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Syrer helfen beim Riesenflügel-Projekt

Ausbilder Thomas Mann (r.) schwärmt von seinem neuen Kollegen Ahmed-Maher Jae. Er sei selbstbewusst, engagiert, offen und witzig.
Ausbilder Thomas Mann (r.) schwärmt von seinem neuen Kollegen Ahmed-Maher Jae. Er sei selbstbewusst, engagiert, offen und witzig. FOTO: Jan Augustin
Lauchhammer. Die Nachtschichten, die Ahmed-Maher Jae zurzeit schiebt, kommen ihm gerade recht. Eine Woche muss der 29-Jährige noch aushalten, dann kann er auch tagsüber wieder essen und trinken. Jan Augustin

Bis dahin dauert der Fastenmonat der Muslime noch an. Bei der Arbeit, erklärt Ahmed-Maher Jae, ist er abgelenkt, das Hungergefühl nicht ganz so groß. "Wir sind das gewohnt", sagt er. Von Damaskus aus ist der junge Unternehmer aus der Elektrobranche vor zwei Jahren vor dem Krieg geflüchtet. Seine neue Heimat hier ist die Gemeinschaftsunterkunft in Sedlitz. Ahmed-Maher Jae will schnell Anschluss finden - er lernt Deutsch, besucht die Berufsschule und will unbedingt einen Job. Den hat er nun. Seit 1. Juni arbeitet er bei Vestas in Lauchhammer.

Der anerkannte Flüchtling aus Syrien ist einer von drei neuen Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Im Juli sollen fünf neue Flüchtlinge eingestellt werden. Und in einer nächsten Runde noch einmal vier. "Wir brauchen sie händeringend in der Produktion", sagt Werksleiterin Hanne Dinkel. Der Rotorblatt-Hersteller aus Lauchhammer baut mit seinen rund 815 Mitarbeitern gerade an seinem neuen Riesenflügel. Das erste 67 Meter lange Blatt soll nächste Woche das erste Mal vom Band rollen. Vestas hat für die nächsten Monate angekündigt, insgesamt 150 neue Arbeitsplätze zu schaffen und 150 Zeitarbeiter zu übernehmen, um die Produktion für die neuen "V 136" sicherzustellen.

Helfen sollen dabei eben auch Flüchtlinge. Seit Januar bemüht sich die Rotorblattfabrik mit der Unterstützung der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Oberspreewald-Lausitz verstärkt um diese Personengruppe. "Wir sind uns unserer unternehmerischen Verantwortung bewusst und möchten engagierten und fähigen Menschen eine nachhaltige Perspektive aufzeigen", sagt Hanne Dinkel. Das klappt derzeit offenbar gut. Die Werks-Chefin, die die Produktionsstätte seit April vorigen Jahres führt, spricht von einer Gewinn-Situation für beide Seiten. Sie schwärmt: "Es lässt sich unheimlich gut mit ihnen zusammenarbeiten."

Motivation und Engagement seien groß, bestätigt Vestas-Fachausbilder Thomas Mann. Er hat Ahmed-Maher Jae als erster unter seinen Fittichen gehabt. "Achim", wie sie ihn anfangs einfachheitshalber genannt haben, sei sehr selbstbewusst und offen, auch für den einen oder anderen Scherz. "Ich habe es bedauert, als er seine letzten Tage in unserer Abteilung hatte", sagt Thomas Mann.

Seine berufliche Zukunft sieht der junge Syrer, der noch mit Fahrrad und Zug von Sedlitz zur Arbeit pendelt, in Lauchhammer. Demnächst will er aber vielleicht nach Senftenberg in eine Wohnung ziehen. Und vielleicht auch eine Freundin finden. Heiraten sei sein Traum, und zwei oder drei Kinder möchte er haben. Für sie, sagt er, soll aber nicht Syrien, sondern Deutschland die Heimat werden.

Zum Thema:
Vestas spricht bei der Vermittlung von Personal und der Integration von Flüchtlingen von einer "sehr guten Zusammenarbeit" mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter OSL. "Ohne die Hilfe würden wir das nicht hinbekommen", betont Personalchefin Amy E. Miltenberger. 80 bis 100 Stellen, größtenteils für die Produktion, seien derzeit frei. Aktuell sind bei Vestas in Lauchhammer etwa 815 Menschen, teilweise über Zeitarbeitsfirmen, beschäftigt.