Randschlauch Kostebrau. Dort werden größere Erdarbeiten stattfinden. FOTO: Peter Radke/LMBV / peter Radke/LMBV